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Artikel in der Kategorie 'Audiokunst und Klang'

Deutsche Nationalhymne 2015 – türkischer Pop macht Kultur

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Audiokunst und Klang, Bewegtes, Soziales, Videokunst, andere Musikvideoregisseure, beste Posts, selbstreferentiell

Deutsche Nationalhymne 2015 – MyVideoUnd so hört sie sich an: die deutsche Nationalhymne auf türkisch. Wer mitsingen will:

Birlik, adalet ve özgürlükAlman anavatanı içinHepbirlikte çalışalımKardeşçe kalben ve el eleBirlik adalet ve özgürlükMutluluğun teminatıBu mutluluğun ihtişamında yeşerYeşer Alman anavatanı 

Aber das ist nur die oberflächlichste Ebene eine Videos, das in ein paar Wochen tatsächlich Symbol werden könnte für etwas, das wir bisher Multikulti genannt haben. Wir meinten damit eine Mischung aus demonstrativer Toleranz, politischer Faktenbeschreibung oder Berliner Hippness, je nach Kontext. Aber wir hatten noch kein Symbol für den Begriff der multiethnischen Gemeinschaft. Alles blieb bisher merkwürdig abstrakt: Es ging um Einwanderung, Zuwanderung und Asylpolitik, Mindestlöhne, Vielfaltdiskurse und Gerechtigkeitsvorstellungen. Muslime sind medial vor allem dann präsent, wenn sich jemand an Kopftüchern und Moscheen stört oder “Gewaltsteigerungsraten” medienwirksam und unethisch mit “Migrationshintergrund” zusammenwürfelt. So richtig verstanden haben das eigentlich nicht, was das heißen soll, wenn diese Symbole wirklich zueinander finden: Heimat und ethnischer Pluralismus. Genau das macht das Video ziemlich geschickt: Die deutsche Nationalhymne remixed als türkischer Pop: Das assoziiert zwei parallel existente Fixpunkte unserer Gesellschaft, das intergriert das junge Türkentum in den vaterländischen Symbolismus. Das ist gleichsam reine Provokation und die sinnliche Erfahrung davon, was Multikulti faktisch heißt. Die Assoziation schafft Raum für Ungewohntes. Das Eigene blickt aus dem Fremden entgegen – wobei das Fremde im türkischen Pop wohl realitätsnäher getroffen ist als in Moscheen, Jugendgewalt oder Terroristen. Und auch die Deutschen erst hier mit etwas konfrontiert werden , was die Türken wohl Ehre nennen würden und das den Deutschen eher peinlich ist: Die Frage “Darf man das?” führt zum Kern unterdrückter Vaterlandsliebe. Und im Kontext faktischer Internationalisierung muss man sich fragen: Ja, warum denn nicht? Denn so kleinlaut sich das Deutsche eingestehen: Mit der Nationalhymne steht das ambivalenteste Symbol deutscher Alltagskultur im Fokus. Und letztendlich ist es auch die Alltagskultur, in der der eigentliche Prozess der Integration zu leisten ist und sich entscheidet: Fernab von Bürgerinitiativen, Chefredaktionen und Botschaften, irgendwo zwischen Dönerladen und Currywurst etablieren sie die Symbolkontexte, die Antwort geben können auf die Fragen nach Integration und Auseinandersetzung. Wenn in der Dönerbude “Nationalhymne 2015″ läuft und der Deutsche dem Türken auf die Schulter klopft, manifestiert sich das, was wir bisher Multikulti genannt haben. Soviel wahrer als Feuilletondiskurse und kaum weniger neuralgisch, als die das Lied zur Zeit begleitende Irritation.Politisch ist das Thema schon auf dem Tisch gewesen: Christian Ströbele hat 2006 den Vorschlag gemacht, dass “türkisch-stämmige Mitbürger die dritte Strophe auf türkisch singen könnten” und bekam ziemlich Gegenwind. Jetzt haben die Türken es selbst gemacht. Dass sie den politischen Segen bekommen, ist eher unwahrscheinlich. Aber Christian Ströbele wird sich freuen. Sofern er türkischen Pop mag.Grup Tekkan übrigens, die türkische Band aus Germersheim, hat mit dem Video nichts zu tun, wie der Manager nach Rückfrage mitteilte. Also bleiben die Macher unbekannt. Im Kontext der agressiven Kommentare anderer Nutzer, kann man das nachvollziehen. Das Stück spricht für sich.

Marsellus Wallace wahres Gesicht :: Pulp Fiction Dialoge als Typographie-Kunst

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Animation, Assoziatives-Surreales, Audiokunst und Klang, Authentizität, Bewegtes, Farbe, Form, Narration, Typographie, Verweise auf Kunst, Verweise auf Typographie, Videokunst, alle Posts, beste Posts, digitale Welten, selbstreferentiell

Was man mit Buchstaben anstellen kann, hat schon Antoine Bardout-Jaques für Alex Gopher´s “the Child” gezeigt. Der neue Geniestreich kommt von Jaratt Moody und ist die Visualisierung eines Pulp Fiction Dialogs: Samuel L. Jackson macht im Auftrag seines Chefs, des Supergangsters Marsellus Wallace, einen Typen fertig und schießt im ins Knie. Die Szene dazu ist Kult, ziemlich brutal und einer der Gründe dafür, dass Quentin Tarrantino mit dem Film weltbekannt geworden ist. Ein cleverer Typograph hat jetzt diese Sequenz in bewegten Buchstaben visualisiert. Das ist viel interessanter, als es klingt. Denn anders als in “the child” werden die Buchstaben nicht als visuelle Symbole benutzt, sondern sind emotionale Träger, obwohl sie auf ihre rudimentär Typographischen Charakteristika beschränkt bleiben (Größe, Neigung, Schriftart, etc.). Und in dieser Reduktion auf die vermeintlich formalistische Sprache der Typographie wird die ganze Wirkkraft der Worte deutlich, die ganze Mehrinformation des Ausdrucks. Entkernt vom Bild wird die Szene in eine Schriftebene zurückkatapultiert, ohne jedoch die szenischen Eigenschaften aufzugeben. Und damit findet das Werk neben der inhärenten Ästhetik eine neue Aussagekraft: Es steht als Kunstwerk genau an der Schwelle von Schrift mit ihren abstrakten Symbolen und Film mit seinen dynamischen, unmittelbaren Codes. Und noch mehr: Es verbindet beide Ebenen kongenial, in dem es das Potenzial der bewegten Schrift zeigt, ohne die ureigensten Beschränkungen der Schrift aufzugeben. Damit steht das Pulp-Fiction-Kunstwerk zwischen den Welten von Schrift und Film, trennt und verbindet gleichermaßen. Und dass ist wirklich einen Blick wert.

Ansehen!
Es gibt von dem Film auch eine Low-Res-Version auf ifilm. Schaut´s Euch an.

[tags]Marsellus Wallace, Pulp Fiction, Typographie, digital art, animation art, Typographiekunst[/tags]

Zwischen den Zeichen :: Madonnas “Confessions Tour” (R: Jonas Åkerlund)

von Alexander Kroll. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Audiokunst und Klang, Bewegtes, Tanz, Videokunst, alle Posts, andere Musikvideoregisseure, beste Posts, selbstreferentiell

Man mag es kaum glauben, aber Madonna, die Pop-Heilige, ist zur Veröffentlichung ihres letzten Studioalbums „Confessions on a Dancefloor“ im kleinen Londoner Club „Koko“ aufgetreten. Dort hatte sie einst mit „Holiday“ ihre Karriere begonnen und die rohe Realität liegt längst zurück. Madonnas kurze Rückkehr auf die Club-Bühne ist als solche nur eine symbolische Geste in einer Karriere, die sich bilderbuchmäßig über Symbole erstellt hat. Niemand will Madonna in Wirklichkeit beim Soundcheck sehen, sondern über ein Spektakel staunen, das allenfalls mit dem Show-Bombast von Michael Jackson, Richard Wagner oder dem Theater des Barock vergleichbar ist. Entsprechend wurde das Konzert, das jetzt auf der DVD/CD-Edition „The Confessions Tour“ zu sehen ist, nicht im „Koko“ aufgezeichnet sondern in der „Wembley Arena“.

Es gibt, wie immer, alles zu sehen. Madonnas Repertoire ist perfekt, bringt die letzten zwanzig Jahre Popkultur auf die Bühne und integriert über Labels für Liebe und Lebensgefühle alle neuen Trends von Breakdance bis zur Netzkunst. Jeder Song ist ein greller Slogan, der die moderne Welt zelebriert. „Forbidden Love“ stellt Davidstern und Halbmond auf den Oberkörpern von Tänzern gegenüber bis Madonna als einendes Zeichen zwischen die Tänzer tritt. Sie streckt die Hand aus und ein Adler aus der Videowand scheint auf ihrer Hand zu landen. Bei „Live to tell“ verbinden sich Kirchenglocken und Internet-Adressen im abendländischen Symbol schlechthin, dem Kreuz, das hier nicht Gottes Sohn, sondern seine Tochter Madonna trägt. „I have a tale to tell“ singt die Gekreuzigte und ist damit Erzählerin und Erzählung zugleich. Madonnas Geschichte erzählen dann die Leinwände im Intro zu „Music Inferno“. Das Thema ist Disko, Madonna ist Disko. Gekrönt im „Dancing Queen“-Umhang muss Madonna nur frühere Shows variieren, um selbst schwache Songs des neuen Albums mit Wucht wegzufegen. Trotzdem hat das Konzert ein Selbstverständnis, das nicht zynisch, sondern zuvorkommend ist. „Erotica“ ist nur noch ein Nahtanz im Badeanzug, „Like a virgin“ ein verspielter Ritt an der Stange. Skandale waren gestern. Selbst Madonna trinkt Wasser und prostet den Zuschauern zu. „Cheers“ ist die wahrste aller Universalgesten.

(Videosuche rechts oben)

[tags]Madonna, Confession, DVD, Musikvideo, Videkunst[/tags]

visual accustics :: Malen mit Instrumenten

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Animation, Audiokunst und Klang, Farbe, Form, Verweise auf Musik, alle Posts, beste Posts, digitale Welten, interaktive Netzkunst

Die Visualisierung von Tönen hat eine lange Geschichte in der multimedialen Kunst und visual accustics ist ein Projekt, was man sich unbedingt näher anschauen sollte: Das flash-basierte Interface wandelt Mausbewegungen gleich dreifach um: In die Töne ausgewählter klassischer Instrumente (gottlob bricht jemand mal das Tabu, in Multimediakunstwerken analoge Instrumente einzusetzen), in Farbspektren, die sich über den Bildschirm ziehen und in Instrumentabhängige animierte Visuals, die sich wie Wellen über die Spielfläche ausbreiten. Ein intuitiv fassbares Gefühl des Haptischen, dass sich im Auditiven und Visuellen übersetzt zeigt. Gelungen! (Zur Erinnerung: Es gibt auch Pferde und Damen, die sich seit Jahren daran versuchen.)

conclave obscurum :: webdesign meisterwerke

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Animation, Audiokunst und Klang, Farbe, Form, Webdesign, alle Posts

Gar nicht viel zu conclave obscurum zu sagen: Nahe am perfekten Webdesign in der Synthese zur Netzkunst. Der Eingangsscreen heißt übrigens “Wie spät ist es”. Fast alles ist interaktiv und nichts sagt Bescheid. Ganz großes Grafikdesign.