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Artikel in der Kategorie 'Bewegtes'

von den Grenzen visueller Wirklichkeit :: eine Adidas Werbung von Spike Jonze

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Ein Mann steht auf und alles ist schwarz - so lange er es nicht berührt. Mit seiner Präsenz schafft er Wirklichkeit, dort wo er grade ist. Und seine Fantasie setzt die Grenzen.

Eine grandios surreale Bildwelt in eineinhalb Minuten. Anschauen.

(Videosuche rechts oben: Suche nach jonze adidas)

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ein Hochausorganismus :: Massive Attack - Protection (R: Michel Gondry)

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Eines von Gondrys guten One-Shot-Videos. Ohne einen einzigen Schnitt wird die Geschichte eines Hochhauses erzählt.

(Videosuche rechts oben)

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visueller Meilenstein für das Wesen des Moments :: The Rolling Stones - Like a Rolling Stone (R: Michel Gondry)

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Es war so etwas wie der Ritterschlag, meint der Regisseur, als die Rolling Stones auf ihn zukamen, um ihn um ein Video zu bitten. Dabei war Michel Gondry seit Björk ihn als Unbekannten zu einem Video verpflichtete - sie hatte seine Arbeiten für seine eigene Band Oui Oui gesehen - bereits eine Legende der Musikvideokunst. Für die Stones jedenfalls hat er sich wieder etwas neues einfallen lassen: Eine technische Spielerei zwischen Still und Film. Die Bilder frieren ein, während die Kamera weiterfährt oder schieben sich wie betrunken ineinander. Die Techik hat Gondry erfunden und - so sagt er - die Band war zufrieden.
Für den Zuschauer kommt neben dem technischen Aha einiges rüber: Gondry hat wieder mal einen Film über das Wesen der Zeit gemacht. Einen wirklich guten.

(Videosuche rechts oben)

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die überwältigende Künstlichkeit de Natur :: Björk - Joga (R: Michel Gondry)

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Joga von Björk: Im tiefsten Sinne ein Naturvideo. Aber Moment: Die Kamera zuckt im Rhythmus des Songs, Irrwitzige Luftaufnahmen rasen mit dem Wirbel des Schlagzeugs, Steine bewegen und Berge spalten sich auf den Gesang von Björk. Wir sehen hier den zweiten Teil von Gondrys Auseinandersetzung mit der Natur: Der erste hieß “Star Guitar” und kam von den Chemical Brothers (s. Besprechung bei bittekunst.de). Gondrys Natur ist nicht gewachsen, sondern programmiert. Er öffnet den Diskurs für ein neues Naturverständnis, indem die Natur gleichermaßen perfekter und lebloser ist. Und wenn Björk, auf einem Berg stehend, ihr Herz öffnet, in das die völlig losgelöste Kamera hereinfahren kann, um auf neue digitale Natur zu treffen, dann scheint das ganze Video ein großes Bild über das eine Thema zu sein: Den Yoga-Weg zurück zum Unangetasteten - der in der postmoderne nur ins Digitale hinein denkbar scheint.

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Post-It´s, Lego und Filzwelten :: Meilensteine der Stop Motion Videos

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Stop Motion ist bekannt. Ja? Diese Technik, bei der ein Bild aufgenommen wird, ein bißchen verändert, nochmal aufgenommen - und wenn man das zwanzig Mal macht hat man eine Sekunde Video. Normalerweise macht man das mit Knete. Hier ein paar Variationen, die zum Kult geworden sind:

Der Trendsetter: Stop Motion mit Post-Its
Gut, nicht wirklich ein wichtiger Film, aber eine clevere Idee zum Anfang: Post-Its an Spiegeln befestigt.
(Videosuche rechts oben: Suche nach paterlizzi post it)

Der Klassiker: Michel Gondrys Stop-Motion-Video mit Lego
Legendär gut: Gondrys Meisterwerk aus Legosteinen für The White Stripes (”fell in love with a girl”). Er hat nichts geklebt, hat er mal im Interview zu Protokoll gegeben. Und Lego selbst hat einen Artikel über seine Aktion geschrieben, den man hier nachlesen kann.
(Videosuche rechts oben: Suche nach white stripes fell in love)

Das Durchgeknallte: Michel Gondrys Walkie Talkie Man für Steriogram
Ein gelungener Mix aus echten Aufnahmen und Stop-Motion Fragmenten mit Knete, Fäden und gestricken Puppen: Gondrys Video für Steriograms Hit “Walkie Talkie man”. Sehr verrückt und sehenswert.
(Videosuche rechts oben: Suche nach elite beat agents walkie talkie man)

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Droogs, Style und die Kraft der reinen Farbe :: Blur - The universal (R: Jonathan Glazer)

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Dass Jonathan Glazer ein Fan von Stanley Kubrick ist, hat er schon mit dem Video für Massive Attack (Karmacoma) bewiesen. Jetzt geht es um Alex und seine Droogs, genauer: Uhrwerk Orange. Die Szenerie aus dem Kultfilm hat Glazer stellenweise genau kopiert, aber einen wesentlichen Aspekt ergänzt: Die Farben. Hatte Kubrick sein Akteure schon eher weiß gekleidet (D&G brachte Jahrzehnte später eine Modeserie in diesem Stil heraus), nimmt Glazer die Farbe als formendes Element und baut alles darauf aus: Die Musiker sind ganz in weiß getaucht, ebenso die Golfball-orientierten Riesenboxen, das Publikum ist schwarz, zwischendurch ein Roter:

How long have you been a red man
About fifteen years.

Die Farben sind die universale Chiffre im Lied The Universal, nur sind sie kontraintuitiv konnotiert: Schwarz ist nicht beherrscht, sondern schrankenlos und weiß ist nicht heilig, sondern infiltrierend diabolisch. Die Musiker sind es - wie in Kubricks Clockwork Orange die Droogs - die Gewalt und Leben in die Welt bringen.Und auf eine andere Art auch: Erhabene Ästheten in einer zugrundegerichteten Welt.

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die visuelle Transzendierung von Zeit und Raum :: Cibo Matto - Sugar Water (R: Michel Gondry)

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Das Video kommt ziemlich seltsam daher: geteilter Bildschirm, zwei verschiedene Geschichten, die beide ziemlich schlecht konstruiert aussehen. Kaum Bilddynamik. Michel Gondry selbst hat Sugar Water einmal als sein aufwändigstes und bestes Video bezeichnet. Was soll das?

Wenn man genau hinschaut, fällt Einiges auf: Es gibt keinen Schnitt, das ganze Video ist ein sogenannter One-Shot. Ja, nicht “beide Videos”. Denn das linke und das rechte Video sind identisch - das eine läuft vorwärts und das andere rückwärts. Sie erzählen die Parallelität einer Geschichte, die jenseits von Zeit geschieht: In allen Einzelbildern korrespondieren die Handlungen. Immer wieder greifen Sie ineinander ein - als Erinnerung: die Katze, die Schriftzeichen. Das eine Video ist so perfekt choreographiert, dass es den Eindruck erweckt, zwei Geschichten zu erzählen, mehr noch: Eine stetig verbundene Geschichte an zwei Orten.
Was Gondry hier vorführt kann gelesen werden als Symbol für die Konvergenz von Zeit und Raum: Der vermeintlich zweigeteilte Raum entpuppt sich als zeitliches Konstrukt. Die Zeit selbst scheint aufgehoben, wo der rückwärtslaufende Film mit dem vorwärtslaufenden Film interagiert. Ja, beide Dimensionen scheinen sich selbst aufzulösen, denn beides - die parallele Zeit und der parallele Raum sind Illusionen eines einzigen Bandes, einer einzigen, linearen Kamera, die sich äußerst geschickt rückverbindet zum ersten Raum und zum Ende der Zeit.

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Kubrick´s Shining und der Wahnsinn eines Hotelflurs :: Massive Attack - Karmacoma (R: Jonathan Glazer)

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Ein grandioses Video von Jonathan Glazer, der längst als einer der großen Musikvideoregisseure gilt: Er hat zum monolog-beunruhigenden Triphop-Song von Massive Attack (die hier von Tricky unterstützt werden) eine kongeniale Bildwelt kreiiert: Ein Hotelflur und ein Killer und das, was in etlichen Zimmern passiert. Der Clip läuft knappe zwanzig Sekunden und es ist schon alles Wichtige gesagt: Totale des Hotelflurs, Gesicht des Opfers, Detail der Schuhputzmaschine, die ein Hauptsymbol des ganzen Clips wird und dann eine mutige Fischauge-Nahe des Killers. So schnell geht es weiter: Ein Duzend Bildwelten werden angeschnitten, losgelassen, wiederaufgegriffen, narrativ weitergesponnen, mit den anderen verzahnt. Der rote Faden bleibt der Killer und sein Opfer. Nein. Eigentlich ist der Protagonist der Hotelflur. Und wenn man sich die Lichtreflexe in der ersten Einstellung anschaut, wird klar, dass dieser Flur nicht nur belebt ist, sondern alle damit verbundenen längst in seinen Bann gezogen hat. Die surrealen Bilder sind zu ideenreich und perfekt choreographiert, um sie hier zu erzählen. Aber der Flur bringt uns auf eine andere Fährte.
Eine Idee?
Klar: Der ganze Clip ist ein surreales Zitat auf Shining, einem Thriller, der 1980 ziemlich für Wirbel gesorgt hat, weil Kubrick damit mal wieder neue Maßstäbe gesetzt hat: So sorgen Charakterdarsteller Jack Nicholson als Hauptperson und die spätere Kubrick-Frau Shelley Duvall sorgen mit dem Drehbuch von Stephen King für ein neues künstlerisches Niveau. Zusammen mit Kubricks Perfektionismus (einige Szenen werden über 100 Mal wiederholt) entstand ein Film, der bald zum Symbol eines Genres geworden ist. Aber zurück: Was hat das alles mit Jonathan Glazer zu tun?
Jonathan Glazer rekurriert auf diese Symbole, die Kubrick durch seinen Ehrgeiz geschaffen hat: Die Kamerafahrt mit der Steadycam durch den Hotelflur, die zwei Zwillinge, das Schreiben des einen Wortes auf der Schreibmaschine, die surreale Symbolwelt, die den Wahnsinn visualisiert und - natürlich - die Idee des Hotels, der Ursache des Ganzen, das in der Verbindung aus Fremdheit und Heimatversprechen die Macht über seine Bewohner gewinnt und sie in den Wahnsinn treibt.

Das Musikvideo für Massive Attack ist also eine Ehrung von Kubricks Shining. Die Referenz auf einen Klassiker der Filmkultur ist zwar in Musikvideos selten (und kaum je so adäquat umgesetzt), aber doch nur ein Beispiel dafür, wie hervorragend Glazer es versteht, diverse Aspekte gleichberechtigt umzusetzen, ohne andere zu vernachlässigen: Eine innovative narrative Struktur mit schnittechnischen Meisterstücken und der Fokus auf die Musik zum Beispiel. Oder die intellektuell-symbolhafte Sprache und gleichzeitig genug Plot, um jeden zu erreichen. Oder: starke, klare Einzelbilder und das Beibehalten jener künstlerischen Spannung, die auch eine Antwortlosigkeit einschließt. Kurz: Man kann es kaum besser machen, wenn man alle zufriedenstellen will.

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der beste Oneshot der Geschichte :: Massive Attack - Unfinished Sympathy (R: Baillie Walsh)

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Das Video wirkt auf den ersten Blick fast unscheinbar. Trotzdem: Das ist einer der technisch eindrucksvollsten Clips der Geschichte, ein Meilenstein unter den sogenannten One-Shots. One-Shots meint: Video ohne jeden Schnitt. Was der Regisseur Baillie Walsh hier 1991 bewerkstelligt hat, setzte neue Standards: Fünfeinhalb Minuten hochaufwändige Kamerafahrten, ein duzend Geschichten, die sich hinter der Kamera abspielen, alles aufgenommen auf einer belebten Straße in einem Häuserblock von Los Angeles, fliegender Wechsel von Stativkamera auf Steadykam. Und dabei noch so smooth und perfekt choreographiert, das man wirklich nur den Hut ziehen kann. Brilliant gemacht.

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Autos, Alkohol und Jesus :: UNKLE - Rabbit in your Headlights (R: Jonathan Glazer)

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Eins der ganz großen Musikvideos, prämiert in zahlreichen Ausstellungen, oft zitiert und einer der Gründe, warum Jonathan Glazer jetzt als einer der großen Musikvideoregisseure gehandelt wird.

Der Plot: Ein scheinbar verwirrter Mann geht durch einen Tunnel voller Autos, der Kamera hinterher. Autos hupen, er wird angefahren, diskutiert mit Fahrzeuginsassen. Mehr nicht.

Was das Video zu einem beeindruckenden Stück Kunst macht, steht zwischen den Zeilen: Die Konsequenz, mit der Glazer die Realität der Szenerie einfängt - kein Zeit- oder Ortswechsel, kein Beleuchtungswechsel, aber vor allem: Das Hupen, die Monologe und Diskussionen mit den Fahrgästen, die Glazer in die Musik gemischt hat. Er selbst sagt dazu in einem Interview, von dem Ausschnitte hier zu lesen sind:

Bilder allein reichten nicht um die ganze Reise zu vermitteln, die der Mann unternimmt. Man muss fühlen oder hören wie sein Gehirn arbeitet. Das war etwas ungewöhnlich, denn viele Künstler würden nicht dulden, dass man sich an der Musik zu schaffen macht. Mir gefällt die Vorstellung, mich in die Musik einzumischen.

Tatsächlich war der Eingriff des Musikvideoregisseurs in die Musik des Künstlers ein

Novum in der Geschichte des Musikvideos. (Prodigy hat das mit seinem umstrittenen Video zu Smack my bitch up auch umgesetzt.) Aber was steckt dahinter?
Das Video von UNKLE entwickelt eine große Sogkraft durch die Krassheit und Klarheit der Bilder - und eben durch diese völlig ungewohnten Stilmittel, die dem Geschehen einen ganz neuen Grad von Ehrlichkeit geben. Und dann, ganz am Ende dieses durch und durch naturalistisch gehaltenen Videos, der Bruch: Der Mann, etliche Male angefahren, bleibt stehen. Zieht sein Hemd aus. Öffnet die Arme wie Jesus. Ein Auto rast von hinten auf ihn zu. Der Mann lacht. Und in einer riesigen Feuerwolke explodiert das Auto an seinem Rücken.
Metaphorisch vielschichtig ist dieses Video. Die Jesus-Symbolik liegt nah, aber es könnte genauso die letzte Vision des Sterbenden Obdachlosen festgehalten sein oder der Tagtraum, den dieser von seinem Weg durch den Tunnel hat. In jedem Fall visualisiert Glazer die Grenze zwischen Gedachtem und Erkanntem auf eine außerordentlich innovative Weise - auch hier gibt es eine Parallele zum erwähnten Prodigy-Video. Seine Innovation steckt in dem Rückbezug des Videos auf die absolut naturalistische Narration und dem Bruch, mit dem Glazer zehn Sekunden vor Ende des Clips alles wieder in ein Reich der Assoziationen zurückinterpretiert. Ein großartiges Video. Unbedingt anschauen.

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