babbel.com - Einfach sprachen lernen.

Artikel in der Kategorie 'Authentizität'

6 Jahre Noah :: ein Kunstprojekt wird YouTube-Kracher

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Alter, Authentizität, Bewegtes, Soziales, Verweise auf Fotographie, Verweise auf Kunst, Videokunst, Youtube und Co, Zeit, alle Posts, beste Posts

Die Fakten sprechen für sich: Über 4 Millionen Leute haben das Video gesehen (damit gehört es zu den meistgesehensten Videos des Internet), 16.000 Kommentare wurden bisher abgegeben und 24.000fach wurde das Video als Favorit gespeichert.

Keine guten Zahlen, wenn es um Kunst geht.

Das Video, um das es geht, ist aber Kunst.

Allerdings so originell, dass sie massenwirksam wird: Der Fotograf, der der Welt als Noah bekannt ist, hat sich jeden Tag fotographiert – sechs Jahre lang. Die Bilder hat er zu einem Video geschnitten, in dem jede Minute etwa 360 Bilder durchflackern, in knappen sechs Minuten sieht man also sechs Jahre Leben im Portrait. Man sieht wie Haare wachsen und Frisuren in den Wuchs schlagen, wie die Gesichtsknochen sich strecken und Falten sich einziehen.

Das Alter, das einem der Langsamkeit wegen entgeht, wird Akteur, indem es sich dem Wahrnehmungstempo der Zeit anpasst, in die es etwas hineinerzählt. Dass das ausgerechnet auf dem Schlachtschiff der jungen Medienkultur, YouTube passiert, ist ein Teil des Werks. In diesem Spannungsfeld von Langsamkeit, die erst im Zeitraffer ihre Größe offenbart, wird einiges über unsere Zeit deutlich. Gut, die Fokussierung auf das Schnelle ist heute eine Platitüde. Aber schon die Erkenntnis, die das Schnelle uns über das Langsame ermöglicht, mit unserer Zeit in Verbindung zu bringen, ist eine interessante Idee. Diese Erkenntnis aus der Schnelligkeit heraus aber als Farce zu entlarven, als oberflächliche Idee von etwas, das wir im vorbeirennen nie eigentlich gesehen haben, das ist wirklich gut. Denn was bleibt? Das Verstehen, dass die Zeitrafferästhetik das Wesen der Langsamkeit nie fassen kann, sondern nur massenästhetikgemäß ins Bild rückt und assoziativ aufspannt. Der Zuschauer bleibt abseits von anatomischen Veränderungen der Person Noah im Dunkeln, was da eigentlich vor sich geht. Durch den Reiz des Äußeren, der durch die Weite der Jahre, die in sechs Minuten abbildbar zu sein scheint, auch deren Tiefe suggeriert, vergessen wir ganz, dass wir eigentlich nichts sehen. Und obwohl wir durch die Zeit rasen, für die der Fotograf selbst sechs Jahre gebraucht hat, wissen wir am Ende nicht mehr über ihn, als er uns in sechs Minuten hätte erzählen können. Aber wir sind – und auch das passt für unsere Zeit – statt erleuchtet von einem Inhalt erschlagen von der Form – und sind beflügelt bis benommen vor der vermeintlichen Größe dessen, das wir meinen, hinter dem Bildermeer nur nicht richtig erfasst zu haben.

Nur dass es da gar nichts gibt.

// das Video anschauen
// ein zweites Video von einer Frau, technisch noch besser: “me”

der Künstler als Musikgeschichte :: Gnarls Barkley – Smiley Faces (R: Marc Klasfeld)

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Authentizität, Bewegtes, Soziales, Verweise auf Kunst, Verweise auf Musik, Videokunst, alle Posts, andere Musikvideoregisseure, selbstreferentiell

Gnarls Barkley inszeniert sich hier als Musikgeschichte. Dreister, kreativer und selbstreflexiver hat sich selten ein Superstar in Szene gesetzt: Eine Pseudodokumentarische Sequenz umrahmt Filmzitate der Musikgeschichte von Duke Ellington über die Beatles, Bob Marley bis in die Neuzeit, um festzustellen: Ja, das alles war Gnarls Barkley. Er war das Phänomen hinter dem Phänomen, er war der nicht greifbare Mastermind der Musik des 20. Jahrhunderts. Eine gradiose Persiflage auf die Selbstreflexivität und Konstruiertheit der Musikwelt. Anschauen.

“He was involved in all this music. He was the music of the last century.”

(Musikvideosuche rechts oben)

Liebe das Leben (R: Vika Jagucanskyte)

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Authentizität, Natur, Soziales, Videokunst, Youtube und Co, Zeit, alle Posts, beste Posts

// den Film sehen

Gut, er kommt bescheiden daher, der Film, der das Glück erklären will. Er beginnt mit technisch unsauberen Schnappschüssen aus einer Stadt, die so wenig mit Glück assoziiert wird, wie Kohlekraftwerke oder Fabrikarbeit: Mannheim. Und fast unbemerkt zwirnt sich nach Sekunden aus den Bilderfäden ein Tau, das mitzieht, und die größere Idee fast unbemerkt etabliert: Die Allgegenwart des Glücks.
“Liebe das Leben” reiht Szenen wie Perlen auf die Schnur. Aber das wirkt nur zufällig. Denn dahinter komponiert die größere Idee die Bilder zur Musik. Ein Text von Hesse´s Siddahrta leitet an: Siddahrta, der später Buddha genannt werden sollte, durchfährt nach Jahren erfolgloser Askese, Völlerei und Meditation beim Übersetzen mit dem Fährmann die Erkenntnis, die der Anfangspunkt seiner Erleuchtung wird: Er erfährt das Ohm, die Einheit von allem.

Wenn er nicht auf das Leid noch auf das Lachen hört,
wenn er seine Seele nicht an irgendeine Stimme band
und mit seinem Ich in sie einging,
sondern alle hörte, das Ganze,
die Einheit vernahm,
dann bestand das große Lied der tausend Stimmen
aus einem einzigen Worte,
das hieß Ohm – die Vollendung

Und um diese Erleuchtung geht es dem Video. Zu groß? Nein. Es geht schon in Siddahrta um eine Erleutung, die – so groß sie auch klingt – im Erkennen des Größten im Alltäglichen besteht. Schon die Idee ist poetisch: Die absolute Größe, die Erleuchtung, das Erkennen der letzten Wahrheit, verlangt nicht etwas überirdisch Großes, sondern das Wahrnehmen dessen, was man die ganze Zeit wahrnimmt. Es geht um das, was schon der französische Film Amelie versuchte zu sagen: Das wahre Glück ist nicht größer, sondern kleiner. Es entsteht, wenn man die tausend Kleinigkeiten beachtet, die zu dem großen Glück beitragen.
“Liebe das Leben” ist das beeindruckende Debüt der Mannheimer Videokünstlerin Vika Jagucanskyte, die durch Interviews mit Freunden und Bekannten das Wesen des Glücks fassbar machen wollte. Kongenial unterstützt durch die Musik von Urs Gögler balanciert Jagucanskyte zwischen dem dokumentarischem Realismus der völlig unterschiedlichen Biographien und der so schwer greifbaren Poesie des Lebens, die diese Eckdaten in einen größeren Klang bringt. Dieser Poesie, die in einzelnen Momenten des Films kaum wahrnehmbar sichtbar wird, aber fühlbar das Größere ist, das den Rahmen um alle Szenen legt. Das ist so wahr und so gut eingefangen, dass nach einer Viertelstunde wirklich das Eine übrig bleibt: Ein inneres Wissen um die Allgegenwart des Glücks.

Das erinnert mich an eine Geschichte, von der gesagt wird, ein buddhistischer Meister habe sie einem Schüler erzählt, als dieser fragte, wo denn Gott zu finden sei.

Ein Fisch schwamm zu einem anderen Fisch und fragte erschöpft: “Sag mal, weißt Du, wo der Ozean ist? Ich suche schon die ganze Zeit.” “Der ist hier überall. Schau Dich doch um,” antwortete der zweite. “Nein, nein. Ich meine nicht das Wasser und die Algen und die Fische. Ich meine den Ozean,” meinte der erste Fisch mürrisch: “dann kannst Du mir wohl auch nicht helfen.” Und als er das gesagt hatte, schwamm er davon, um weiter zu suchen.

Romantic Death :: multiple Orgasmen

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Authentizität, Soziales, Themen, Verweise auf Fotographie, Verweise auf Kunst, Videokunst, alle Posts, andere Musikvideoregisseure

Treten wir der Kritik entgegen: Das Video hat nicht die beste Qualität, die Musik ist schlecht und unpassend und der Schnitt ist ein guter Versuch, aber lange keine große Kunst. Trotzdem wird das Video hier besprochen und das hat einen Grund.

Romantic Death arbeitet nämlich ungewöhnlich mutig mit einem Reizthema: Die Photographie des Orgasmus. Nein, nicht nackt und nicht Porno. Gesichtern beim Orgasmus. Die Idee ist durchaus salonfähig, seit die große Photographin Herlinde Koelbl in ihrem Buch Männer nicht nur klassische Männerakte, sondern eben auch Photoserien von Männergesichtern bei Orgasmen publizierte. Das Video Romantic Death geht jetzt noch zwei Schritte weiter. Der erste: Die Orgasmen sind gefilmt, aus standartisierter Entfernung und in standardisierter Lichtsetzung. Die Idee kommt von Beautiful Agony, das seinerseits Maßstäbe gesetzt hat in der sinnlich-machung internetbasierter Erotikangebote. Der zweite Schritt: Die Regisseure schneiden ein halbes Duzend dieser Orgasmusvideos zusammen und erzählen die Geschichte der Idee Orgasmus: Ständige Schnitte ähnlicher Fragmente ergänzen sich zusammen in ein Abstraktum hinein – fast wie bei Bernd und Hilla Becher, die den Charakter von Kohlegruben und Fabrikgebäuden erst durch die Vervielfachung greifbar machen konnten.

Was nach dieser zweifachen Erweiterung der Orgasmus-Fotos von Koelbl durch Bewegung und Zerstückelung herauskommt ist ein Stück zufällige Kunst, die zwar auf hölzerne Art aber immerhin etwas Neues zu sagen hat: Der Orgasmus ist, entkernt von der Nacktheit, ein Stückweit des Tabus enthoben und im Zerbrechen der Gesichtszüge wieder in das Tabu zurückverwiesen. Dieser Ambivalenz der Konzeptidee steht die Geschichte der Orgasmusvisualisierung gegenüber – der klassische Nackt-Akt – das Gesichtsfoto von Koelbl – der Gesichtsfilm und schließlich die vorliegende Gesichtsfilmcollage. Eine Geschichte, die durch ihr ständige Nachahmen, Weiterdenken, Rekurrieren und Collagieren eigentlich schon als Prozess Element der Pop-Art ist. Der Orgasmus wird also einerseits vervielfacht – als Konzeptidee durch diverse Medienideen geschleift und im Video selbst durch ein halbes Duzend Akteure inszeniert – auf der anderen Seite durch Verzicht auf die Nacktheit aber auch seltsam real, konzentriert und im Fokussieren auf das Gesicht fast zärtlich. Und diese Spannung zwischen mechanistischer Archetypisierung und romantischer Charakterstilisierung ist es, die dem Video eine künstlerische Aussagedimension gibt. Auf der Basis scheint es kein Zufall, dass die Macher dem Projekt einen Namen gegeben haben – Romantic Death – der zwei diesen beiden Aspekten der Archetypisierung und der Charakterstilisierung entsprechende Begriffe in ein Konstrukt synthetisiert, das in seiner Klischeehaftigkeit wieder selbstreflexiv gemeint sein könnte. Stichwort: Der letzte Grad der Komplexität liegt im Erkennen ihrer Banalität.

Man muss wohl annehmen, dass das den Machern selbst nicht aufgefallen ist.

// Romantic Death

Zieht mich aus und fresst mein Fleisch :: Robbie Williams – Rock DJ (R: Vaughan Arnell)

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Authentizität, Bewegtes, Soziales, Themen, Videokunst, alle Posts, andere Musikvideoregisseure

Pimpin’ aint easy
Most of them fleece me
Every night
Pimpin’ ain’t easy
But if you’re sellin’ it, sellin’ it, sellin’ it
It’s alright

Robbie Williams: Ex-Teeniestar, Ex-Paparrazifeindbild, Ex-Drogengeständiger. Mit diesem Video hat er mal wieder eine Grenze überschritten, diesmal die des guten Geschmacks. Und ganz falsch liegt man auch nicht, wenn man annimmt, dass es die Grenze zur Kunst statte zur Posse war, die er da genommen hat. Aber fangen wir vorne an.
Robbie singt in dem ganz lesenswerten Text vom Landen bei Frauen, die darauf nicht so richtig anspringen. Seine Lösung im Video: Er reißt sich die Kleider vom Leib. Erstes Tabu: Robbie ist nackt.
Aber die Figuren im Video reagieren nicht.

Und dann geht es erst richtig los: Er zieht sich die Haut vom Körper. Er reißt sich einzelne Muskeln aus. Er wirft die blutigen Muskeln nach den schönen Tänzerinnen, die sich damit einreiben wie Wölfinnen. Ihr Interesse ist erwacht. Das Ende: Glücklich, soweit man als Skelett glücklich sein kann, im Tanz mit einer der schönen Frauen.

Warum ist das jetzt interessant? Robbie Williams ist der einzige Superstar, der sich heutzutage traut, ein derartiges Video zu machen. Weil er nicht nur nach einer geschickten Einführung, in der er sich als der Lieblingsglitzerschwiegersohn der Plattenindustrie stilisiert, sämtliche Tabus bricht, die das Genre des Musikvideos noch aufrecht hält. Und weil er die Rolle als Idol durch sich selbst reflektiert und dann im Spannungsfeld zwischen Superstar, mit dessen Bild das Video beginnt, und dem alter ego, dass sich für die ldealisierung selbst verstümmeln muss, dem Dilemma der Pop-Elite ein Bild zuschreibt, das für ein populäres Musikvideo außerordentlich kraftvoll ist.
Nein, ich möchte jetzt nicht pathetisch werden. Aber vor einiger Zeit habe ich ein Zitat gelesen:

Manchmal das Gefühl: Sich ausziehen wollen bis auf die Knochen.

In dem Zitat schwingt diese Ambivalenz mit: Ein Wollen ist es, dass die Verstümmelung rechtfertigt und das der Künstler schließlich als Skelett tanzend feiert. Das ist als visuelle Idee weder abgedroschen noch banal. Schon in sich liegt im polaren Aufbau des Videos ein ästhetischer Einfall, der sich auszeichnet – zum Beispiel der realistischen Gehalt des Settings zu Beginn gegenüber dem surrealen Geschehen gegen Ende oder über die anfangs elitär-außenbezogene und dann zusammenbrechend-selbstreflexive Entwicklung der Narration. Betrachtet man die Person Robbie Williams mit ihren Depressionen, Therapien, Entzugsversuchen, Ausschreitungen und Skandalen scheint das Video noch dazu, soweit man das bei einem Popstar vermuten kann, Ergebnis einer realen Auseinandersetzung zu sein. Und aus der Biographie heraus den Schritt zu diesem Video zu machen, das ist eine ganz eigene Größe.

(Videosuche rechts oben)

Rorschachwahnsinn :: Gnarles Barkley – Crazy (R: Robert Hales)

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Animation, Assoziatives-Surreales, Authentizität, Bewegtes, Form, Soziales, Themen, Verweise auf Kunst, Verweise auf Malerei, Verweise auf Zeichnen, Videokunst, alle Posts, andere Musikvideoregisseure, beste Posts, digitale Welten

Verrücktsein heißt: Sich in den Tintenklecksbildern, die Freud als Rorschachtest berühmt gemacht hat, ständig selbst singen sehen. So geschehen bei Gnarls Barkley, der ein herausragendes Video zwischen Animation und Fotographie, zwischen Selbstbezug und Assoziation und zwischen Eingängigkeit und dem Puls der Erzählung gebaut hat: Ein einziger, völlig durchgeknallter Rorschachtest entwickelt sich ständig neu. In jedem Einzelnen ist der singende Gnarls Barkley zu sehen. Und damit das Ganze nicht langweilig wird, entwickeln sich die Tintenklekse immer komplexer, werden belebter, referenzieren auf den gesungenen Text und bleiben doch, was sie sind: Von einer beinah ästhetischen Abstraktheit geleitete, außerordentlich kunstvolle, aber eben doch: schwarz-weiße Tinteklekse.

Das Video gibt´s hier.

Mark Story :: Portraits von uralten Menschen

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Alter, Authentizität, Fotographie, Soziales, Zeit, alle Posts

Supercentenarians nennt man sie, die Menschen, die ihre 110 Jahre hinter sich gelassen haben und immer noch leben. Mark Story hat knapp einhundert von Ihnen besucht und interviewt. Das Ergebnis ist eine herausragende Fotoserie, die mit kurzen Biographieschnipseln der Akteure im Internet steht.

The Gerontology Research Group estimates there are 250,000 centenarians (people 100 years and older) currently living in the world. In rare instances, people live to 110 years and beyond, inspiring a new demographic label: supercentenarian. The Gerontology Research Group, through rigorous investigation of records, acknowledges about 65 supercentenarians, and estimates that about 350 are alive worldwide today.

Mark Story beschränkt sich nicht auf die Uralten, auch wenn sein Fokus auf Alter gerichtet er. In seiner Auswahl findet sich auch ein Foto eines knapp 50-jährigen Obdachlosen oder eines 88-jährigen Mannes. Man kann trotzdem sagen, dass er das Alter fokussiert, denn das Alter hat sich in alle seiner Gesichter eingefurcht wie Rinnen auf einen Acker. Insgesamt sehr sehenswert, schwarz-weiß Portraitfotographie vom Feinsten.

46 year-old Portuguese man
Verwendung des Fotos mit freundlicher Genehmigung von Mark Story.

// Mark Story

von den Grenzen visueller Wirklichkeit :: eine Adidas Werbung von Spike Jonze

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Assoziatives-Surreales, Authentizität, Bewegtes, Natur, Raum, Spike Jonze, Videokunst, alle Posts, digitale Welten

Ein Mann steht auf und alles ist schwarz – so lange er es nicht berührt. Mit seiner Präsenz schafft er Wirklichkeit, dort wo er grade ist. Und seine Fantasie setzt die Grenzen.

Eine grandios surreale Bildwelt in eineinhalb Minuten. Anschauen.

(Videosuche rechts oben: Suche nach jonze adidas)

visueller Meilenstein für das Wesen des Moments :: The Rolling Stones – Like a Rolling Stone (R: Michel Gondry)

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Authentizität, Michel Gondry, Raum, Verweise auf Fotographie, Verweise auf Kunst, Videokunst, Zeit, alle Posts, beste Posts, digitale Welten

Es war so etwas wie der Ritterschlag, meint der Regisseur, als die Rolling Stones auf ihn zukamen, um ihn um ein Video zu bitten. Dabei war Michel Gondry seit Björk ihn als Unbekannten zu einem Video verpflichtete – sie hatte seine Arbeiten für seine eigene Band Oui Oui gesehen – bereits eine Legende der Musikvideokunst. Für die Stones jedenfalls hat er sich wieder etwas neues einfallen lassen: Eine technische Spielerei zwischen Still und Film. Die Bilder frieren ein, während die Kamera weiterfährt oder schieben sich wie betrunken ineinander. Die Techik hat Gondry erfunden und – so sagt er – die Band war zufrieden.
Für den Zuschauer kommt neben dem technischen Aha einiges rüber: Gondry hat wieder mal einen Film über das Wesen der Zeit gemacht. Einen wirklich guten.

(Videosuche rechts oben)

die überwältigende Künstlichkeit de Natur :: Björk – Joga (R: Michel Gondry)

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Animation, Authentizität, Michel Gondry, Natur, Raum, Videokunst, alle Posts, digitale Welten

Joga von Björk: Im tiefsten Sinne ein Naturvideo. Aber Moment: Die Kamera zuckt im Rhythmus des Songs, Irrwitzige Luftaufnahmen rasen mit dem Wirbel des Schlagzeugs, Steine bewegen und Berge spalten sich auf den Gesang von Björk. Wir sehen hier den zweiten Teil von Gondrys Auseinandersetzung mit der Natur: Der erste hieß “Star Guitar” und kam von den Chemical Brothers (s. Besprechung bei bittekunst.de). Gondrys Natur ist nicht gewachsen, sondern programmiert. Er öffnet den Diskurs für ein neues Naturverständnis, indem die Natur gleichermaßen perfekter und lebloser ist. Und wenn Björk, auf einem Berg stehend, ihr Herz öffnet, in das die völlig losgelöste Kamera hereinfahren kann, um auf neue digitale Natur zu treffen, dann scheint das ganze Video ein großes Bild über das eine Thema zu sein: Den Yoga-Weg zurück zum Unangetasteten – der in der postmoderne nur ins Digitale hinein denkbar scheint.

(Videosuche rechts oben)