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Artikel in der Kategorie 'Spike Jonze'

gute trashige Musikvideos :: vom Stil hinter dem schrägen Bild

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Bewegtes, Farbe, Form, Michel Gondry, Spike Jonze, Videokunst, alle Posts, andere Musikvideoregisseure, selbstreferentiell

Trash zum Kult zu machen sagt mehr über die Zeit aus, in der das passiert, als über die Kunst hinter der Musik. Darum geht es hier nicht. Hier geht es um Videos, die wie Trash daherkommen, aber auf zweiter Ebene tatsächlich künstlerischen Anspruch haben.
Bestes Beispiel: Hot Chip mit Over and Over. Herausragender Schrammel-Pop mit musischem Tiefgang und ein Video in grell-monotonem Grün mit hypnotischem Sog: Die Trash-Optik ist hier nur Oberfläche für eine gewitzte Auseinandersetzung mit Archetypen der Musik: Tanz, Bewegung, Konzert, Zuschauern. Gegen Ende wird klar, dass das Setting des Videos ein Brennglas wird für die Manipuliertheit des Mediums Musik. Wie weit das ironisch gemeint ist, bleibt offen. Und diese analytische Sichtweise auf das plump inszenierte Bild spiegelt kongenial den Kontrast zwischen hopsenden Musikern und hochprofessionell instrumentierter Musik. Ein großes Video – und nicht umsonst von ifilm zu den Musikvideos des Jahres gewählt.
Ein Video, das mehr als jedes andere für das künstlerische Potenzial von Trash gelten kann, ist hier schon besprochen worden: Fatboy Slim – Praise you, eine 300$ Produktion (das meiste ging für das Catering drauf) der Musikvideokoryphäe Spike Jonze. Mehr über die Hintergründe im Artikel zum Video bei bittekunst.de.

Neben Fatboy Slim gehört dann unter die ganz bekannten Trash-Clips auch das Daft Punk Video zu “Around the World”: Das hat der zweite unter den großen Musikvideoregisseuren gedreht: Michel Gondry. Und hier kommt er auf den ersten Blick ungewohnt träge daher: Eine Choreographie auf engem Raum, allzu vorhersehrbar, in 60er Jahre optik eingekleidet und beleuchtet. Auf den zweiten Blick erkennt man, dass jedes der Quartette einer Tonspur der Musik zuzuordnen ist und die Interaktionen der Gruppen denen der musischen Spuren entsprechen. Die Vorhersehbarkeit der Choreographie entspricht der Monotonie der Tonspuren, entwickelt aber zusammen mit dieser eine fast tranceartige Konzentration auf das Spiel der unterschiedlichen Elemente und deren dynamische Verbindung. Dazu passt, dass das ganze Video in einer Jukebox spielt, wie am Ende klar wird: Die Tänzer sind die Töne, die auf einer Schallplatte tanzen. (Videosuche rechts oben)

Beide Videos, “Praise You” von Fatbox Slim und “Around the world” von Daft Punk, haben übrigens den MTV Award zum Video des Jahres gewonnen.

Noch ein viertes Video zum Abschluss: OK Go mit “Here it goes again”. Ein äußerst cleverer Videoclip mit acht Laufbändern. Das Setting entnüchtert: Alles aus einer Perspektive, monotone Beleuchtung, kein Schnitt im ganzen Video und im Hintergrund des kahlen Raumes, in den die Kamera stiert, eine silberne Plastikplane. Keine Deko außer acht Laufbändern und vier Bandmitgliedern. Aber die Choreographie, die diese vier Leute auf den Laufbändern aufführen, ist einen zweiten Blick wert. Das Video findet sich hier.

Soweit meine Favoriten an hintergründig guten Trash-Videos. Ist was nicht dabei? Schreibt´s in den Kommentar.

ein alter Mann geht ab :: Fatboy Slim – Weapon of Choice (R: Spike Jonze)

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Eins der bekanntesten Musikvideos von Spike Jonze: Ein älterer Mann sitzt im Sessel eines ehrwürdigen Hotels, steht unvermittelt auf – und fängt an völlig durchgedreht durch die Gänge und Hallen des Hotels zu tanzen. Der Tänzer ist übrigens Hollywoodstar Christopher Walken. Viel mehr ist nicht zu sagen: Äußerst cool.

(Musikvideosuche rechts oben)

von den Grenzen visueller Wirklichkeit :: eine Adidas Werbung von Spike Jonze

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Ein Mann steht auf und alles ist schwarz – so lange er es nicht berührt. Mit seiner Präsenz schafft er Wirklichkeit, dort wo er grade ist. Und seine Fantasie setzt die Grenzen.

Eine grandios surreale Bildwelt in eineinhalb Minuten. Anschauen.

(Videosuche rechts oben: Suche nach jonze adidas)

das Meisterwerk des Trash :: Fatboy Slim – Praise you (R: Spike Jonze)

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Das Video gibt´s hier in der Musikvideothek von ifilm.com.

Eine Bilderbuchgeschichte: MTV hat das Video zunächst fast abgelehnt, es lange nur im Nachtprogramm laufen lassen. Irgendwann hat es sich rumgesprochen, MTV hat zähneknirschend klein beigegeben und das Video tagsüber laufen lassen. Und hat damit grade noch die Blamage vermieden, eines der künstlerisch wichtigsten Musikvideos seiner Zeit völlig zu ignorieren. Das Video erhielt 1999 den MTV Music Video Award und gilt bis heute in Kunstkreisen als eines der wegweisenden Musikvideos der 90er Jahre.

Das Ganze erinnert an den Madonna Clip Frozen, den Regiekollege Cunningham damals nur unter erheblichen Schwierigkeiten unterbringen konnte und der später zum Publikumskracher wurde und ebenfalls den MTV Preis für das beste Musikvideo erhielt. Kunst braucht manchmal Zeit.

Das Video wurde im Guerilla-Style ohne Drehgenehmigung gedreht: Spike Jonze selbst und einige Schauspieler tanzen vor überraschten Passanten vor einem Theater in Westwood in Kalifornien. Der entnervte Theaterbesitzer versucht mehrfach, ihre Audioanlage auszuschalten. Nimmt sie schließlich mit, Jonze und Konsorten holen Ersatz und tanzen weiter. Was sich genau hinter den Kulissen zugetragen hat, lässt sich im Bericht von Michael Gier nachlesen, einem der Tänzer.

So, warum ist das jetzt Kunst? :: weiterlesen :: »