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Artikel in der Kategorie 'Bewegtes'

die digitale Geburt des Bekannten :: Musikvideokunst mit Instrumenten

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Verweise auf Musik, Verweise auf Kunst, Chris Cunningham, selbstreferentiell, alle Posts, Michel Gondry, Bewegtes, Form, digitale Welten, Animation, Soziales, Videokunst

Es ist etwas paradox: Die Visualisierung ist soweit fortgeschritten, dass man alles darstellen kann: Von den surreal-komplexen Landschaften einer Missy Eliott (get ur freak on) bis zu abstrakte Rorschachkunstwerken eines Gnarles Barkley (Crazy). Alles eine Frage des Geldes.

Da ist es fast schon wieder subversiv, sich um richtige Natur zu kümmern. Im Sinne von: Die postmoderne digitale Revolution liegt in der Nachahmung der Natur bis zur Unkenntlichkeit. So geschehen bei Björk in Joga oder bei den Chemical Brothers in Star Guitar - beides von Michel Gondry.

Aber hier gehen wir einen Schritt weiter, denn es geht um die Darstellung von Musikinstrumenten in der Musikvideokunst. Denn auf die Musik übertragen heißt Natur: Die mechanischen Instrumente wieder in Szene zu setzen. - Und dabei den Schritt der digitalen Weiterentwicklung zu kommentieren. Harmlose Versuche, die mehr technisch als poetisch sind, kommen von animusic (Videosuche rechts oben). Wirklich gut wird es wieder bei den Altmeistern:

Chris Cunningham: Aphex Twin - Monkey Drummer
Wenn Elektrosound-Guru Aphex Twin die Töne macht, ist klar, dass das zugehörige Schlagzeug keines für Menschen ist. Ein Roboteraffe spielt mit vier Armen auf einem Schlagzeug die Sounds, die Aphex Twin elektronisch produziert hat. In seiner Schlichtheit ist das Video leicht zu übersehen. Es gilt trotzdem als eine Ikone der Musikvideokunst, wird immer wieder in Museen ausgestellt und vom NRW Forum Kultur und Wirtschaft 2004 zu den 100 einflussreichsten Videos der Geschichte gezählt. Das ist berechtigt, weil Cunningham hier im trommelnden vierhändigen Affen ein treffendes Symbol findet für die Beziehung von elektronischer zu mechanisch produzierter Musik. Eine Differenz, die analog die Postmoderne von der Moderne zu unterscheiden in der Lage wäre. Und er liefert uns ein Bild, dass von einer fast unauffälligen Einfachheit ist und doch Meilenstein der Auseinandersetzung im Rahmen der Positionierung von elektronischer Musik geworden ist.

Alex & Martin: The White Stripes - Seven Nations Army
Das Video ist wie vieles von Gondry beim Kultlabel Partizan erschienen - und dessen herausragende Originalität scheint abgefärbt zu haben: Eine vierminütige Zoomsequenz durch ästhetische Dreiecksformen, in die klassische Live-Einstellungen mit den dazugehörigen Instrumenten eingearbeitet sind - schlicht, bestechend eindrucksvoll und klar orientiert am Lauf der Musik.

Michel Gondry: The White Stripes - The Hardest Button to Button (Videosuche rechts oben)
“It’s the greatest video we’ve ever made” sagt der White Stripes-Frontman in einem MTV Interview. Tatsächlich gilt der Clip vielen als Meisterwerk der Musikvideokunst: Gondry hat - wie schon in Star Guitar oder Around the World versucht, die Musik unmittelbar im Bild zu spiegeln. Bei “The Hardest Button to Button” wird jeder Schlag von einem Schlagzeug begleitet, dass neu im Bild erscheint und das immer nur mit den Einzelteilen ausgestattet ist, die für diesen Schlag in der Musik verwendet werden. Wird die Gitarre verwendet, kommt sie ins Bild. Die Instrumente jedes Schlages werden in Reihe gestellt, so dass die Musik in ihrer Visualisierung gleicham einen Weg bildet: Ein vor und zurück, ein weitergehen, einen Ortswechsel dort, wo Atmosphärenwechsel die Musik verändern. Und gekrönt wird das ganze von einem herausragenden Rundumschwenk im Schatten einer Brücke. - Unbedingt ansehen.

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wegweisende HipHop Musikvideos :: Auseinandersetzungen mit Beats, Bargeld und Brüsten

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Tanz, selbstreferentiell, alle Posts, andere Musikvideoregisseure, Bewegtes, Farbe, Form, digitale Welten, Videokunst

Das Hip-Hop-Video hat seit Jahren eine sehr spezifische Bildsprache etabliert, die wir hier mal an besonders gelungenen und besonders rebellischen Musikvideos in den Fokus rücken möchten.

Fangen wir an bei der Ästhetik (und damit meine ich jetzt nicht Brüste und Status): Schon bei Justin Timberlakes Mainstream-Video “My Love” wird klar, wie gut die Choreographien des Hip-Hop-Tanzes aussehen können. Und wenn man sich danach “Work it Remix” von Missy Elliott anschaut sieht man, was man mit Kreativität daraus machen kann. Missy Elliott gilt als Referenz der Hop-Hop-Szene, was die Musikvideos angeht: Nie ganz daneben und oft Maßstäbe setzend in Bildidee, Konzeption und Choreographie. Das klingt wie Björk? Nicht ganz verkehrt. Denn obwohl das Hip-Hop-Genre künstlerisch beengt ist, geht Missy Elliott an die Grenzen. Beispiele? “Get Ur Freak On”, “Supa Dupa Fly” oder “lose control”. - Alles Ausnahmevideos mit Missy in Hochform.

Aber kommen wir zu dem, was Hip-Hop-Videos immer auch waren: Sex und Status. Der Musikredakteur von Viva hat mir mal gesagt:

“Hip-Hop-Videos erkennt man im Moment daran, dass irgendwann ein Helikopter auftaucht.”

Das war zu Hochzeiten der Goldketten und Rolexuhren, schwarzen Limusinen und quasi-nackten Hübschchen in den Musikvideos der großen Rapper. Der Hedonismus der Neunziger fand im street-credibility-credo der Hip-Hopper eine neue Spitze: Als die Musik irgendwann mal aus den Armenvierteln emporgewachsen war (und diverse ex-Außenseiter ihren Aufstieg gegenüber den Daheimgebliebenen am glaubwürdigsten mit teuren Uhren, großen Autos und schönen Frauen inszenieren konnten) galt das völlig maßlose Statusdenken als Beweis der Kraft des Willens der Straße und irgendwie schien eine Zeit lang nur der Hip-Hopper, der den Wert eines Kleinwagens als Schmuck am Körper trug, überhaupt mit Fug und Recht behaupten zu dürfen, er käme aus einem Ghetto (was wiederum seine Plattenverkäufe anzuheben in der Lage war). Das Verhältnis des Rappers zum Besitz war in dieser Zeit ambivalent.

Die Standardfilmchen mit Hubschraubern und teuren Wagen möchte ich vorenthalten. Zumindest direkt zu einem Künstler kommen, der mit diesen Symbolen spielt wie kein zweiter: 50 Cent im Video “P.I.M.P.”. (Videosuche rechts oben) Die Geschichte des Mannes liest sich wie die Musterbiographie eines Hip-Hoppers und wimmelt von Gewalttaten, ärmlichen Verhältnissen, Verwicklungen ins Drogenmilieu und Härten des Lebens. Eminem und Dr. Dre, zwei Urgesteine der Szene, haben dem Jungen endlich zu eigenen CDs verholfen, von denen eine - wie passend - “Get rich or die tryin´” heißt. Das ganze wäre nicht erwähnenswert, würde 50 cent in seinem Video zu P.I.M.P. nicht das ganze Hip-Hop-Selbstverständnis, dem er selbst so nahe steht, lachenden Gesichts an die Wand persiflieren (und das mit Komplizenschaft von den zwei ganz Großen - Snopp Dogg und G-Unit): Eine riesige Villa, alles in weiß, ein Ölbild des schwarzen Rappers im Stil weißer Kolonialherren über dem Kamin, ein duzend Frauen in weißer Unterwäsche und der herrische Gang von 50 Cent durch das Anwesen, das wirklich nichts anderes aussagt, als den Kontostand des Besitzers. Die Absurdität erreicht einen Höhepunkt im Kongress der “Pimp Legion of doom”: Ein Raum mit den größten Rappern der Zeit, die mafiamäßig um 50 Cent herumsitzen, um zu erfahren, ob dieser wirklich ein “Pimp” ist.

“He doesn´t drive a cadillac. (Ablehnung) He doesn´t got a perm. (Kopfschütteln). Why should we put him in the Pimp Legion of Doom?”

“But I got the magic stick.”

Soweit ich weiß hat sich keiner der großen Rapper derart selbstironisch mit der Rolle des modernen Hip-Hop-Videos auseinandergesetzt.

Weird Al Yankovic’s hat in seinem White&Nerdy Clip diesen HipHop-Hedonismus in eine nette Bildsatire gepackt und - damit sind wir entgültig beim Bruch der goldenen Hip-Hop-Regeln - der Hamburger Rapper Jan Delay zelebriert die Distanz vom Busen-und-Status-Hip-Hop in etlichen seiner schrägen Texte: In “klar” lässt er sich von Frauen in Showglamour-Klamotten souflieren und trägt einen Smoking, während er mit einem Bagger das Haus einreisst, in dem er singt. Und in “Ich möchte nicht, dass ihr meine Lieder singt” liefert er eine Abrechnung mit der Hip-Hop-Hörerschaft, die noch etwas weiter geht. Aufgenommen auf dem Kölner Karnevalszug (Jan Delay ist als Palästinenser verkleidet und spielt Flöte auf einem Maschinengewehr mitten im Gedränge). Daraus:

Ich möchte mich nicht in Köpfen befinden zusammen Gedanken,
die unter Einfluss vom Axel-Springer-Verlag entstanden.
In den ganzen verstrahlten Hirnen wär ich gern abhanden,
denn vor allem, können die Babylonier nicht klatschen und tanzen.

Dem ist in Anbetracht von bekannten wie bekloppten Videos á la “put ´em on a glass” von Sir Mix a Lot wohl nichts hinzuzufügen. Und wirklich kreative Versuche wie der von Michel Gondry für Kanye West (“Heard ´em say”) werden vermutlich nie Mainstream werden..

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gute trashige Musikvideos :: vom Stil hinter dem schrägen Bild

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Spike Jonze, selbstreferentiell, alle Posts, Michel Gondry, andere Musikvideoregisseure, Farbe, Form, Bewegtes, Videokunst

Trash zum Kult zu machen sagt mehr über die Zeit aus, in der das passiert, als über die Kunst hinter der Musik. Darum geht es hier nicht. Hier geht es um Videos, die wie Trash daherkommen, aber auf zweiter Ebene tatsächlich künstlerischen Anspruch haben.
Bestes Beispiel: Hot Chip mit Over and Over. Herausragender Schrammel-Pop mit musischem Tiefgang und ein Video in grell-monotonem Grün mit hypnotischem Sog: Die Trash-Optik ist hier nur Oberfläche für eine gewitzte Auseinandersetzung mit Archetypen der Musik: Tanz, Bewegung, Konzert, Zuschauern. Gegen Ende wird klar, dass das Setting des Videos ein Brennglas wird für die Manipuliertheit des Mediums Musik. Wie weit das ironisch gemeint ist, bleibt offen. Und diese analytische Sichtweise auf das plump inszenierte Bild spiegelt kongenial den Kontrast zwischen hopsenden Musikern und hochprofessionell instrumentierter Musik. Ein großes Video - und nicht umsonst von ifilm zu den Musikvideos des Jahres gewählt.
Ein Video, das mehr als jedes andere für das künstlerische Potenzial von Trash gelten kann, ist hier schon besprochen worden: Fatboy Slim - Praise you, eine 300$ Produktion (das meiste ging für das Catering drauf) der Musikvideokoryphäe Spike Jonze. Mehr über die Hintergründe im Artikel zum Video bei bittekunst.de.

Neben Fatboy Slim gehört dann unter die ganz bekannten Trash-Clips auch das Daft Punk Video zu “Around the World”: Das hat der zweite unter den großen Musikvideoregisseuren gedreht: Michel Gondry. Und hier kommt er auf den ersten Blick ungewohnt träge daher: Eine Choreographie auf engem Raum, allzu vorhersehrbar, in 60er Jahre optik eingekleidet und beleuchtet. Auf den zweiten Blick erkennt man, dass jedes der Quartette einer Tonspur der Musik zuzuordnen ist und die Interaktionen der Gruppen denen der musischen Spuren entsprechen. Die Vorhersehbarkeit der Choreographie entspricht der Monotonie der Tonspuren, entwickelt aber zusammen mit dieser eine fast tranceartige Konzentration auf das Spiel der unterschiedlichen Elemente und deren dynamische Verbindung. Dazu passt, dass das ganze Video in einer Jukebox spielt, wie am Ende klar wird: Die Tänzer sind die Töne, die auf einer Schallplatte tanzen. (Videosuche rechts oben)

Beide Videos, “Praise You” von Fatbox Slim und “Around the world” von Daft Punk, haben übrigens den MTV Award zum Video des Jahres gewonnen.

Noch ein viertes Video zum Abschluss: OK Go mit “Here it goes again”. Ein äußerst cleverer Videoclip mit acht Laufbändern. Das Setting entnüchtert: Alles aus einer Perspektive, monotone Beleuchtung, kein Schnitt im ganzen Video und im Hintergrund des kahlen Raumes, in den die Kamera stiert, eine silberne Plastikplane. Keine Deko außer acht Laufbändern und vier Bandmitgliedern. Aber die Choreographie, die diese vier Leute auf den Laufbändern aufführen, ist einen zweiten Blick wert. Das Video findet sich hier.

Soweit meine Favoriten an hintergründig guten Trash-Videos. Ist was nicht dabei? Schreibt´s in den Kommentar.

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Romantic Death :: multiple Orgasmen

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Authentizität, Themen, alle Posts, Verweise auf Fotographie, Verweise auf Kunst, Soziales, andere Musikvideoregisseure, Videokunst

Treten wir der Kritik entgegen: Das Video hat nicht die beste Qualität, die Musik ist schlecht und unpassend und der Schnitt ist ein guter Versuch, aber lange keine große Kunst. Trotzdem wird das Video hier besprochen und das hat einen Grund.

Romantic Death arbeitet nämlich ungewöhnlich mutig mit einem Reizthema: Die Photographie des Orgasmus. Nein, nicht nackt und nicht Porno. Gesichtern beim Orgasmus. Die Idee ist durchaus salonfähig, seit die große Photographin Herlinde Koelbl in ihrem Buch Männer nicht nur klassische Männerakte, sondern eben auch Photoserien von Männergesichtern bei Orgasmen publizierte. Das Video Romantic Death geht jetzt noch zwei Schritte weiter. Der erste: Die Orgasmen sind gefilmt, aus standartisierter Entfernung und in standardisierter Lichtsetzung. Die Idee kommt von Beautiful Agony, das seinerseits Maßstäbe gesetzt hat in der sinnlich-machung internetbasierter Erotikangebote. Der zweite Schritt: Die Regisseure schneiden ein halbes Duzend dieser Orgasmusvideos zusammen und erzählen die Geschichte der Idee Orgasmus: Ständige Schnitte ähnlicher Fragmente ergänzen sich zusammen in ein Abstraktum hinein - fast wie bei Bernd und Hilla Becher, die den Charakter von Kohlegruben und Fabrikgebäuden erst durch die Vervielfachung greifbar machen konnten.

Was nach dieser zweifachen Erweiterung der Orgasmus-Fotos von Koelbl durch Bewegung und Zerstückelung herauskommt ist ein Stück zufällige Kunst, die zwar auf hölzerne Art aber immerhin etwas Neues zu sagen hat: Der Orgasmus ist, entkernt von der Nacktheit, ein Stückweit des Tabus enthoben und im Zerbrechen der Gesichtszüge wieder in das Tabu zurückverwiesen. Dieser Ambivalenz der Konzeptidee steht die Geschichte der Orgasmusvisualisierung gegenüber - der klassische Nackt-Akt - das Gesichtsfoto von Koelbl - der Gesichtsfilm und schließlich die vorliegende Gesichtsfilmcollage. Eine Geschichte, die durch ihr ständige Nachahmen, Weiterdenken, Rekurrieren und Collagieren eigentlich schon als Prozess Element der Pop-Art ist. Der Orgasmus wird also einerseits vervielfacht - als Konzeptidee durch diverse Medienideen geschleift und im Video selbst durch ein halbes Duzend Akteure inszeniert - auf der anderen Seite durch Verzicht auf die Nacktheit aber auch seltsam real, konzentriert und im Fokussieren auf das Gesicht fast zärtlich. Und diese Spannung zwischen mechanistischer Archetypisierung und romantischer Charakterstilisierung ist es, die dem Video eine künstlerische Aussagedimension gibt. Auf der Basis scheint es kein Zufall, dass die Macher dem Projekt einen Namen gegeben haben - Romantic Death - der zwei diesen beiden Aspekten der Archetypisierung und der Charakterstilisierung entsprechende Begriffe in ein Konstrukt synthetisiert, das in seiner Klischeehaftigkeit wieder selbstreflexiv gemeint sein könnte. Stichwort: Der letzte Grad der Komplexität liegt im Erkennen ihrer Banalität.

Man muss wohl annehmen, dass das den Machern selbst nicht aufgefallen ist.

// Romantic Death

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Zieht mich aus und fresst mein Fleisch :: Robbie Williams - Rock DJ (R: Vaughan Arnell)

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Themen, alle Posts, Authentizität, andere Musikvideoregisseure, Soziales, Bewegtes, Videokunst

Pimpin’ aint easy
Most of them fleece me
Every night
Pimpin’ ain’t easy
But if you’re sellin’ it, sellin’ it, sellin’ it
It’s alright

Robbie Williams: Ex-Teeniestar, Ex-Paparrazifeindbild, Ex-Drogengeständiger. Mit diesem Video hat er mal wieder eine Grenze überschritten, diesmal die des guten Geschmacks. Und ganz falsch liegt man auch nicht, wenn man annimmt, dass es die Grenze zur Kunst statte zur Posse war, die er da genommen hat. Aber fangen wir vorne an.
Robbie singt in dem ganz lesenswerten Text vom Landen bei Frauen, die darauf nicht so richtig anspringen. Seine Lösung im Video: Er reißt sich die Kleider vom Leib. Erstes Tabu: Robbie ist nackt.
Aber die Figuren im Video reagieren nicht.

Und dann geht es erst richtig los: Er zieht sich die Haut vom Körper. Er reißt sich einzelne Muskeln aus. Er wirft die blutigen Muskeln nach den schönen Tänzerinnen, die sich damit einreiben wie Wölfinnen. Ihr Interesse ist erwacht. Das Ende: Glücklich, soweit man als Skelett glücklich sein kann, im Tanz mit einer der schönen Frauen.

Warum ist das jetzt interessant? Robbie Williams ist der einzige Superstar, der sich heutzutage traut, ein derartiges Video zu machen. Weil er nicht nur nach einer geschickten Einführung, in der er sich als der Lieblingsglitzerschwiegersohn der Plattenindustrie stilisiert, sämtliche Tabus bricht, die das Genre des Musikvideos noch aufrecht hält. Und weil er die Rolle als Idol durch sich selbst reflektiert und dann im Spannungsfeld zwischen Superstar, mit dessen Bild das Video beginnt, und dem alter ego, dass sich für die ldealisierung selbst verstümmeln muss, dem Dilemma der Pop-Elite ein Bild zuschreibt, das für ein populäres Musikvideo außerordentlich kraftvoll ist.
Nein, ich möchte jetzt nicht pathetisch werden. Aber vor einiger Zeit habe ich ein Zitat gelesen:

Manchmal das Gefühl: Sich ausziehen wollen bis auf die Knochen.

In dem Zitat schwingt diese Ambivalenz mit: Ein Wollen ist es, dass die Verstümmelung rechtfertigt und das der Künstler schließlich als Skelett tanzend feiert. Das ist als visuelle Idee weder abgedroschen noch banal. Schon in sich liegt im polaren Aufbau des Videos ein ästhetischer Einfall, der sich auszeichnet - zum Beispiel der realistischen Gehalt des Settings zu Beginn gegenüber dem surrealen Geschehen gegen Ende oder über die anfangs elitär-außenbezogene und dann zusammenbrechend-selbstreflexive Entwicklung der Narration. Betrachtet man die Person Robbie Williams mit ihren Depressionen, Therapien, Entzugsversuchen, Ausschreitungen und Skandalen scheint das Video noch dazu, soweit man das bei einem Popstar vermuten kann, Ergebnis einer realen Auseinandersetzung zu sein. Und aus der Biographie heraus den Schritt zu diesem Video zu machen, das ist eine ganz eigene Größe.

(Videosuche rechts oben)

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Cunninghams Horrorästhetik :: The Horrors - Sheena is a parasite (R: Chris Cunningham)

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Themen, alle Posts, Chris Cunningham, Raum, Bewegtes, Assoziatives-Surreales, Videokunst

Ganz neu und doch wieder der alte: Cunningham, der selten poetisch war, eigentlich eher krass und laut und heftig, hat nach der Überraschung für Madonna (”Frozen”) wieder mal etwas gedreht, das man erwartet hätte. Und doch wieder nicht. Denn erwähnenswert ist das Video für The Horrors (”Sheena is a parasite”) allein deshalb, weil Cunningham einen Schritt gegangen ist: Von den surrealen Traumwelten für Aphex Twin (”Come to Daddy”) und Björk (”All is full of love”) schafft er diesmal die Synthese zum Live-Video und damit eine Realitätsbindung, die für seinen Stil eine kleine Revolution bedeutet. Denn die Basis des Videos ist eine unterbelichtet aufgenommene Live-Gig-Szenerie: Ein tanzendes Mädchen, ein Kopf am Mikrophon, erinnert alles sehr an Zeiten, in denen ACDC Gitarren schreddernd durch Musikvideos geheizt sind (obwohl the horrors um einiges fieser rüberkommen und - wie gesagt - das Video in dieser Geisterbahn-Helligkeit gedreht ist). Mitten in diese Szenerie hinein baut Cunningham jetzt seine verstörenden, milisekundenlangen Schnitte, die das Video mit aller Gewalt auseinanderschlagen und keine drei Sekunden später ist alles wieder normal. Kommt alles wie unscheinbarer daher. Aber trifft zielsicher. Eine Minute vierzig ästhetischer Psychoterror.

Das Video gibt´s hier.

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Rorschachwahnsinn :: Gnarles Barkley - Crazy (R: Robert Hales)

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Verweise auf Malerei, Verweise auf Kunst, beste Posts, Authentizität, alle Posts, Themen, Assoziatives-Surreales, andere Musikvideoregisseure, digitale Welten, Form, Animation, Soziales, Bewegtes, Verweise auf Zeichnen, Videokunst

Verrücktsein heißt: Sich in den Tintenklecksbildern, die Freud als Rorschachtest berühmt gemacht hat, ständig selbst singen sehen. So geschehen bei Gnarls Barkley, der ein herausragendes Video zwischen Animation und Fotographie, zwischen Selbstbezug und Assoziation und zwischen Eingängigkeit und dem Puls der Erzählung gebaut hat: Ein einziger, völlig durchgeknallter Rorschachtest entwickelt sich ständig neu. In jedem Einzelnen ist der singende Gnarls Barkley zu sehen. Und damit das Ganze nicht langweilig wird, entwickeln sich die Tintenklekse immer komplexer, werden belebter, referenzieren auf den gesungenen Text und bleiben doch, was sie sind: Von einer beinah ästhetischen Abstraktheit geleitete, außerordentlich kunstvolle, aber eben doch: schwarz-weiße Tinteklekse.

Das Video gibt´s hier.

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das Genie des Musikvideoregisseurs :: Michel Gondry und der Rubriks Cube

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Jaja, wir hatten schon so die Idee, das Gondry clever ist. Vielleicht sogar genial. Aber das hier hat uns jetzt schon überrascht.

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Raben, Wüste und ein neues Image :: Madonna - Frozen (R: Chris Cunningham)

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You only see what your eyes want to see
How can life be what you want it to be
You´re frozen
When your heart´s not open.

Es war in der Wüste. Madonna hatte Chris Cunningham engagiert, einen weltbekannten Musikvideoregisseur. Und sie wollte etwas Pures, Warmes. Das ganze Set reist in die Wüste und erst dort wird klar: Das Wetter macht nicht mit. Das Licht ist anders als erwartet. Das Video kann nicht so werden, wie geplant. Vor Ort bittet Cunningham um freie Hand und Madonna gewährt. Das Ergebnis findet Cunningham gut, aber Madonna lehnt eine Veröffentlichung ab. Das sei nicht ihr Image, das sei nicht sie, das passe nicht zur ihr. Das ganze Video sei ein Reinfall gewesen. Nur mit viel Geduld kann sie überredet werden, den Clip doch noch freizugeben.

Natürlich ist die Pointe: Der Film schlägt ein wie eine Bombe. Er verhilft Madonna zum neuen Image, ihre CD Verkäufe explodieren, das Video wird Clip des Jahres bei MTV - das ist eine der wichtigsten Auszeichnungen der Szene. Im Nachhinein halten viele das Video für das gelungendste, was Madonna je hat produzieren lassen.

Das Video ist düster, mystisch, arbeitet kaum mit Farben, fokussiert sich auf Schatten von schwarz und ocker. Schwarze Tücher schleichen von allein durch Wüstensand, schwarze Vögel erheben sich in die dunkle Luft, ein schwarzer Hund rennt auf brüchigem Boden, Wolken rasen über den Himmel und tauchen im Zeitraffer den Tag in das Schwarz der Nacht. Das ist Cunningham in einer ungewohnt poetischen Weise und für Madonna wirklich neues Terrain. Den ganze Clip hält eine tiefe, düsterblaue Ruhe zusammen, die der schwarzgewandeten Protagonistin Madonna eine morbide Mystik gibt. Ein Video auf dem Grad zwischen sinnlich-dunkler Ästhetik und surrealen Traumbildern, die der Härte von Wüstenboden und Schwarztönen eine Weichheit geben, welche Cunningham selten erreicht. Aus dieser Spannung zieht der Clip seine ästhetische Qualität.

(Musikvideosuche rechts oben)

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ein alter Mann geht ab :: Fatboy Slim - Weapon of Choice (R: Spike Jonze)

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Eins der bekanntesten Musikvideos von Spike Jonze: Ein älterer Mann sitzt im Sessel eines ehrwürdigen Hotels, steht unvermittelt auf - und fängt an völlig durchgedreht durch die Gänge und Hallen des Hotels zu tanzen. Der Tänzer ist übrigens Hollywoodstar Christopher Walken. Viel mehr ist nicht zu sagen: Äußerst cool.

(Musikvideosuche rechts oben)

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