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Artikel in der Kategorie 'Videokunst'

Deutsche Nationalhymne 2015 - türkischer Pop macht Kultur

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Audiokunst und Klang, selbstreferentiell, beste Posts, andere Musikvideoregisseure, Soziales, Bewegtes, Videokunst

Deutsche Nationalhymne 2015 - MyVideoUnd so hört sie sich an: die deutsche Nationalhymne auf türkisch. Wer mitsingen will:

Birlik, adalet ve özgürlükAlman anavatanı içinHepbirlikte çalışalımKardeşçe kalben ve el eleBirlik adalet ve özgürlükMutluluğun teminatıBu mutluluğun ihtişamında yeşerYeşer Alman anavatanı 

Aber das ist nur die oberflächlichste Ebene eine Videos, das in ein paar Wochen tatsächlich Symbol werden könnte für etwas, das wir bisher Multikulti genannt haben. Wir meinten damit eine Mischung aus demonstrativer Toleranz, politischer Faktenbeschreibung oder Berliner Hippness, je nach Kontext. Aber wir hatten noch kein Symbol für den Begriff der multiethnischen Gemeinschaft. Alles blieb bisher merkwürdig abstrakt: Es ging um Einwanderung, Zuwanderung und Asylpolitik, Mindestlöhne, Vielfaltdiskurse und Gerechtigkeitsvorstellungen. Muslime sind medial vor allem dann präsent, wenn sich jemand an Kopftüchern und Moscheen stört oder “Gewaltsteigerungsraten” medienwirksam und unethisch mit “Migrationshintergrund” zusammenwürfelt. So richtig verstanden haben das eigentlich nicht, was das heißen soll, wenn diese Symbole wirklich zueinander finden: Heimat und ethnischer Pluralismus. Genau das macht das Video ziemlich geschickt: Die deutsche Nationalhymne remixed als türkischer Pop: Das assoziiert zwei parallel existente Fixpunkte unserer Gesellschaft, das intergriert das junge Türkentum in den vaterländischen Symbolismus. Das ist gleichsam reine Provokation und die sinnliche Erfahrung davon, was Multikulti faktisch heißt. Die Assoziation schafft Raum für Ungewohntes. Das Eigene blickt aus dem Fremden entgegen - wobei das Fremde im türkischen Pop wohl realitätsnäher getroffen ist als in Moscheen, Jugendgewalt oder Terroristen. Und auch die Deutschen erst hier mit etwas konfrontiert werden , was die Türken wohl Ehre nennen würden und das den Deutschen eher peinlich ist: Die Frage “Darf man das?” führt zum Kern unterdrückter Vaterlandsliebe. Und im Kontext faktischer Internationalisierung muss man sich fragen: Ja, warum denn nicht? Denn so kleinlaut sich das Deutsche eingestehen: Mit der Nationalhymne steht das ambivalenteste Symbol deutscher Alltagskultur im Fokus. Und letztendlich ist es auch die Alltagskultur, in der der eigentliche Prozess der Integration zu leisten ist und sich entscheidet: Fernab von Bürgerinitiativen, Chefredaktionen und Botschaften, irgendwo zwischen Dönerladen und Currywurst etablieren sie die Symbolkontexte, die Antwort geben können auf die Fragen nach Integration und Auseinandersetzung. Wenn in der Dönerbude “Nationalhymne 2015″ läuft und der Deutsche dem Türken auf die Schulter klopft, manifestiert sich das, was wir bisher Multikulti genannt haben. Soviel wahrer als Feuilletondiskurse und kaum weniger neuralgisch, als die das Lied zur Zeit begleitende Irritation.Politisch ist das Thema schon auf dem Tisch gewesen: Christian Ströbele hat 2006 den Vorschlag gemacht, dass “türkisch-stämmige Mitbürger die dritte Strophe auf türkisch singen könnten” und bekam ziemlich Gegenwind. Jetzt haben die Türken es selbst gemacht. Dass sie den politischen Segen bekommen, ist eher unwahrscheinlich. Aber Christian Ströbele wird sich freuen. Sofern er türkischen Pop mag.Grup Tekkan übrigens, die türkische Band aus Germersheim, hat mit dem Video nichts zu tun, wie der Manager nach Rückfrage mitteilte. Also bleiben die Macher unbekannt. Im Kontext der agressiven Kommentare anderer Nutzer, kann man das nachvollziehen. Das Stück spricht für sich.

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Paris - Dakar und zurück (Amadou & Mariam - Senegal Fast Food)

von René Büttner. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien beste Posts, selbstreferentiell, Raum, andere Musikvideoregisseure, Soziales, Bewegtes, Videokunst

Eine Weltkarte huscht über den Bildschirm, dann am Strand im Senegal, Kinder auf Booten, ein dunkelhäutiger Mann taucht beide Hände ins blaue Salzwasser. An einer staubigen Straße geht eine Frau in buntem Umhang, dann ein Zug und eine Art Dorfplatz, ein junger Mann und eine junge Frau an einem Fast-Food-Laden mit dem Namen Manhattan, flanierend vorbei an einem Kino namens Le Paris. Traum vom fernen Amerika, Traum vom vermeintlich nahen Europa. « Demain je serai parti. […] l’Algérie, Tunisie, Italie. Il n’y a pas de problèmes ». Sehnsucht nach einer anderen Zivilisation, medial gestillt vom Kino, welches benannt nach der Hauptstadt der ehemaligen Kolonialmacht. Die Welt, deren gesamte Karte am Anfang noch zu sehen war, geteilt in zwei Gegenwelten, das Hier und das Dort, und dazwischen eine beschwerliche Reise, jene jedoch kein Problem, bis dahin. Kein Problem auch für mich, mir dieses Musikvideo immer wieder anzuschauen, in die Unmittelbarkeit und Buntheit der senegalesischen Straßenszenen einzutauchen, und auch in meiner Brust die Sehnsucht, virtuell gestillt nicht durch das Kino « Le Paris », sondern durch Breitband und Youtube. Es ist Fernweh in beide Richtungen, wenn es in einer existentiell-ideellen Dimension vielleicht auch nicht das selbe Fernweh ist (« ascenseur pour le ghétto »). Dort liegt vielleicht der Schlüssel des Erfolges des Manu Chao, den dieser Song von Amadou & Mariam namens Senegal Fast Food featured. Chao, der mit seiner Sampletechnik und seiner Vielsprachigkeit so oft Gegenwelten zu verbinden versteht, als ob zwei Erdhälften wie platonische Halbkugeln nacheinander auf der Suche wären. Sätze wie « Il est minuit à Tokyo / Il est cinq heures au Mali / Quelle heure est-il au Paradis ? » beharren auf der Ironie der globalen Ungleichzeitigkeit. Doch in seinem Versuch, die Kluft mit seinen Füßen zu überwinden, lässt das Video (dem Song vorgreifend) den Protagonisten scheitern: In Paris angekommen wird er bei einer Routineuntersuchung verhaftet, und so wird Paris für ihn wohl auch in Zukunft eine Leinwand seiner Träume bleiben. Und die Reise, von unserer Seite ausgesehen? Endet nach 4 Minuten 18 Sekunden mit dem Ende des Musikvideos, ich sitze in Europa, die Uhr zeigt irgendeine Stunde, ein kurzes Hochgefühl von Lebendigkeit schwingt in mir nach. Ich frage mich, wer wen mehr verklärt: die erste die dritte, oder die dritte die erste Welt.

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twitter, flickr, digital video :: die Echtzeit-Digitalkunst von flussgeist

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Künstliche Intelligenz, interaktive Netzkunst, Authentizität, Webdesign, Fotographie, alle Posts, selbstreferentiell, Interaktives, beste Posts, Zeit, Soziales, Animation, digitale Welten, Bewegtes, andere Musikvideoregisseure, Verweise auf Fotographie, Narration, Verweise auf Kunst, Videokunst

<!--enpts-->flussgeist.jpg<!--enpte-->Was Twitter ist, hatte ich an anderer Stelle geschrieben: Twitter ist ein Dienst, der die Stimmen der Blogger auf der Welt auffängt. Einer Art SMS-Sammelbecken, das jeder Nachrichten von jedem Menschen eine Zeile auf der Hauptseite freihält. Die 15 Minuten Berühmtheit, postuliert von Pop-Art-Ikone Andy Warhol, und in Internetzeiten stellenweise für möglich gehalten, sind auf wenige Sekunden Twitter-Zeileneinblendzeit eingedampft. Twitter ist, das kann man sicher sagen, ein Projekt für unsere Zeit. Total vernetzt, kurz und knapp, in der Vielfalt der andockbaren Endgeräte beeindruckend und in der inhaltlichen Tiefe der mit soviel Tamtam veröffentlichten Nachrichten enttäuschend.
Kurz: Kaum ein Projekt der aktuellen Diskussion eignet sich besser für ein multimediales Projekt wie Flussgeist von Grégory Chatonsky. Flussgeist greift sich Twittermeldungen heraus und lässt sie als Echtzeitticker über den Bildschirm laufen, während sich im Hintergrund unwiederholbare Szenerien aus flickr-Bildern und Internetvideos zusammenstücken. Der rote Faden wird gebildet durch sogenannte Tags, Schlagworte, mit denen Bilder, Twitter-Meldungen und Videos einsortiert wurden. Ein Schlagwort bildet den Rahmen, in dem dann die verschiedenen Medien sich begegnen. Und in dieser Begegnung eine Beziehung suggierieren zwischen Bild und Ton und Video, die es nie gegeben hat. Und es ist die Suggestion einer Beziehung, die tatsächlich nur durch digitale Algorithmen entsteht, die das Projekt wirklich sehenswert macht, weil sie darin eine Metapher bildet für das, was diese neuen Medienformen auszeichnet.

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Schnecken, Schriften, Erektionen :: ein Chaosfilm von Petra Mrzyk und Jean-François Moricea

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Narration, Verweise auf Kunst, Verweise auf Typographie, Raum, alle Posts, beste Posts, Assoziatives-Surreales, andere Musikvideoregisseure, Form, Farbe, digitale Welten, Animation, Bewegtes, Soziales, Videokunst

Ein Flug durchs Weltall, an Millionen schwereloser Schnecken vorbei. Und kontrastrierend eingeblendet: eine der verdrehtesten und genialsten Typographieanimationen, die man in gegenwärtiger Musikvideokunst findet. Ja, excuse moi von Petra Mrzyk und Jean-François Moricea ist ein wirklich besonderes Video. Über das Thema des Liedes informiert sich am besten jeder selbst, aber die Ästhetik soll hier kurz aufgegriffen werden: Mrzyk und Moricea bauen aus rund 5000 typographischen Einzelarbeiten von Philippe Katerine eine Homage an die Schrift, die sich gewaschen hat. Selten so gut und kreativ animierte Typographie gesehen. Selten so fluide Typen, so passend zum Charakter der Musik, so ganz eigenständig und irgendwo zwischen High-Tech und handgemacht. Das visuelle Karussell wird begleitet von einer Musik zwischen richtig schlechtem Techno und Teenie-Pop. Und zwischen der eigentlich geschmacklosen Musik, einige tausend Schnecken, Raumschiff Enterprise und bonbonbunten Schriftgemälden findet sich wohl irgendwo die Wahrheit dieses Liedes. Vielleicht diese: Es gibt sie nicht. In einer imaginierten Welt, in der jedes Element Retorte ist und seinerseits soviel Raum im Ganzen beansprucht, dass das so geschaffene Universum nur deshalb nicht in seine Einzelteile zerberstet, weil sie die jeweils dominanten Elemente gegenseitig wegdrängen und damit im Bild stabilisieren. Es entsteht ein zusammenhangloses Bild der Ungetüme, eine Komposition der Größe im Trash, ein Werk inmitten von Pop, Porno und Videokunst. Und in diesem egozentrischen Assoziationsgewitter, so klingt es, ist es eigentlich egal, worauf man sich bezieht. Und genau darin liegt wieder eine künstlerische Wahrheit. Vielleicht eine, die näher an der Gegenwart liegt, als irgendeine sonst.

[Petra Mrzyk, Jean-François Moricea, Typographie, Animation, digital art, Medienkunst, Chaos, Schnecken, Erektion[/tags]

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Marsellus Wallace wahres Gesicht :: Pulp Fiction Dialoge als Typographie-Kunst

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Authentizität, beste Posts, Verweise auf Typographie, Audiokunst und Klang, Typographie, alle Posts, selbstreferentiell, Narration, Verweise auf Kunst, Form, Farbe, digitale Welten, Animation, Assoziatives-Surreales, Bewegtes, Videokunst

Was man mit Buchstaben anstellen kann, hat schon Antoine Bardout-Jaques für Alex Gopher´s “the Child” gezeigt. Der neue Geniestreich kommt von Jaratt Moody und ist die Visualisierung eines Pulp Fiction Dialogs: Samuel L. Jackson macht im Auftrag seines Chefs, des Supergangsters Marsellus Wallace, einen Typen fertig und schießt im ins Knie. Die Szene dazu ist Kult, ziemlich brutal und einer der Gründe dafür, dass Quentin Tarrantino mit dem Film weltbekannt geworden ist. Ein cleverer Typograph hat jetzt diese Sequenz in bewegten Buchstaben visualisiert. Das ist viel interessanter, als es klingt. Denn anders als in “the child” werden die Buchstaben nicht als visuelle Symbole benutzt, sondern sind emotionale Träger, obwohl sie auf ihre rudimentär Typographischen Charakteristika beschränkt bleiben (Größe, Neigung, Schriftart, etc.). Und in dieser Reduktion auf die vermeintlich formalistische Sprache der Typographie wird die ganze Wirkkraft der Worte deutlich, die ganze Mehrinformation des Ausdrucks. Entkernt vom Bild wird die Szene in eine Schriftebene zurückkatapultiert, ohne jedoch die szenischen Eigenschaften aufzugeben. Und damit findet das Werk neben der inhärenten Ästhetik eine neue Aussagekraft: Es steht als Kunstwerk genau an der Schwelle von Schrift mit ihren abstrakten Symbolen und Film mit seinen dynamischen, unmittelbaren Codes. Und noch mehr: Es verbindet beide Ebenen kongenial, in dem es das Potenzial der bewegten Schrift zeigt, ohne die ureigensten Beschränkungen der Schrift aufzugeben. Damit steht das Pulp-Fiction-Kunstwerk zwischen den Welten von Schrift und Film, trennt und verbindet gleichermaßen. Und dass ist wirklich einen Blick wert.

Ansehen!
Es gibt von dem Film auch eine Low-Res-Version auf ifilm. Schaut´s Euch an.

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das Innere nach Außen :: Influences (R: Phil)

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Dreißig Personen, die sein Leben beeinflusst haben, malt dieser Mann sich selbst auf Bauch und Brust. Dass das technisch ganz gut aussieht, ist Nebensache. Interessanter: Dass dieser Phil mit seiner Geste eine Metapher der Moderne schafft. Indem er dem ein Bild gibt, was in seiner Biographie verborgen liegt, treibt er die Visualisierung auf die Spitze: Das, was er auf seinen Bauch malt, ist er. Das ist symbolhaft, einfach, genial auf den Punkt gebracht. Obwohl, halt, nur er weiß, was er damit verbindet. Wir Zuschauer bleiben allein mit den Bildern uns unbekannter Personen, die zwar schön bunt sind, aber dem Wesen von Phils Biographie sind wir damit keinen Schritt näher. Und darin liegt das Subtile, dass aus dem Video auch aus einer mehr als technischen Sicht Kunst macht: Indem es uns damit überrascht, dass die verstanden geglaubte Visualisierung nur leeres Symbol ist, verweist die Metapher auf etwas, das zu oft verloren gegangen ist - das Wissen darum, dass visuelle Symbole von ihrem Grundcharakter begrenzt sind.

// “Influences” sehen

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das digital gezimmerte Musikstück :: Amateur (R: Lasse Gjertsen)

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Es ist die Rache der digitalen Perfektion: Ein Drummer, der nicht spielen kann, wird durch digitale Schnittfinesse zu einem perfekten Trommelsolo geschnitten. Jeweils einzelne Verspieler werden so clever aneinandergebaut, dass eine sauber gespielte Komposition entsteht. Die Postproduktion verursacht das Werk aus Fehlern. Wie eine Metapher für die jeder-kann-alles-Gesellschaft. Was kann man da noch sagen? Das hat Gjertsen einfach richtig gut hingekriegt.

// den Film sehen

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Zwischen den Zeichen :: Madonnas “Confessions Tour” (R: Jonas Åkerlund)

von Alexander Kroll. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Tanz, selbstreferentiell, alle Posts, Audiokunst und Klang, beste Posts, Bewegtes, andere Musikvideoregisseure, Videokunst

Man mag es kaum glauben, aber Madonna, die Pop-Heilige, ist zur Veröffentlichung ihres letzten Studioalbums „Confessions on a Dancefloor“ im kleinen Londoner Club „Koko“ aufgetreten. Dort hatte sie einst mit „Holiday“ ihre Karriere begonnen und die rohe Realität liegt längst zurück. Madonnas kurze Rückkehr auf die Club-Bühne ist als solche nur eine symbolische Geste in einer Karriere, die sich bilderbuchmäßig über Symbole erstellt hat. Niemand will Madonna in Wirklichkeit beim Soundcheck sehen, sondern über ein Spektakel staunen, das allenfalls mit dem Show-Bombast von Michael Jackson, Richard Wagner oder dem Theater des Barock vergleichbar ist. Entsprechend wurde das Konzert, das jetzt auf der DVD/CD-Edition „The Confessions Tour“ zu sehen ist, nicht im „Koko“ aufgezeichnet sondern in der „Wembley Arena“.

Es gibt, wie immer, alles zu sehen. Madonnas Repertoire ist perfekt, bringt die letzten zwanzig Jahre Popkultur auf die Bühne und integriert über Labels für Liebe und Lebensgefühle alle neuen Trends von Breakdance bis zur Netzkunst. Jeder Song ist ein greller Slogan, der die moderne Welt zelebriert. „Forbidden Love“ stellt Davidstern und Halbmond auf den Oberkörpern von Tänzern gegenüber bis Madonna als einendes Zeichen zwischen die Tänzer tritt. Sie streckt die Hand aus und ein Adler aus der Videowand scheint auf ihrer Hand zu landen. Bei „Live to tell“ verbinden sich Kirchenglocken und Internet-Adressen im abendländischen Symbol schlechthin, dem Kreuz, das hier nicht Gottes Sohn, sondern seine Tochter Madonna trägt. „I have a tale to tell“ singt die Gekreuzigte und ist damit Erzählerin und Erzählung zugleich. Madonnas Geschichte erzählen dann die Leinwände im Intro zu „Music Inferno“. Das Thema ist Disko, Madonna ist Disko. Gekrönt im „Dancing Queen“-Umhang muss Madonna nur frühere Shows variieren, um selbst schwache Songs des neuen Albums mit Wucht wegzufegen. Trotzdem hat das Konzert ein Selbstverständnis, das nicht zynisch, sondern zuvorkommend ist. „Erotica“ ist nur noch ein Nahtanz im Badeanzug, „Like a virgin“ ein verspielter Ritt an der Stange. Skandale waren gestern. Selbst Madonna trinkt Wasser und prostet den Zuschauern zu. „Cheers“ ist die wahrste aller Universalgesten.

(Videosuche rechts oben)

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eine Ahnung vom wahren Leben :: das Zeitalter der Lachanfälle

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Populärsachbücher reden manchmal von der Best-Of-Gesellschaft. Wenn es sie gibt, sind Youtube und Co zwei ihrer wichtigsten Brutstätten. Es geht um Fragmente, die einmal geliefert, das Interesse am Ganzen verebben lassen. Es fängt an bei den Sportschauschauern, die sich mit den Torsequenzen die anderhalbstunden Fussballübertragung sparen. Im Netz geht es weiter. Über Noah, der den Zuschauern sechs Jahre seines Lebens in sechs Minuten zumutet wurde schon geredet. Wir erden uns. Weg von der Kunst. Hin zu den Alltagsvideos. Lachanfälle. Bitteschön.

Prominente Lachanfälle werden im Internet unsterblich, bleiben wie der Dagmar Berghoff-Versprecher, die Stilblüten von Präsident Bush oder der Wetterberichtversprecher auf Jahre verbunden mit der Netzidentität der Person. Besonders spannend ist hier das Dilemma des Erik Hartmann, einen holländischen Showmaster, der in seiner Sendung Boomerang einen solchen Lachanfall wegen der erkrankten Stimme eines Gastes bekam, dass er die Sendung danach abgeben musste. Das Video dazu gehört zu den großen Lachern des Internet und ist tausendfach kommentiert worden. Aber der Schein trügt: Das Stück ist entgegen der Meinung der meisten Zuschauer nicht reales Fernsehen, sondern seinerseits intentionale Comedy. Der Clip ist ein Sketch der belgischen Komiker in de gloria. Und die best-of-Mentalität von YouTube und Konsorten ist die perfekte Tarnung eines Sketchs, denn die realen Filme unterscheiden sich durch nichts von dem Kaberettstück. Die Parodie legt die Fragmenthaftigkeit bloss, die hinter dem alles-ist-online-credo der Videobörsen steht. Aber es wird auch klar, das man eigentlich nichts mehr wissen kann. Das dekontextualisierte Medien zwar noch Fragmente sind, aber nicht mehr verbunden und damit eigentlich schon wieder das Ganze. Die gezielte Produktion eines Fragments ist usus oder der Verlust des Werks im Kopierprozess erwartbar. Die Macher des Videos sind mittlerweile weltweit bekannt und waren zu Gast bei Late-Night-Legende Jay Leno. Nur hatte auch seine Redaktion nicht sauber recherchiert und nicht verstanden, dass es sich bei dem Clip um eine Satire handelt. So schwappt das Pseudofragment zurück in die alten Medien und es entsteht Kunst aus Versehen.
Ein Postskriptum zum Thema Lachanfälle: Ein zum Weltstar avancierten Baby verdankt seinen Ruhm nur der Tatsache, dass es sich drei Minuten kaputtlacht. Ganz systemunkritisch und unfragmentiert.

// mehr Versprecher

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Where the hell is Matt? :: ein YouTube-Beitrag zur Weltoffenheit

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Das Konzept ist einfach und zugleich beeindruckend: Ein Mann tanzt an verschiedenen Orten der Welt. Immer die gleiche Handkamera, ein ähnlicher Bildaufbau, ähnliche Tanzbewegungen. Ein Video ohne große Überraschungen. Aber auch ein Video mit einem hypnotischen Sog und viel Stoff zum Weiterdenken.

“Where the hell is Matt” von Matt Harding ist ein großartiges Symbol für das globale Dorf, für die Einfachheit der Vielfalt. Antarktis, New York, der Regenwald und die Berliner Mauer werden durch den Tanz des immer gleichen Protagonisten verbunden, die Raumgrenze erscheint als überwindbar und grade dadurch wird sie als Kulturgrenze offensichtlich. Die Kultur selbst wird Zeichen einer geographischen Entfernung, die durch den Protagonisten transzendiert wird: Das globale Dorf ist real, die Nähe des Entfernten ist ein Faktum. Und das auf diese Art ausgerechnet auf YouTube zu sagen, dem Inbegriff der Wohnzimmerglobalisierung, der Gallionsfigur eines bleiben-wir-zuhause-Travellertums, ist ein Politikum und ein gutes Stück Kunst.
Matt Harding ist durch sein Video weltbekannt geworden. Seine Clips gehören zu den meistgesehensten Videos des modernen Internet. Und auch das ist ein Zeichen dafür, dass seine Bilder über alle Grenzen verstanden werden: Ein Stück Kunst, das so einfach und so beeindruckend ist, dass es jeder rezipieren kann: In allen Orten dieser Welt und von allen Menschen, die mit Bildern etwas anfangen können. Der künstlerische Anspruch wird dadurch nicht negiert, sondern unterstützt: Ein Kunstwerk, dass überdauerndes Symbol werden könnte für das Travellertum, für die lokale Entgrenzung der Moderne, aber auch ein Symbol des Protests gegen die Bildschirmisierung der Welt, eine Rückkehr der Natur in die Technik und eine Auseinandersetzung mit Fragen der Authentizität, der Reproduzierbarkeit von Wirklichkeiten, der Bedeutung realer Grenzen und ein Zurückholen der kulturellen Unterschiede. Denn die kulturelle Unterschiedlichkeit bleibt auch in Zeiten globaler Cola-Werbekampagnen und standardisierter Ästhetikkonzepte bestehen. Mehr noch: Sie wird erreichbar und erfahrbar. Und “Where the Hell is Matt” ist ein Film, der diese Frage besser auf den Punkt bringt, als jede intellektuelle oder politische Diskussion.

Hintergrund: Sein erstes Video produzierte Matt selbst, das zweite wurde finanziert von einem Kaugummikonzern (der seitdem außerordentlich populär wurde, aber unerklärlicherweise quasi pleite zu sein scheint).

// Where the hell was Matt? - das erste Video 2003/2004
// Where the hell is Matt? - das zweite Video, der internationale Durchbruch

// Vortrag von Matt Harding in Burlington über die Entstehungsgeschichte seiner Videos (Teil 1, Teil 2, Teil 3)
// Interview mit Matt Harding bei Payscale, einem Branchenjournal für Onlinemarketing

// Berichte über das Projekt von Matt Harding (auf wikipedia.org):

  1. ^ Benji Lanyado. “Dance, dance, wherever you may be“, The Guardian, December 23, 2006. Retrieved on [[2006-12-28]].
  2. ^ Andrea Sachs. “The Guy Who Danced Around the Globe“, Washington Post, October 22, 2006. Retrieved on [[2006-12-28]].
  3. ^ James Gilden. “Amateurs’ talent: Giving us a local perspective on the world“, Los Angeles Times, September 3, 2006. Retrieved on [[2006-12-28]].
  4. ^ Kristin Jackson. “Dancing around the world (and Web)“, Seattle Times, October 5, 2006. Retrieved on [[2006-12-28]].
  5. ^ Jordan Smith. “Dancing Matt coming to town“, Austin Chronicle, August 26, 2005. Retrieved on [[2006-12-16]].
  6. ^ Meet Matt. Stride gum. Retrieved on 2006-12-16.
  7. ^ mattharding2718 Channel. YouTube. Retrieved on 2006-12-29.
  8. ^ Jill Fahy. “Globe-trotting dancing fool visits Champlain College“, Burlington Free Press, November 10, 2006. Retrieved on [[2006-12-16]].
  9. ^ MobyGames.com
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