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Artikel in der Kategorie 'Natur'

die Erfindung der digitalen Echtheit :: Chemical Brothers – Star Guitar (R: Michel Gondry)

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Authentizität, Form, Michel Gondry, Natur, Raum, Videokunst, alle Posts, beste Posts, digitale Welten

Eine Bahnfahrt zur Musik der Chemical Brothers. Einige Leute meinen, das sei wenig einfallsreich.
Journalisten haben geschrieben, dass dieses Video das Innovativste sei, was Michel Gondry je gemacht hat – und das über Gondry zu sagen, heißt schon Einiges.

Also, wie passt beides zusammen?

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Es gibt da etwas, das vielen entgeht: :: weiterlesen :: »

Perversion der Ordnung :: Gary Jules – Mad World (R: Michel Gondry)

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Form, Michel Gondry, Natur, Raum, Soziales, Verweise auf Kunst, Verweise auf Zeichnen, Videokunst, alle Posts

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Es ist ein relativ unbekanntes Video von Michel Gondry. Jedenfalls, was Zusammenschnitte seiner größten Werke oder Ausstellungen über Videokunst angeht. Trotzdem ist es einen Blick wert: Für den melancholischen Song Mad World von Gary Jules hat Gondry eine kongeniale Bildwelt kreiert: Die Szenerie ist ein Schulhausdach. Kein Ortswechsel im Video, kein einziger Schnitt. Nur eine Kamera, die sich über die Ballustrade lehnt und nach links und rechts schaut. Links entdeckt sie Gary Jules, der auf die Straße schaut und rechts, viel später, auf dem ganz leeren Dach in der hintersten Ecke, einen Pianisten. Und während Gary Jules singt

The dreams in which I´m dying are the best I´ve ever had.

blickt die Kamera auf die Straße, auf der völlig surreale Szene ablaufen: Haufen von Passanten organisieren sich nach einer hochinnovativen Choreographie in archetypischen Formen: Haus, Hund, Vogel, Gesicht. Interessant daran: Das absurde, künstlerisch-tänzerische, surreale bringt der Szene kein Leben, widerlegt die Liedzeilen nicht, sondern unterstreicht sie. – Denn in der Geplantheit ihrer Choreographie werden Sie zum Sinnbild des Nichtlebens – dessen, was Gary Jules meint, als er singt:

When people run in circles its a very very mad world.

Es ist nur ein weiterer von Gondrys cleveren Einfällen, dass Jules gelangweilt vom Dach jener Institution schaut, die Menschen der Choreographie der Gesellschaft näherbringen soll: Der Schule.

die Idee des Erzählens :: Björk – Bachelorette (R: Michel Gondry)

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Bewegtes, Farbe, Michel Gondry, Narration, Natur, Raum, Verweise auf Fotographie, Verweise auf Kunst, Verweise auf Typographie, Videokunst, Zeit, alle Posts, beste Posts

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Schwarz weiß fängt es an, das Musikvideo von Björk: Eine Frau gräbt im Wald und findet ein leeres Buch. Ein Buch, das sich schreibt, während sie lebt. Sie gibt das Buch, das Buch ihres Lebens heraus, und wird bekannt. Verliebt sich in den Herausgeber, wird ein Star, ihre Geschichte wird für das Variete adaptiert und nach dem Buch ein zweites Mal gespiegelt: Im Variete erzählt sich ihr Leben wieder etwas gröber, archetypischer, bunter, ferner von der Wirklichkeit und auf einer Art ihrem Archetyp näher. Teil des Stücks ist die Adaption der Geschichte im Theater – einer Bühne auf einer Bühne, vor der die wahren Protagonisten sitzen.
Als ob diese Verschachtelung der Narration nicht genug wäre für fünfeinhalb Minuten: Gegen 3:40 beginnt das wahre Leben sich zu ändern – und mit dem wahren Leben die Bilder, die das Leben in der Autobiographie und mit ihr in das Variete und die Bühne im Variete geworfen hat. Die Bilder transformieren in Pflanzen und Blätter. Die Natur holt sich ihre Geschichte zurück, die nur in ihr Leben kann.
Am Ende singt Björk in der Natur.
In Farbe.

 

 

Das Musikvideo gehört zu den populärsten Werken von Michel Gondry, der als der innovativste Kopf der internationalen Musikvideoszene gilt: Sein Spiel mit Farben und Filmstilen untermalt den Plot, der in fünf Minuten nicht nur drei verschachtelte Ebenen durchläuft, sondern auch eine rekursive Beeinflussung der Ebenen erzählt – von der Bühne ins Leben eine Abgabe der Handlungsautonomie und von der Natur zur Bühne deren Rückeroberung. Selten wurde in fünf Minuten mehr über das Wesen des Erzählens erzählt.
Und nie schöner.