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Artikel von November, 2006

viel Gewalt, viel Sex und die Illusion der Narration :: The Prodigy - Smack my bitch up (R: Jonas Akerlund)

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien alle Posts, Authentizität, Narration, Videokunst

(Videosuche rechts oben)

Gewalt, Sex, Drogen, Mißbrauch, ein vollgekotztes Waschbecken und eine durchzechte Nacht: Der Geniestreich des schwedischen Regisseurs Jonas Akerlund brachte ihm den Durchbruch und internationales Renomée. Denn das Video ist nur vordergründig mit den Themen beschäftigt, wegen denen es immer wieder hart kritisiert wurde.
In der Filmkunst hat es neben seiner exzellenten Kameraführung und innovativen Schnitten einen festen Platz dadurch bekommen, dass es sich am Ich-Begriff des narrativen Musikvideos selbst abarbeitet: Man sieht den gesamten Clip mit den Augen des Protagonisten. Die Musik ist unmittelbar an die Bilder gebunden - so wird der Clip lauter, wenn der Protagonist die Anlage aufdreht, wird schummriger, wenn der Protagonist betrunken aus dem Club stolpert, wird gedämpft, wenn der Protagonist sich die Haare trocknet. Kein Video hat die Identifikation weiter getrieben, als dieser Akerlund-Clip. Darin liegt der Schlüssel zur Interpretation des Videos: Der Plot beginnt harmlos. Ein Mensch bereitet sich auf einen Clubabend vor. Duscht, hört Musik, geht raus, trinkt etwas, geht in eine Bar. Identifikation scheint möglich, die Rolle ist gesetzt.
Dann sexuelle Übergriffe in der Bar, Schlägerei im Club, Rauswurf und Polizeieinsatz, eine Szene im Nachtclub. Das ist die erste Brechung der bedingungslosen Identifikation und der Beginn des Stereotyps: Jung, männlich, gewaltbereit. Die Pointe wird mit dem letzten Bild gesetzt: Ein Blick in den Spiegel, indem eine junge Frau sichtbar wird.
Durch diesen Plot und die konsequent subjektive Kameraführung wird die Identifikation provoziert, um direkt wieder ad absurdum geführt zu werden. Und dieses Spiel ist mehr als ein Aufmerksamkeitsanker: Es geht um das Wesen des Ich in der Geschichte, es geht um Narration an sich. Akerlund entlarvt das Bild des Ich als Projektion der Konsequenzen seiner Handlungen ins innen und schaft damit eine gewagte Metapher für gesellschaftliche Zuschreibungsprozesse: Die Sicherheit, mit der wir uns erst dem Ego verwandt fühlen, uns dann in dieser Verwandschaft durch die Gewalttaten trennen und zuletzt erkennen müssen, dass selbst die mit der Trennung verbundene Interpretation des Ego als Mann falsifiziert ist, löst ein Fundament der alltäglichen Stereotypisierung für einen Moment auf. Wo Stereotype so konsequent versagen, beginnt die Reflexion. Und es ist nur ein wenig Phantasie dabei, wenn man den rekursiven Weg antizipiert: Dass derart schnell gefasste Stereotype erst die Ursache für das Handeln sind, an dem sie sich später bestätigt sehen.

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das Meisterwerk des Trash :: Fatboy Slim - Praise you (R: Spike Jonze)

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien alle Posts, Spike Jonze, Authentizität, beste Posts, Videokunst

Das Video gibt´s hier in der Musikvideothek von ifilm.com.

Eine Bilderbuchgeschichte: MTV hat das Video zunächst fast abgelehnt, es lange nur im Nachtprogramm laufen lassen. Irgendwann hat es sich rumgesprochen, MTV hat zähneknirschend klein beigegeben und das Video tagsüber laufen lassen. Und hat damit grade noch die Blamage vermieden, eines der künstlerisch wichtigsten Musikvideos seiner Zeit völlig zu ignorieren. Das Video erhielt 1999 den MTV Music Video Award und gilt bis heute in Kunstkreisen als eines der wegweisenden Musikvideos der 90er Jahre.

Das Ganze erinnert an den Madonna Clip Frozen, den Regiekollege Cunningham damals nur unter erheblichen Schwierigkeiten unterbringen konnte und der später zum Publikumskracher wurde und ebenfalls den MTV Preis für das beste Musikvideo erhielt. Kunst braucht manchmal Zeit.

Das Video wurde im Guerilla-Style ohne Drehgenehmigung gedreht: Spike Jonze selbst und einige Schauspieler tanzen vor überraschten Passanten vor einem Theater in Westwood in Kalifornien. Der entnervte Theaterbesitzer versucht mehrfach, ihre Audioanlage auszuschalten. Nimmt sie schließlich mit, Jonze und Konsorten holen Ersatz und tanzen weiter. Was sich genau hinter den Kulissen zugetragen hat, lässt sich im Bericht von Michael Gier nachlesen, einem der Tänzer.

So, warum ist das jetzt Kunst? :: weiterlesen :: »

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Science of sheep :: die verrückte Idee des Crowdsourcing und die Antwort der Kunst

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Webdesign, alle Posts, Künstliche Intelligenz, interaktive Netzkunst, Verweise auf Zeichnen, Verweise auf Kunst, Soziales

Crowdsourcing heißt: Delegieren von Aufgaben, die Maschinen nicht können und für die das eigene Personal zu schade ist an Menschen, die dafür bereit sind. Die werden liebevoll crowd genannt und arbeiten beim Branchenpionier und Amazon-Projekt mechanical turk an blödsinnigen bis stupiden Jobs für einen lächerlichen Lohn.

Aaron Koblin, Designstudent an der University of California, hat eine künstlerischen Feldversuch gestartet: 10.000 Schafe seien zu zeichnen, hat er über amazon mechanical turk verlauten lassen. Er zahle 0,69$ pro Stunde.
Was soll man sagen? Er hat es geschafft. Und das Ergebnis hat sich sogar richtig gelohnt. Nicht nur gesellschaftsmetaphorisch, auch gestalterisch. Willkommen bei thesheepmarket.com.

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die Erfindung der digitalen Echtheit :: Chemical Brothers - Star Guitar (R: Michel Gondry)

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien beste Posts, Authentizität, alle Posts, Natur, Raum, Form, digitale Welten, Michel Gondry, Videokunst

Eine Bahnfahrt zur Musik der Chemical Brothers. Einige Leute meinen, das sei wenig einfallsreich.
Journalisten haben geschrieben, dass dieses Video das Innovativste sei, was Michel Gondry je gemacht hat - und das über Gondry zu sagen, heißt schon Einiges.

Also, wie passt beides zusammen?

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Es gibt da etwas, das vielen entgeht: :: weiterlesen :: »

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Perversion der Ordnung :: Gary Jules - Mad World (R: Michel Gondry)

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Es ist ein relativ unbekanntes Video von Michel Gondry. Jedenfalls, was Zusammenschnitte seiner größten Werke oder Ausstellungen über Videokunst angeht. Trotzdem ist es einen Blick wert: Für den melancholischen Song Mad World von Gary Jules hat Gondry eine kongeniale Bildwelt kreiert: Die Szenerie ist ein Schulhausdach. Kein Ortswechsel im Video, kein einziger Schnitt. Nur eine Kamera, die sich über die Ballustrade lehnt und nach links und rechts schaut. Links entdeckt sie Gary Jules, der auf die Straße schaut und rechts, viel später, auf dem ganz leeren Dach in der hintersten Ecke, einen Pianisten. Und während Gary Jules singt

The dreams in which I´m dying are the best I´ve ever had.

blickt die Kamera auf die Straße, auf der völlig surreale Szene ablaufen: Haufen von Passanten organisieren sich nach einer hochinnovativen Choreographie in archetypischen Formen: Haus, Hund, Vogel, Gesicht. Interessant daran: Das absurde, künstlerisch-tänzerische, surreale bringt der Szene kein Leben, widerlegt die Liedzeilen nicht, sondern unterstreicht sie. - Denn in der Geplantheit ihrer Choreographie werden Sie zum Sinnbild des Nichtlebens - dessen, was Gary Jules meint, als er singt:

When people run in circles its a very very mad world.

Es ist nur ein weiterer von Gondrys cleveren Einfällen, dass Jules gelangweilt vom Dach jener Institution schaut, die Menschen der Choreographie der Gesellschaft näherbringen soll: Der Schule.

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Michel Gondry im Interview mit Harvard-Professor Robert Stickgold

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(Videosuche rechts oben: Suche nach gondry stickgold)
Michel Gondry, Musikvideoregisseur und einer der führenden Köpfe der Musikvideo-Videokunst, spricht mit Robert Stickgold, dem führenden US-Schlafwissenschaftler und Professor für Psychologie an der Harvard Medical School über Schlaf, Träume, Naturwissenschaften und Filmproduktion.
Rund 50 Minuten, nett anzusehen und ganz gut gemacht.

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IAM - Le danse le mia (R: Michel Gondry) :: geniale Zoomtechnik

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Im ganzen Video kein Schnitt. Nur Vorwärtszoom, exakt auf den ersten Schlag im Takt. So sieht es aus. Auf der anderen Seite: Eine komplette Geschichte, ständiger Wechsel der Orte, der Beleuchtung, der Personen, der ganzen Szenerie. Über äußerst clevere Schnitte während des Zoomens, bei denen Kernelemente des Bilds stabil bleiben, erfindet Gondry in diesem Clip eine neue Form des Schnitts, der ungewohnt cool daherkommt und wie nebenbei den klassischen Schnitt um Dimensionen erweitert: Die Dimensionen der Zeit und der Tiefe. Denn Gondry erzählt die Geschichte durch die nach innen zoomenden Schnitte als Weg in unbekanntes Terrain. Vom Parkplatz kommt er zum Türsteher, in die Disko, zu den Protagonisten, um schließlich über sie zu erzählen und gegen Ende sich an allen Stationen vorbei mit herauszoomenden Schnitten aus den einzelnen Drehorten heraus zu bewegen. Das hat etwas von einer Schneekugel, es entlarvt die herangezoomten Details als spröde Konstanten einer nur scheinbar über den Dingen schwebenden Welt.
Auf höherer Ebene ist das Video eine innovative Auseinandersetzung mit Rhythmus in Verbindung zu Raum und Zeit. Rhythmus, Raum, Zeit? Richtig. Das Video erinnert auch an Rauschzustände. Ist in seiner assoziativen Schnittkultur sogar eine ganz gute Visualisierung dafür, dass alles wie aus einem Guss und gleichzeitig subcutan unverbunden erscheint.

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die Idee des Erzählens :: Björk - Bachelorette (R: Michel Gondry)

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Schwarz weiß fängt es an, das Musikvideo von Björk: Eine Frau gräbt im Wald und findet ein leeres Buch. Ein Buch, das sich schreibt, während sie lebt. Sie gibt das Buch, das Buch ihres Lebens heraus, und wird bekannt. Verliebt sich in den Herausgeber, wird ein Star, ihre Geschichte wird für das Variete adaptiert und nach dem Buch ein zweites Mal gespiegelt: Im Variete erzählt sich ihr Leben wieder etwas gröber, archetypischer, bunter, ferner von der Wirklichkeit und auf einer Art ihrem Archetyp näher. Teil des Stücks ist die Adaption der Geschichte im Theater - einer Bühne auf einer Bühne, vor der die wahren Protagonisten sitzen.
Als ob diese Verschachtelung der Narration nicht genug wäre für fünfeinhalb Minuten: Gegen 3:40 beginnt das wahre Leben sich zu ändern - und mit dem wahren Leben die Bilder, die das Leben in der Autobiographie und mit ihr in das Variete und die Bühne im Variete geworfen hat. Die Bilder transformieren in Pflanzen und Blätter. Die Natur holt sich ihre Geschichte zurück, die nur in ihr Leben kann.
Am Ende singt Björk in der Natur.
In Farbe.

 

 

Das Musikvideo gehört zu den populärsten Werken von Michel Gondry, der als der innovativste Kopf der internationalen Musikvideoszene gilt: Sein Spiel mit Farben und Filmstilen untermalt den Plot, der in fünf Minuten nicht nur drei verschachtelte Ebenen durchläuft, sondern auch eine rekursive Beeinflussung der Ebenen erzählt - von der Bühne ins Leben eine Abgabe der Handlungsautonomie und von der Natur zur Bühne deren Rückeroberung. Selten wurde in fünf Minuten mehr über das Wesen des Erzählens erzählt.
Und nie schöner.

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Oui Oui :: frühe Meisterwerke von Michel Gondry

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Die Ikone der Musikvideoregie, Michel Gondry, ist eigentlich Drummer einen Band namens Oui Oui gewesen. Um die zu puschen hat er begonnen, Musikvideos aufzunehmen. Björk hat die Videos gesehen, Gondry verpflichtet und der Rest ist Geschichte. Hier sind ein paar der Meisterwerke von Großmeister Gondry aus der Zeit vor dem großen Geld.

(Videosuche rechts oben: Suche nach Oui Oui - Junior et sa voix d’or oder Oui Oui La ville)

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Drummer, Zufälle und der Weg zum kreativsten Regisseur der Welt :: Michel Gondry, eine Einführung

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gondry press portraitMichel Gondry, geboren am 8. Mai 1963 in Versailles (Frankreich). Werbefilmer, Kunstfilmer, Regisseur, Drehbuchschreiber. Gilt als kreativster Musikvideoregisseur der Geschichte.

Ursprünglich war Michel Gondry Drummer der französischen Band Oui Oui. Als die Band populärer wurde, begann er, kleine Videos zu den Songs zu drehen. Durch Zufall sah Björk eins dieser Videos und der Rest ist Geschichte: Sie gab ihm den Auftrag, einen ihrer Songs zu visualisieren. Man muss wissen, dass Björk dafür bekannt ist, die aufwändigsten und kreativsten Videos produzieren zu lassen (sie ist die einzige, die mit allen großen Musikvideoregisseuren gearbeitet hat). Und jetzt gibt Björk den Auftrag für “Human Behaviour” einem Mann, den noch keiner kennt. Das Video kam in die MTV Heavy Rotation und wurde ein Riesenhit - und für Gondry war es der internationale Durchbruch.

// Preise, die Gondry bisher für seine Arbeiten erhalten hat

//Filmografie und Musikvideos

//große Übersichtsseite über Gondry mit viel Infomaterial über ihn und seine Werke

//IMDB-Seite von Michel Gondry u.a. mit vielen Fotos

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