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Artikel in der Kategorie 'Michel Gondry'

die digitale Geburt des Bekannten :: Musikvideokunst mit Instrumenten

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Animation, Bewegtes, Chris Cunningham, Form, Michel Gondry, Soziales, Verweise auf Kunst, Verweise auf Musik, Videokunst, alle Posts, digitale Welten, selbstreferentiell

Es ist etwas paradox: Die Visualisierung ist soweit fortgeschritten, dass man alles darstellen kann: Von den surreal-komplexen Landschaften einer Missy Eliott (get ur freak on) bis zu abstrakte Rorschachkunstwerken eines Gnarles Barkley (Crazy). Alles eine Frage des Geldes.

Da ist es fast schon wieder subversiv, sich um richtige Natur zu kümmern. Im Sinne von: Die postmoderne digitale Revolution liegt in der Nachahmung der Natur bis zur Unkenntlichkeit. So geschehen bei Björk in Joga oder bei den Chemical Brothers in Star Guitar – beides von Michel Gondry.

Aber hier gehen wir einen Schritt weiter, denn es geht um die Darstellung von Musikinstrumenten in der Musikvideokunst. Denn auf die Musik übertragen heißt Natur: Die mechanischen Instrumente wieder in Szene zu setzen. – Und dabei den Schritt der digitalen Weiterentwicklung zu kommentieren. Harmlose Versuche, die mehr technisch als poetisch sind, kommen von animusic (Videosuche rechts oben). Wirklich gut wird es wieder bei den Altmeistern:

Chris Cunningham: Aphex Twin – Monkey Drummer
Wenn Elektrosound-Guru Aphex Twin die Töne macht, ist klar, dass das zugehörige Schlagzeug keines für Menschen ist. Ein Roboteraffe spielt mit vier Armen auf einem Schlagzeug die Sounds, die Aphex Twin elektronisch produziert hat. In seiner Schlichtheit ist das Video leicht zu übersehen. Es gilt trotzdem als eine Ikone der Musikvideokunst, wird immer wieder in Museen ausgestellt und vom NRW Forum Kultur und Wirtschaft 2004 zu den 100 einflussreichsten Videos der Geschichte gezählt. Das ist berechtigt, weil Cunningham hier im trommelnden vierhändigen Affen ein treffendes Symbol findet für die Beziehung von elektronischer zu mechanisch produzierter Musik. Eine Differenz, die analog die Postmoderne von der Moderne zu unterscheiden in der Lage wäre. Und er liefert uns ein Bild, dass von einer fast unauffälligen Einfachheit ist und doch Meilenstein der Auseinandersetzung im Rahmen der Positionierung von elektronischer Musik geworden ist.

Alex & Martin: The White Stripes – Seven Nations Army
Das Video ist wie vieles von Gondry beim Kultlabel Partizan erschienen – und dessen herausragende Originalität scheint abgefärbt zu haben: Eine vierminütige Zoomsequenz durch ästhetische Dreiecksformen, in die klassische Live-Einstellungen mit den dazugehörigen Instrumenten eingearbeitet sind – schlicht, bestechend eindrucksvoll und klar orientiert am Lauf der Musik.

Michel Gondry: The White Stripes – The Hardest Button to Button (Videosuche rechts oben)
“It’s the greatest video we’ve ever made” sagt der White Stripes-Frontman in einem MTV Interview. Tatsächlich gilt der Clip vielen als Meisterwerk der Musikvideokunst: Gondry hat – wie schon in Star Guitar oder Around the World versucht, die Musik unmittelbar im Bild zu spiegeln. Bei “The Hardest Button to Button” wird jeder Schlag von einem Schlagzeug begleitet, dass neu im Bild erscheint und das immer nur mit den Einzelteilen ausgestattet ist, die für diesen Schlag in der Musik verwendet werden. Wird die Gitarre verwendet, kommt sie ins Bild. Die Instrumente jedes Schlages werden in Reihe gestellt, so dass die Musik in ihrer Visualisierung gleicham einen Weg bildet: Ein vor und zurück, ein weitergehen, einen Ortswechsel dort, wo Atmosphärenwechsel die Musik verändern. Und gekrönt wird das ganze von einem herausragenden Rundumschwenk im Schatten einer Brücke. – Unbedingt ansehen.

gute trashige Musikvideos :: vom Stil hinter dem schrägen Bild

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Trash zum Kult zu machen sagt mehr über die Zeit aus, in der das passiert, als über die Kunst hinter der Musik. Darum geht es hier nicht. Hier geht es um Videos, die wie Trash daherkommen, aber auf zweiter Ebene tatsächlich künstlerischen Anspruch haben.
Bestes Beispiel: Hot Chip mit Over and Over. Herausragender Schrammel-Pop mit musischem Tiefgang und ein Video in grell-monotonem Grün mit hypnotischem Sog: Die Trash-Optik ist hier nur Oberfläche für eine gewitzte Auseinandersetzung mit Archetypen der Musik: Tanz, Bewegung, Konzert, Zuschauern. Gegen Ende wird klar, dass das Setting des Videos ein Brennglas wird für die Manipuliertheit des Mediums Musik. Wie weit das ironisch gemeint ist, bleibt offen. Und diese analytische Sichtweise auf das plump inszenierte Bild spiegelt kongenial den Kontrast zwischen hopsenden Musikern und hochprofessionell instrumentierter Musik. Ein großes Video – und nicht umsonst von ifilm zu den Musikvideos des Jahres gewählt.
Ein Video, das mehr als jedes andere für das künstlerische Potenzial von Trash gelten kann, ist hier schon besprochen worden: Fatboy Slim – Praise you, eine 300$ Produktion (das meiste ging für das Catering drauf) der Musikvideokoryphäe Spike Jonze. Mehr über die Hintergründe im Artikel zum Video bei bittekunst.de.

Neben Fatboy Slim gehört dann unter die ganz bekannten Trash-Clips auch das Daft Punk Video zu “Around the World”: Das hat der zweite unter den großen Musikvideoregisseuren gedreht: Michel Gondry. Und hier kommt er auf den ersten Blick ungewohnt träge daher: Eine Choreographie auf engem Raum, allzu vorhersehrbar, in 60er Jahre optik eingekleidet und beleuchtet. Auf den zweiten Blick erkennt man, dass jedes der Quartette einer Tonspur der Musik zuzuordnen ist und die Interaktionen der Gruppen denen der musischen Spuren entsprechen. Die Vorhersehbarkeit der Choreographie entspricht der Monotonie der Tonspuren, entwickelt aber zusammen mit dieser eine fast tranceartige Konzentration auf das Spiel der unterschiedlichen Elemente und deren dynamische Verbindung. Dazu passt, dass das ganze Video in einer Jukebox spielt, wie am Ende klar wird: Die Tänzer sind die Töne, die auf einer Schallplatte tanzen. (Videosuche rechts oben)

Beide Videos, “Praise You” von Fatbox Slim und “Around the world” von Daft Punk, haben übrigens den MTV Award zum Video des Jahres gewonnen.

Noch ein viertes Video zum Abschluss: OK Go mit “Here it goes again”. Ein äußerst cleverer Videoclip mit acht Laufbändern. Das Setting entnüchtert: Alles aus einer Perspektive, monotone Beleuchtung, kein Schnitt im ganzen Video und im Hintergrund des kahlen Raumes, in den die Kamera stiert, eine silberne Plastikplane. Keine Deko außer acht Laufbändern und vier Bandmitgliedern. Aber die Choreographie, die diese vier Leute auf den Laufbändern aufführen, ist einen zweiten Blick wert. Das Video findet sich hier.

Soweit meine Favoriten an hintergründig guten Trash-Videos. Ist was nicht dabei? Schreibt´s in den Kommentar.

das Genie des Musikvideoregisseurs :: Michel Gondry und der Rubriks Cube

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Jaja, wir hatten schon so die Idee, das Gondry clever ist. Vielleicht sogar genial. Aber das hier hat uns jetzt schon überrascht.

ein Hochausorganismus :: Massive Attack – Protection (R: Michel Gondry)

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Eines von Gondrys guten One-Shot-Videos. Ohne einen einzigen Schnitt wird die Geschichte eines Hochhauses erzählt.

(Videosuche rechts oben)

visueller Meilenstein für das Wesen des Moments :: The Rolling Stones – Like a Rolling Stone (R: Michel Gondry)

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Es war so etwas wie der Ritterschlag, meint der Regisseur, als die Rolling Stones auf ihn zukamen, um ihn um ein Video zu bitten. Dabei war Michel Gondry seit Björk ihn als Unbekannten zu einem Video verpflichtete – sie hatte seine Arbeiten für seine eigene Band Oui Oui gesehen – bereits eine Legende der Musikvideokunst. Für die Stones jedenfalls hat er sich wieder etwas neues einfallen lassen: Eine technische Spielerei zwischen Still und Film. Die Bilder frieren ein, während die Kamera weiterfährt oder schieben sich wie betrunken ineinander. Die Techik hat Gondry erfunden und – so sagt er – die Band war zufrieden.
Für den Zuschauer kommt neben dem technischen Aha einiges rüber: Gondry hat wieder mal einen Film über das Wesen der Zeit gemacht. Einen wirklich guten.

(Videosuche rechts oben)

die überwältigende Künstlichkeit de Natur :: Björk – Joga (R: Michel Gondry)

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Joga von Björk: Im tiefsten Sinne ein Naturvideo. Aber Moment: Die Kamera zuckt im Rhythmus des Songs, Irrwitzige Luftaufnahmen rasen mit dem Wirbel des Schlagzeugs, Steine bewegen und Berge spalten sich auf den Gesang von Björk. Wir sehen hier den zweiten Teil von Gondrys Auseinandersetzung mit der Natur: Der erste hieß “Star Guitar” und kam von den Chemical Brothers (s. Besprechung bei bittekunst.de). Gondrys Natur ist nicht gewachsen, sondern programmiert. Er öffnet den Diskurs für ein neues Naturverständnis, indem die Natur gleichermaßen perfekter und lebloser ist. Und wenn Björk, auf einem Berg stehend, ihr Herz öffnet, in das die völlig losgelöste Kamera hereinfahren kann, um auf neue digitale Natur zu treffen, dann scheint das ganze Video ein großes Bild über das eine Thema zu sein: Den Yoga-Weg zurück zum Unangetasteten – der in der postmoderne nur ins Digitale hinein denkbar scheint.

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Post-It´s, Lego und Filzwelten :: Meilensteine der Stop Motion Videos

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Stop Motion ist bekannt. Ja? Diese Technik, bei der ein Bild aufgenommen wird, ein bißchen verändert, nochmal aufgenommen – und wenn man das zwanzig Mal macht hat man eine Sekunde Video. Normalerweise macht man das mit Knete. Hier ein paar Variationen, die zum Kult geworden sind:

Der Trendsetter: Stop Motion mit Post-Its
Gut, nicht wirklich ein wichtiger Film, aber eine clevere Idee zum Anfang: Post-Its an Spiegeln befestigt.
(Videosuche rechts oben: Suche nach paterlizzi post it)

Der Klassiker: Michel Gondrys Stop-Motion-Video mit Lego
Legendär gut: Gondrys Meisterwerk aus Legosteinen für The White Stripes (“fell in love with a girl”). Er hat nichts geklebt, hat er mal im Interview zu Protokoll gegeben. Und Lego selbst hat einen Artikel über seine Aktion geschrieben, den man hier nachlesen kann.
(Videosuche rechts oben: Suche nach white stripes fell in love)

Das Durchgeknallte: Michel Gondrys Walkie Talkie Man für Steriogram
Ein gelungener Mix aus echten Aufnahmen und Stop-Motion Fragmenten mit Knete, Fäden und gestricken Puppen: Gondrys Video für Steriograms Hit “Walkie Talkie man”. Sehr verrückt und sehenswert.
(Videosuche rechts oben: Suche nach elite beat agents walkie talkie man)

die visuelle Transzendierung von Zeit und Raum :: Cibo Matto – Sugar Water (R: Michel Gondry)

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Das Video kommt ziemlich seltsam daher: geteilter Bildschirm, zwei verschiedene Geschichten, die beide ziemlich schlecht konstruiert aussehen. Kaum Bilddynamik. Michel Gondry selbst hat Sugar Water einmal als sein aufwändigstes und bestes Video bezeichnet. Was soll das?

Wenn man genau hinschaut, fällt Einiges auf: Es gibt keinen Schnitt, das ganze Video ist ein sogenannter One-Shot. Ja, nicht “beide Videos”. Denn das linke und das rechte Video sind identisch – das eine läuft vorwärts und das andere rückwärts. Sie erzählen die Parallelität einer Geschichte, die jenseits von Zeit geschieht: In allen Einzelbildern korrespondieren die Handlungen. Immer wieder greifen Sie ineinander ein – als Erinnerung: die Katze, die Schriftzeichen. Das eine Video ist so perfekt choreographiert, dass es den Eindruck erweckt, zwei Geschichten zu erzählen, mehr noch: Eine stetig verbundene Geschichte an zwei Orten.
Was Gondry hier vorführt kann gelesen werden als Symbol für die Konvergenz von Zeit und Raum: Der vermeintlich zweigeteilte Raum entpuppt sich als zeitliches Konstrukt. Die Zeit selbst scheint aufgehoben, wo der rückwärtslaufende Film mit dem vorwärtslaufenden Film interagiert. Ja, beide Dimensionen scheinen sich selbst aufzulösen, denn beides – die parallele Zeit und der parallele Raum sind Illusionen eines einzigen Bandes, einer einzigen, linearen Kamera, die sich äußerst geschickt rückverbindet zum ersten Raum und zum Ende der Zeit.

(Videosuche rechts oben)

die Erfindung der digitalen Echtheit :: Chemical Brothers – Star Guitar (R: Michel Gondry)

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Eine Bahnfahrt zur Musik der Chemical Brothers. Einige Leute meinen, das sei wenig einfallsreich.
Journalisten haben geschrieben, dass dieses Video das Innovativste sei, was Michel Gondry je gemacht hat – und das über Gondry zu sagen, heißt schon Einiges.

Also, wie passt beides zusammen?

(Videosuche rechts oben)

Es gibt da etwas, das vielen entgeht: :: weiterlesen :: »

Perversion der Ordnung :: Gary Jules – Mad World (R: Michel Gondry)

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(Videosuche rechts oben)
Es ist ein relativ unbekanntes Video von Michel Gondry. Jedenfalls, was Zusammenschnitte seiner größten Werke oder Ausstellungen über Videokunst angeht. Trotzdem ist es einen Blick wert: Für den melancholischen Song Mad World von Gary Jules hat Gondry eine kongeniale Bildwelt kreiert: Die Szenerie ist ein Schulhausdach. Kein Ortswechsel im Video, kein einziger Schnitt. Nur eine Kamera, die sich über die Ballustrade lehnt und nach links und rechts schaut. Links entdeckt sie Gary Jules, der auf die Straße schaut und rechts, viel später, auf dem ganz leeren Dach in der hintersten Ecke, einen Pianisten. Und während Gary Jules singt

The dreams in which I´m dying are the best I´ve ever had.

blickt die Kamera auf die Straße, auf der völlig surreale Szene ablaufen: Haufen von Passanten organisieren sich nach einer hochinnovativen Choreographie in archetypischen Formen: Haus, Hund, Vogel, Gesicht. Interessant daran: Das absurde, künstlerisch-tänzerische, surreale bringt der Szene kein Leben, widerlegt die Liedzeilen nicht, sondern unterstreicht sie. – Denn in der Geplantheit ihrer Choreographie werden Sie zum Sinnbild des Nichtlebens – dessen, was Gary Jules meint, als er singt:

When people run in circles its a very very mad world.

Es ist nur ein weiterer von Gondrys cleveren Einfällen, dass Jules gelangweilt vom Dach jener Institution schaut, die Menschen der Choreographie der Gesellschaft näherbringen soll: Der Schule.