Human Clock: die Uhrzeit als Kunst

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Man könnte jetzt viel philosophieren darüber, dass die Zeit dargestellt wird über Fotos, die eigentlich grade zeitlos sind, aber viel netter ist ein Blick auf die Seite, der spricht für sich selbst: Humanclock. Ich find´s großartig.

Wer noch nicht genug hat: HumanCalendar bietet das Ganze als Monatskalender.

Demographie für Künstler: Frag 500 Leute auf der Welt eine Frage

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Interaktives, Raum, Soziales, Wissenschaftliches, digitale Welten, interaktive Netzkunst, selbstreferentiell

Es ist eine schlichte Idee in Zeiten von GoogleMaps und Geotagging: Über ask500people.com kann man eine Frage in den Raum stellen und die Antworten auf einer Weltkarte verorten. Auf einmal sieht man, was Menschen in Nordamerika anders antworten als die in Uganda. Und gleichzeitig ist Nordamerika nur Meinungszufallshoheit von 20 Leuten, die zufällig auf der Seite waren und später die Demographie definieren. Ein spannendes Projekt, whatsoever.

Deutsche Nationalhymne 2015 – türkischer Pop macht Kultur

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Audiokunst und Klang, Bewegtes, Soziales, Videokunst, andere Musikvideoregisseure, beste Posts, selbstreferentiell

Deutsche Nationalhymne 2015 – MyVideoUnd so hört sie sich an: die deutsche Nationalhymne auf türkisch. Wer mitsingen will:

Birlik, adalet ve özgürlükAlman anavatanı içinHepbirlikte çalışalımKardeşçe kalben ve el eleBirlik adalet ve özgürlükMutluluğun teminatıBu mutluluğun ihtişamında yeşerYeşer Alman anavatanı 

Aber das ist nur die oberflächlichste Ebene eine Videos, das in ein paar Wochen tatsächlich Symbol werden könnte für etwas, das wir bisher Multikulti genannt haben. Wir meinten damit eine Mischung aus demonstrativer Toleranz, politischer Faktenbeschreibung oder Berliner Hippness, je nach Kontext. Aber wir hatten noch kein Symbol für den Begriff der multiethnischen Gemeinschaft. Alles blieb bisher merkwürdig abstrakt: Es ging um Einwanderung, Zuwanderung und Asylpolitik, Mindestlöhne, Vielfaltdiskurse und Gerechtigkeitsvorstellungen. Muslime sind medial vor allem dann präsent, wenn sich jemand an Kopftüchern und Moscheen stört oder “Gewaltsteigerungsraten” medienwirksam und unethisch mit “Migrationshintergrund” zusammenwürfelt. So richtig verstanden haben das eigentlich nicht, was das heißen soll, wenn diese Symbole wirklich zueinander finden: Heimat und ethnischer Pluralismus. Genau das macht das Video ziemlich geschickt: Die deutsche Nationalhymne remixed als türkischer Pop: Das assoziiert zwei parallel existente Fixpunkte unserer Gesellschaft, das intergriert das junge Türkentum in den vaterländischen Symbolismus. Das ist gleichsam reine Provokation und die sinnliche Erfahrung davon, was Multikulti faktisch heißt. Die Assoziation schafft Raum für Ungewohntes. Das Eigene blickt aus dem Fremden entgegen – wobei das Fremde im türkischen Pop wohl realitätsnäher getroffen ist als in Moscheen, Jugendgewalt oder Terroristen. Und auch die Deutschen erst hier mit etwas konfrontiert werden , was die Türken wohl Ehre nennen würden und das den Deutschen eher peinlich ist: Die Frage “Darf man das?” führt zum Kern unterdrückter Vaterlandsliebe. Und im Kontext faktischer Internationalisierung muss man sich fragen: Ja, warum denn nicht? Denn so kleinlaut sich das Deutsche eingestehen: Mit der Nationalhymne steht das ambivalenteste Symbol deutscher Alltagskultur im Fokus. Und letztendlich ist es auch die Alltagskultur, in der der eigentliche Prozess der Integration zu leisten ist und sich entscheidet: Fernab von Bürgerinitiativen, Chefredaktionen und Botschaften, irgendwo zwischen Dönerladen und Currywurst etablieren sie die Symbolkontexte, die Antwort geben können auf die Fragen nach Integration und Auseinandersetzung. Wenn in der Dönerbude “Nationalhymne 2015″ läuft und der Deutsche dem Türken auf die Schulter klopft, manifestiert sich das, was wir bisher Multikulti genannt haben. Soviel wahrer als Feuilletondiskurse und kaum weniger neuralgisch, als die das Lied zur Zeit begleitende Irritation.Politisch ist das Thema schon auf dem Tisch gewesen: Christian Ströbele hat 2006 den Vorschlag gemacht, dass “türkisch-stämmige Mitbürger die dritte Strophe auf türkisch singen könnten” und bekam ziemlich Gegenwind. Jetzt haben die Türken es selbst gemacht. Dass sie den politischen Segen bekommen, ist eher unwahrscheinlich. Aber Christian Ströbele wird sich freuen. Sofern er türkischen Pop mag.Grup Tekkan übrigens, die türkische Band aus Germersheim, hat mit dem Video nichts zu tun, wie der Manager nach Rückfrage mitteilte. Also bleiben die Macher unbekannt. Im Kontext der agressiven Kommentare anderer Nutzer, kann man das nachvollziehen. Das Stück spricht für sich.

flickrvision :: eine Idee von der Globalisierung an sich

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Zwei Dienste haben in den letzten zwei Jahren das Internet tüchtig umgekrempelt. Google Maps und Flickr. Dass sich damit auch die Art verändert hat, wie wir die Welt wahrnehmen, zeigt ein Projekt von David Troy, der schon das vielgelobte Kunstprojekt Twittervision programmiert hat. Das Projekt zeigt eine Weltkarte, die ständig zu den Orten grade abgeschickter Twitter-Nachrichten fährt. Eine Übersicht des globalen Small-Talk. Flickrvision ist noch etwas cooler, weil die Visualität der Geographie mit den Fotos korrespondiert: Die Karte zoomt zu Erdteilen, von denen ein paar Sekunden vorher Flickr-Bilder hochgeladen wurden. Sehr empfehlenswert und eindrucksvoll. Das Moma in NewYork wird beide Werke demnächst vorstellen. Bevor David Troy von Journalisten überrollt wird, kann man ihm noch die Freundschaft anbieten: Wie es sich für einen Medienkünstler im global web gehört, hat er einen Facebook-Account.

please wait – your dream is loading

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Der Traum on demand, das kann nur schiefgehen, denkt man. Leonardo Solaas hat 2005 eine Maschine entwickelt, die Träume auf Bestellung ausliefert. Was sie dafür braucht, ist das Thema des Traums in Form mehrerer Schlagworte. Und was sie liefert, ist wirklich beeindruckend: Das System sucht Bilder, die zu den Schlagworten passen und verortet diese in einen visuell-assoziativen Raum, indem Farben und Formen in tausenden von kleinen Linien verfremdet werden. Was entsteht sind langsam sich konkretisierende Bilder zwischen Farbklecksen, der Ästhetik der Geometrie und archetypischen Elementen eben jener Bilder, die durch die Art der Darstellung einen ganz eigenen Sog entwickeln: dreamlines ist der Versuch, dem Internet seine Definiertheit zu nehmen. Der Konkretion der digitalen Information das Nebulöse des Gedankens zurückzugeben, inmitten gestochen scharfer Fotos, die genau vorgeben, was sich denken lassen soll, den Raum für die Assoziation neu zu definieren. In diesem Sinn ist das Projekt dreamlines ein Paradigmenwechsel: War das Internet bzw. digitale Informationsrepräsentation insgesamt seit jeher gekennzeichnet durch stetig zunehmende Klarheit, Fehlerfreiheit – im ästhetischen Sinn: Perfektion des Abbilds – so wird hier deutlich, dass eine Antithese der ästhetischen Entwicklung ansteht, die Wiederentdeckung des schemenhaften, der Phantasie, der Freiheit einer Form. Dass diese Rückbesinnung kein Rückschritt ist, zeigt der interaktive und bewegte Charakter der Installation: Was Leonardo Solaas hier vorlegt ist kein schemenhaftes Bild, sondern der einem digitalen Zeitalter angemessene Mechanismus, mit dem bestehende Information zu einem solchen zusammengefügt wird. Dreamlines ist genuin digital und schafft einen interaktiven Raum assoziativer Bildlichkeit, der hochtechnisch umgesetzt wird. Und auf eine eigentlich poetische Weise, spannt diese Installation im Mediendiskurs ganz neue Bedeutungsebenen auf. Wie Leonardo Solaas selbst schreibt:

Who is dreaming? The user, or the Internet itself? In a certain way, both.

Paris – Dakar und zurück (Amadou & Mariam – Senegal Fast Food)

von René Büttner. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Bewegtes, Raum, Soziales, Videokunst, andere Musikvideoregisseure, beste Posts, selbstreferentiell

Eine Weltkarte huscht über den Bildschirm, dann am Strand im Senegal, Kinder auf Booten, ein dunkelhäutiger Mann taucht beide Hände ins blaue Salzwasser. An einer staubigen Straße geht eine Frau in buntem Umhang, dann ein Zug und eine Art Dorfplatz, ein junger Mann und eine junge Frau an einem Fast-Food-Laden mit dem Namen Manhattan, flanierend vorbei an einem Kino namens Le Paris. Traum vom fernen Amerika, Traum vom vermeintlich nahen Europa. « Demain je serai parti. [...] l’Algérie, Tunisie, Italie. Il n’y a pas de problèmes ». Sehnsucht nach einer anderen Zivilisation, medial gestillt vom Kino, welches benannt nach der Hauptstadt der ehemaligen Kolonialmacht. Die Welt, deren gesamte Karte am Anfang noch zu sehen war, geteilt in zwei Gegenwelten, das Hier und das Dort, und dazwischen eine beschwerliche Reise, jene jedoch kein Problem, bis dahin. Kein Problem auch für mich, mir dieses Musikvideo immer wieder anzuschauen, in die Unmittelbarkeit und Buntheit der senegalesischen Straßenszenen einzutauchen, und auch in meiner Brust die Sehnsucht, virtuell gestillt nicht durch das Kino « Le Paris », sondern durch Breitband und Youtube. Es ist Fernweh in beide Richtungen, wenn es in einer existentiell-ideellen Dimension vielleicht auch nicht das selbe Fernweh ist (« ascenseur pour le ghétto »). Dort liegt vielleicht der Schlüssel des Erfolges des Manu Chao, den dieser Song von Amadou & Mariam namens Senegal Fast Food featured. Chao, der mit seiner Sampletechnik und seiner Vielsprachigkeit so oft Gegenwelten zu verbinden versteht, als ob zwei Erdhälften wie platonische Halbkugeln nacheinander auf der Suche wären. Sätze wie « Il est minuit à Tokyo / Il est cinq heures au Mali / Quelle heure est-il au Paradis ? » beharren auf der Ironie der globalen Ungleichzeitigkeit. Doch in seinem Versuch, die Kluft mit seinen Füßen zu überwinden, lässt das Video (dem Song vorgreifend) den Protagonisten scheitern: In Paris angekommen wird er bei einer Routineuntersuchung verhaftet, und so wird Paris für ihn wohl auch in Zukunft eine Leinwand seiner Träume bleiben. Und die Reise, von unserer Seite ausgesehen? Endet nach 4 Minuten 18 Sekunden mit dem Ende des Musikvideos, ich sitze in Europa, die Uhr zeigt irgendeine Stunde, ein kurzes Hochgefühl von Lebendigkeit schwingt in mir nach. Ich frage mich, wer wen mehr verklärt: die erste die dritte, oder die dritte die erste Welt.

twitter, flickr, digital video :: die Echtzeit-Digitalkunst von flussgeist

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<!--enpts-->flussgeist.jpg<!--enpte-->Was Twitter ist, hatte ich an anderer Stelle geschrieben: Twitter ist ein Dienst, der die Stimmen der Blogger auf der Welt auffängt. Einer Art SMS-Sammelbecken, das jeder Nachrichten von jedem Menschen eine Zeile auf der Hauptseite freihält. Die 15 Minuten Berühmtheit, postuliert von Pop-Art-Ikone Andy Warhol, und in Internetzeiten stellenweise für möglich gehalten, sind auf wenige Sekunden Twitter-Zeileneinblendzeit eingedampft. Twitter ist, das kann man sicher sagen, ein Projekt für unsere Zeit. Total vernetzt, kurz und knapp, in der Vielfalt der andockbaren Endgeräte beeindruckend und in der inhaltlichen Tiefe der mit soviel Tamtam veröffentlichten Nachrichten enttäuschend.
Kurz: Kaum ein Projekt der aktuellen Diskussion eignet sich besser für ein multimediales Projekt wie Flussgeist von Grégory Chatonsky. Flussgeist greift sich Twittermeldungen heraus und lässt sie als Echtzeitticker über den Bildschirm laufen, während sich im Hintergrund unwiederholbare Szenerien aus flickr-Bildern und Internetvideos zusammenstücken. Der rote Faden wird gebildet durch sogenannte Tags, Schlagworte, mit denen Bilder, Twitter-Meldungen und Videos einsortiert wurden. Ein Schlagwort bildet den Rahmen, in dem dann die verschiedenen Medien sich begegnen. Und in dieser Begegnung eine Beziehung suggierieren zwischen Bild und Ton und Video, die es nie gegeben hat. Und es ist die Suggestion einer Beziehung, die tatsächlich nur durch digitale Algorithmen entsteht, die das Projekt wirklich sehenswert macht, weil sie darin eine Metapher bildet für das, was diese neuen Medienformen auszeichnet.

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Symbole auf Abruf :: den eigenen Claim mit einem Klick auf Kirchen, Kassetten und Medallien

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Typographische Symbole mit neuen Inhalten zu versehen ist eigentlich ein alter Hut (wir hatten´s schonmal, hier oder hier), aber immer wieder interessant. says-it.com ist ein Dienst, der das Plagiieren so einfach macht, dass es eine Freude ist. Mit einigen Klicks erhält man ziemlich beeindruckende Werke. Eine Kostprobe:


[tags]Medienkunst, Claim, Fotomontage, Logodesigner[/tags]

Typographie :: die 100 besten Schriften und 1000 umsonst

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Es soll ja noch Leute geben, die nicht glauben, das Typographie reine Kunst ist. Der Macher vom lesenswerten Fontblog hat eine Edition der besten Schriften rausgebracht und dazu eine recht informative Webseite gebastelt: Über die 100 besten Schriften der Gegenwart. Sehr lesenswert. Dummerweise kosten diese Schriften ein Heidengeld – mehrere hundert Euro für eine Neue Helvetica sind üblich. Die preiswerteren findet man dann unter 1001fonts.com. Nicht so gut, zugegeben.

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Schnecken, Schriften, Erektionen :: ein Chaosfilm von Petra Mrzyk und Jean-François Moricea

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Ein Flug durchs Weltall, an Millionen schwereloser Schnecken vorbei. Und kontrastrierend eingeblendet: eine der verdrehtesten und genialsten Typographieanimationen, die man in gegenwärtiger Musikvideokunst findet. Ja, excuse moi von Petra Mrzyk und Jean-François Moricea ist ein wirklich besonderes Video. Über das Thema des Liedes informiert sich am besten jeder selbst, aber die Ästhetik soll hier kurz aufgegriffen werden: Mrzyk und Moricea bauen aus rund 5000 typographischen Einzelarbeiten von Philippe Katerine eine Homage an die Schrift, die sich gewaschen hat. Selten so gut und kreativ animierte Typographie gesehen. Selten so fluide Typen, so passend zum Charakter der Musik, so ganz eigenständig und irgendwo zwischen High-Tech und handgemacht. Das visuelle Karussell wird begleitet von einer Musik zwischen richtig schlechtem Techno und Teenie-Pop. Und zwischen der eigentlich geschmacklosen Musik, einige tausend Schnecken, Raumschiff Enterprise und bonbonbunten Schriftgemälden findet sich wohl irgendwo die Wahrheit dieses Liedes. Vielleicht diese: Es gibt sie nicht. In einer imaginierten Welt, in der jedes Element Retorte ist und seinerseits soviel Raum im Ganzen beansprucht, dass das so geschaffene Universum nur deshalb nicht in seine Einzelteile zerberstet, weil sie die jeweils dominanten Elemente gegenseitig wegdrängen und damit im Bild stabilisieren. Es entsteht ein zusammenhangloses Bild der Ungetüme, eine Komposition der Größe im Trash, ein Werk inmitten von Pop, Porno und Videokunst. Und in diesem egozentrischen Assoziationsgewitter, so klingt es, ist es eigentlich egal, worauf man sich bezieht. Und genau darin liegt wieder eine künstlerische Wahrheit. Vielleicht eine, die näher an der Gegenwart liegt, als irgendeine sonst.

[Petra Mrzyk, Jean-François Moricea, Typographie, Animation, digital art, Medienkunst, Chaos, Schnecken, Erektion[/tags]