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Artikel in der Kategorie 'Tanz'

Zwischen den Zeichen :: Madonnas “Confessions Tour” (R: Jonas Åkerlund)

von Alexander Kroll. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Audiokunst und Klang, Bewegtes, Tanz, Videokunst, alle Posts, andere Musikvideoregisseure, beste Posts, selbstreferentiell

Man mag es kaum glauben, aber Madonna, die Pop-Heilige, ist zur Veröffentlichung ihres letzten Studioalbums „Confessions on a Dancefloor“ im kleinen Londoner Club „Koko“ aufgetreten. Dort hatte sie einst mit „Holiday“ ihre Karriere begonnen und die rohe Realität liegt längst zurück. Madonnas kurze Rückkehr auf die Club-Bühne ist als solche nur eine symbolische Geste in einer Karriere, die sich bilderbuchmäßig über Symbole erstellt hat. Niemand will Madonna in Wirklichkeit beim Soundcheck sehen, sondern über ein Spektakel staunen, das allenfalls mit dem Show-Bombast von Michael Jackson, Richard Wagner oder dem Theater des Barock vergleichbar ist. Entsprechend wurde das Konzert, das jetzt auf der DVD/CD-Edition „The Confessions Tour“ zu sehen ist, nicht im „Koko“ aufgezeichnet sondern in der „Wembley Arena“.

Es gibt, wie immer, alles zu sehen. Madonnas Repertoire ist perfekt, bringt die letzten zwanzig Jahre Popkultur auf die Bühne und integriert über Labels für Liebe und Lebensgefühle alle neuen Trends von Breakdance bis zur Netzkunst. Jeder Song ist ein greller Slogan, der die moderne Welt zelebriert. „Forbidden Love“ stellt Davidstern und Halbmond auf den Oberkörpern von Tänzern gegenüber bis Madonna als einendes Zeichen zwischen die Tänzer tritt. Sie streckt die Hand aus und ein Adler aus der Videowand scheint auf ihrer Hand zu landen. Bei „Live to tell“ verbinden sich Kirchenglocken und Internet-Adressen im abendländischen Symbol schlechthin, dem Kreuz, das hier nicht Gottes Sohn, sondern seine Tochter Madonna trägt. „I have a tale to tell“ singt die Gekreuzigte und ist damit Erzählerin und Erzählung zugleich. Madonnas Geschichte erzählen dann die Leinwände im Intro zu „Music Inferno“. Das Thema ist Disko, Madonna ist Disko. Gekrönt im „Dancing Queen“-Umhang muss Madonna nur frühere Shows variieren, um selbst schwache Songs des neuen Albums mit Wucht wegzufegen. Trotzdem hat das Konzert ein Selbstverständnis, das nicht zynisch, sondern zuvorkommend ist. „Erotica“ ist nur noch ein Nahtanz im Badeanzug, „Like a virgin“ ein verspielter Ritt an der Stange. Skandale waren gestern. Selbst Madonna trinkt Wasser und prostet den Zuschauern zu. „Cheers“ ist die wahrste aller Universalgesten.

(Videosuche rechts oben)

[tags]Madonna, Confession, DVD, Musikvideo, Videkunst[/tags]

Where the hell is Matt? :: ein YouTube-Beitrag zur Weltoffenheit

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Authentizität, Bewegtes, Natur, Raum, Soziales, Tanz, Videokunst, Youtube und Co, alle Posts, andere Musikvideoregisseure, beste Posts, digitale Welten, selbstreferentiell

Das Konzept ist einfach und zugleich beeindruckend: Ein Mann tanzt an verschiedenen Orten der Welt. Immer die gleiche Handkamera, ein ähnlicher Bildaufbau, ähnliche Tanzbewegungen. Ein Video ohne große Überraschungen. Aber auch ein Video mit einem hypnotischen Sog und viel Stoff zum Weiterdenken.

“Where the hell is Matt” von Matt Harding ist ein großartiges Symbol für das globale Dorf, für die Einfachheit der Vielfalt. Antarktis, New York, der Regenwald und die Berliner Mauer werden durch den Tanz des immer gleichen Protagonisten verbunden, die Raumgrenze erscheint als überwindbar und grade dadurch wird sie als Kulturgrenze offensichtlich. Die Kultur selbst wird Zeichen einer geographischen Entfernung, die durch den Protagonisten transzendiert wird: Das globale Dorf ist real, die Nähe des Entfernten ist ein Faktum. Und das auf diese Art ausgerechnet auf YouTube zu sagen, dem Inbegriff der Wohnzimmerglobalisierung, der Gallionsfigur eines bleiben-wir-zuhause-Travellertums, ist ein Politikum und ein gutes Stück Kunst.
Matt Harding ist durch sein Video weltbekannt geworden. Seine Clips gehören zu den meistgesehensten Videos des modernen Internet. Und auch das ist ein Zeichen dafür, dass seine Bilder über alle Grenzen verstanden werden: Ein Stück Kunst, das so einfach und so beeindruckend ist, dass es jeder rezipieren kann: In allen Orten dieser Welt und von allen Menschen, die mit Bildern etwas anfangen können. Der künstlerische Anspruch wird dadurch nicht negiert, sondern unterstützt: Ein Kunstwerk, dass überdauerndes Symbol werden könnte für das Travellertum, für die lokale Entgrenzung der Moderne, aber auch ein Symbol des Protests gegen die Bildschirmisierung der Welt, eine Rückkehr der Natur in die Technik und eine Auseinandersetzung mit Fragen der Authentizität, der Reproduzierbarkeit von Wirklichkeiten, der Bedeutung realer Grenzen und ein Zurückholen der kulturellen Unterschiede. Denn die kulturelle Unterschiedlichkeit bleibt auch in Zeiten globaler Cola-Werbekampagnen und standardisierter Ästhetikkonzepte bestehen. Mehr noch: Sie wird erreichbar und erfahrbar. Und “Where the Hell is Matt” ist ein Film, der diese Frage besser auf den Punkt bringt, als jede intellektuelle oder politische Diskussion.

Hintergrund: Sein erstes Video produzierte Matt selbst, das zweite wurde finanziert von einem Kaugummikonzern (der seitdem außerordentlich populär wurde, aber unerklärlicherweise quasi pleite zu sein scheint).

// Where the hell was Matt? – das erste Video 2003/2004
// Where the hell is Matt? – das zweite Video, der internationale Durchbruch

// Vortrag von Matt Harding in Burlington über die Entstehungsgeschichte seiner Videos (Teil 1, Teil 2, Teil 3)
// Interview mit Matt Harding bei Payscale, einem Branchenjournal für Onlinemarketing

// Berichte über das Projekt von Matt Harding (auf wikipedia.org):

  1. ^ Benji Lanyado. “Dance, dance, wherever you may be“, The Guardian, December 23, 2006. Retrieved on [[2006-12-28]].
  2. ^ Andrea Sachs. “The Guy Who Danced Around the Globe“, Washington Post, October 22, 2006. Retrieved on [[2006-12-28]].
  3. ^ James Gilden. “Amateurs’ talent: Giving us a local perspective on the world“, Los Angeles Times, September 3, 2006. Retrieved on [[2006-12-28]].
  4. ^ Kristin Jackson. “Dancing around the world (and Web)“, Seattle Times, October 5, 2006. Retrieved on [[2006-12-28]].
  5. ^ Jordan Smith. “Dancing Matt coming to town“, Austin Chronicle, August 26, 2005. Retrieved on [[2006-12-16]].
  6. ^ Meet Matt. Stride gum. Retrieved on 2006-12-16.
  7. ^ mattharding2718 Channel. YouTube. Retrieved on 2006-12-29.
  8. ^ Jill Fahy. “Globe-trotting dancing fool visits Champlain College“, Burlington Free Press, November 10, 2006. Retrieved on [[2006-12-16]].
  9. ^ MobyGames.com

zwischen Breakbeat und Handkamera :: Tänzer bei YouTube

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Bewegtes, Natur, Raum, Soziales, Tanz, Videokunst, Zeit, alle Posts, andere Musikvideoregisseure, beste Posts

Das meistgesehenste Video bei YouTube ist ein Tanzvideo. Wir reden hier von 40 Millionen Zuschauern: Der Komiker Judson Laipply hat “Evolution of dance” als Teil seiner Show “Inspirational Comedy” produziert und ist damit zum Superstar geworden: Zwischen Slapstick, Tanz, Chartmusik und Charme findet sich der Schlüssel zum Publikumshit. Laipply ist mit der nicht besonders guten Tanzperformance weltbekannt und Symbol für den Aufstieg von Youtube geworden, weil er den Massengeschmack perfekt getroffen hat. Damit ist er nicht mehr weit weg von einer ganz neuen Kunstform in YouTube: Junge Leute, vornehmlich hübsche Frauen, die in unaufgeräumten Zimmern zu Playback von CD ihre Lieblingslieder nachsingen und -tanzen, meist während Sie neue Klamotten anprobieren, sich schminken oder vor dem Fernseher sitzen. Eines dieser Videos gehört mit 12 Millionen Zuschauern ebenfalls zu den ganz großen Knallern auf YouTube (ein Erfolg, der die jungen Frauen so kalt erwischt hat, dass sie prompt ein Making Of-Dankevideo produzierten).

Ganz anders wirkt da der Tänzer von Bruce. Der herausragende Breakdance in einer Turnhalle fand immerhin eine Viertelmillion Zuschauer, spielt qualitativ aber schon in einer anderen Liga. Und in dieser Breakbeat-Ecke gibt es dann auch Leute wie David Elsewhere, die zu Ikonen der Netzkultur werden: Elsewhere, der eigentlich David Bernal heißt, ist Ausnahmetänzer eines Stils, den er mit Adjektiven wie liquid oder robotic beschreibt und der 2003 schon ziemlich eindrucksvoll aussah. Die Folgen dieser beiden Clips waren enorm: Nicht nur, dass David Elsewhere dank dieser Videos eine Menge Interviews in etablierten Medien geben durfte und in amerikanische Fernsehshows eingeladen wurde. Er wurde vor allem Symbolfigur einer neuen 60-Sekunden Berühmtheit, wie das Time Magazin konstatierte. David Elsewhere, vor wenigen Monaten noch David Bernal und relativ unauffällig, ist jetzt Werbefigur von Volkswagen und Heineken (die Videos dafür stehen auf seiner MySpace-Seite) und hat einen eigenen Lexikoneintrag bei Wikipedia.
Und dann gibt es noch Leute wie Matt Harding, die beweisen, dass grade aus der Massenorientierung und Amateurhaftigkeit, die völlig neue Zeitkapazitäten in der Filmproduktion frei werden lässt, echte Kunst entstehen kann. Wir verabschieden uns und sind mit YouTube schon wieder ein bißchen versöhnt, wenn wir sehen, was daraus werden kann: Das Video Where the hell is Matt? gehört mit rund 4,6 Millionen Zuschauern nämlich auch zu den meistgesehensten auf YouTube..

wegweisende HipHop Musikvideos :: Auseinandersetzungen mit Beats, Bargeld und Brüsten

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Bewegtes, Farbe, Form, Tanz, Videokunst, alle Posts, andere Musikvideoregisseure, digitale Welten, selbstreferentiell

Das Hip-Hop-Video hat seit Jahren eine sehr spezifische Bildsprache etabliert, die wir hier mal an besonders gelungenen und besonders rebellischen Musikvideos in den Fokus rücken möchten.

Fangen wir an bei der Ästhetik (und damit meine ich jetzt nicht Brüste und Status): Schon bei Justin Timberlakes Mainstream-Video “My Love” wird klar, wie gut die Choreographien des Hip-Hop-Tanzes aussehen können. Und wenn man sich danach “Work it Remix” von Missy Elliott anschaut sieht man, was man mit Kreativität daraus machen kann. Missy Elliott gilt als Referenz der Hop-Hop-Szene, was die Musikvideos angeht: Nie ganz daneben und oft Maßstäbe setzend in Bildidee, Konzeption und Choreographie. Das klingt wie Björk? Nicht ganz verkehrt. Denn obwohl das Hip-Hop-Genre künstlerisch beengt ist, geht Missy Elliott an die Grenzen. Beispiele? “Get Ur Freak On”, “Supa Dupa Fly” oder “lose control”. – Alles Ausnahmevideos mit Missy in Hochform.

Aber kommen wir zu dem, was Hip-Hop-Videos immer auch waren: Sex und Status. Der Musikredakteur von Viva hat mir mal gesagt:

“Hip-Hop-Videos erkennt man im Moment daran, dass irgendwann ein Helikopter auftaucht.”

Das war zu Hochzeiten der Goldketten und Rolexuhren, schwarzen Limusinen und quasi-nackten Hübschchen in den Musikvideos der großen Rapper. Der Hedonismus der Neunziger fand im street-credibility-credo der Hip-Hopper eine neue Spitze: Als die Musik irgendwann mal aus den Armenvierteln emporgewachsen war (und diverse ex-Außenseiter ihren Aufstieg gegenüber den Daheimgebliebenen am glaubwürdigsten mit teuren Uhren, großen Autos und schönen Frauen inszenieren konnten) galt das völlig maßlose Statusdenken als Beweis der Kraft des Willens der Straße und irgendwie schien eine Zeit lang nur der Hip-Hopper, der den Wert eines Kleinwagens als Schmuck am Körper trug, überhaupt mit Fug und Recht behaupten zu dürfen, er käme aus einem Ghetto (was wiederum seine Plattenverkäufe anzuheben in der Lage war). Das Verhältnis des Rappers zum Besitz war in dieser Zeit ambivalent.

Die Standardfilmchen mit Hubschraubern und teuren Wagen möchte ich vorenthalten. Zumindest direkt zu einem Künstler kommen, der mit diesen Symbolen spielt wie kein zweiter: 50 Cent im Video “P.I.M.P.”. (Videosuche rechts oben) Die Geschichte des Mannes liest sich wie die Musterbiographie eines Hip-Hoppers und wimmelt von Gewalttaten, ärmlichen Verhältnissen, Verwicklungen ins Drogenmilieu und Härten des Lebens. Eminem und Dr. Dre, zwei Urgesteine der Szene, haben dem Jungen endlich zu eigenen CDs verholfen, von denen eine – wie passend – “Get rich or die tryin´” heißt. Das ganze wäre nicht erwähnenswert, würde 50 cent in seinem Video zu P.I.M.P. nicht das ganze Hip-Hop-Selbstverständnis, dem er selbst so nahe steht, lachenden Gesichts an die Wand persiflieren (und das mit Komplizenschaft von den zwei ganz Großen – Snopp Dogg und G-Unit): Eine riesige Villa, alles in weiß, ein Ölbild des schwarzen Rappers im Stil weißer Kolonialherren über dem Kamin, ein duzend Frauen in weißer Unterwäsche und der herrische Gang von 50 Cent durch das Anwesen, das wirklich nichts anderes aussagt, als den Kontostand des Besitzers. Die Absurdität erreicht einen Höhepunkt im Kongress der “Pimp Legion of doom”: Ein Raum mit den größten Rappern der Zeit, die mafiamäßig um 50 Cent herumsitzen, um zu erfahren, ob dieser wirklich ein “Pimp” ist.

“He doesn´t drive a cadillac. (Ablehnung) He doesn´t got a perm. (Kopfschütteln). Why should we put him in the Pimp Legion of Doom?”

“But I got the magic stick.”

Soweit ich weiß hat sich keiner der großen Rapper derart selbstironisch mit der Rolle des modernen Hip-Hop-Videos auseinandergesetzt.

Weird Al Yankovic’s hat in seinem White&Nerdy Clip diesen HipHop-Hedonismus in eine nette Bildsatire gepackt und – damit sind wir entgültig beim Bruch der goldenen Hip-Hop-Regeln – der Hamburger Rapper Jan Delay zelebriert die Distanz vom Busen-und-Status-Hip-Hop in etlichen seiner schrägen Texte: In “klar” lässt er sich von Frauen in Showglamour-Klamotten souflieren und trägt einen Smoking, während er mit einem Bagger das Haus einreisst, in dem er singt. Und in “Ich möchte nicht, dass ihr meine Lieder singt” liefert er eine Abrechnung mit der Hip-Hop-Hörerschaft, die noch etwas weiter geht. Aufgenommen auf dem Kölner Karnevalszug (Jan Delay ist als Palästinenser verkleidet und spielt Flöte auf einem Maschinengewehr mitten im Gedränge). Daraus:

Ich möchte mich nicht in Köpfen befinden zusammen Gedanken,
die unter Einfluss vom Axel-Springer-Verlag entstanden.
In den ganzen verstrahlten Hirnen wär ich gern abhanden,
denn vor allem, können die Babylonier nicht klatschen und tanzen.

Dem ist in Anbetracht von bekannten wie bekloppten Videos á la “put ´em on a glass” von Sir Mix a Lot wohl nichts hinzuzufügen. Und wirklich kreative Versuche wie der von Michel Gondry für Kanye West (“Heard ´em say”) werden vermutlich nie Mainstream werden..

ein alter Mann geht ab :: Fatboy Slim – Weapon of Choice (R: Spike Jonze)

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Eins der bekanntesten Musikvideos von Spike Jonze: Ein älterer Mann sitzt im Sessel eines ehrwürdigen Hotels, steht unvermittelt auf – und fängt an völlig durchgedreht durch die Gänge und Hallen des Hotels zu tanzen. Der Tänzer ist übrigens Hollywoodstar Christopher Walken. Viel mehr ist nicht zu sagen: Äußerst cool.

(Musikvideosuche rechts oben)

Ballett und Breakbeat :: Tanzvideos bei danzaTV

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Form, Tanz, alle Posts

Die Viererformation im Ballettkleidchen aus dem Schwanensee, der Nike-Werbespot mit der Breakdancerin Sofia Boutlella oder eine Gummifrau, die modernen Jazztanz vorführt, während ihre Backgroundsänger offbeat Beatboxen. Die italienische Seite danzaTV hat die Clips gesammelt stellt sie offen zur Verfügung. Eine herausragende Zusammenstellung verschiedener Tanzstile. – Nicht komplett, aber inspirierend gut ausgewählt.