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Artikel in der Kategorie 'Raum'

Demographie für Künstler: Frag 500 Leute auf der Welt eine Frage

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Interaktives, Raum, Soziales, Wissenschaftliches, digitale Welten, interaktive Netzkunst, selbstreferentiell

Es ist eine schlichte Idee in Zeiten von GoogleMaps und Geotagging: Über ask500people.com kann man eine Frage in den Raum stellen und die Antworten auf einer Weltkarte verorten. Auf einmal sieht man, was Menschen in Nordamerika anders antworten als die in Uganda. Und gleichzeitig ist Nordamerika nur Meinungszufallshoheit von 20 Leuten, die zufällig auf der Seite waren und später die Demographie definieren. Ein spannendes Projekt, whatsoever.

flickrvision :: eine Idee von der Globalisierung an sich

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Animation, Authentizität, Bewegtes, Künstliche Intelligenz, Natur, Raum, Soziales, Verweise auf Fotographie, Webdesign, Zeit, alle Posts, beste Posts, digitale Welten, interaktive Netzkunst



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Zwei Dienste haben in den letzten zwei Jahren das Internet tüchtig umgekrempelt. Google Maps und Flickr. Dass sich damit auch die Art verändert hat, wie wir die Welt wahrnehmen, zeigt ein Projekt von David Troy, der schon das vielgelobte Kunstprojekt Twittervision programmiert hat. Das Projekt zeigt eine Weltkarte, die ständig zu den Orten grade abgeschickter Twitter-Nachrichten fährt. Eine Übersicht des globalen Small-Talk. Flickrvision ist noch etwas cooler, weil die Visualität der Geographie mit den Fotos korrespondiert: Die Karte zoomt zu Erdteilen, von denen ein paar Sekunden vorher Flickr-Bilder hochgeladen wurden. Sehr empfehlenswert und eindrucksvoll. Das Moma in NewYork wird beide Werke demnächst vorstellen. Bevor David Troy von Journalisten überrollt wird, kann man ihm noch die Freundschaft anbieten: Wie es sich für einen Medienkünstler im global web gehört, hat er einen Facebook-Account.

Paris – Dakar und zurück (Amadou & Mariam – Senegal Fast Food)

von René Büttner. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Bewegtes, Raum, Soziales, Videokunst, andere Musikvideoregisseure, beste Posts, selbstreferentiell

Eine Weltkarte huscht über den Bildschirm, dann am Strand im Senegal, Kinder auf Booten, ein dunkelhäutiger Mann taucht beide Hände ins blaue Salzwasser. An einer staubigen Straße geht eine Frau in buntem Umhang, dann ein Zug und eine Art Dorfplatz, ein junger Mann und eine junge Frau an einem Fast-Food-Laden mit dem Namen Manhattan, flanierend vorbei an einem Kino namens Le Paris. Traum vom fernen Amerika, Traum vom vermeintlich nahen Europa. « Demain je serai parti. [...] l’Algérie, Tunisie, Italie. Il n’y a pas de problèmes ». Sehnsucht nach einer anderen Zivilisation, medial gestillt vom Kino, welches benannt nach der Hauptstadt der ehemaligen Kolonialmacht. Die Welt, deren gesamte Karte am Anfang noch zu sehen war, geteilt in zwei Gegenwelten, das Hier und das Dort, und dazwischen eine beschwerliche Reise, jene jedoch kein Problem, bis dahin. Kein Problem auch für mich, mir dieses Musikvideo immer wieder anzuschauen, in die Unmittelbarkeit und Buntheit der senegalesischen Straßenszenen einzutauchen, und auch in meiner Brust die Sehnsucht, virtuell gestillt nicht durch das Kino « Le Paris », sondern durch Breitband und Youtube. Es ist Fernweh in beide Richtungen, wenn es in einer existentiell-ideellen Dimension vielleicht auch nicht das selbe Fernweh ist (« ascenseur pour le ghétto »). Dort liegt vielleicht der Schlüssel des Erfolges des Manu Chao, den dieser Song von Amadou & Mariam namens Senegal Fast Food featured. Chao, der mit seiner Sampletechnik und seiner Vielsprachigkeit so oft Gegenwelten zu verbinden versteht, als ob zwei Erdhälften wie platonische Halbkugeln nacheinander auf der Suche wären. Sätze wie « Il est minuit à Tokyo / Il est cinq heures au Mali / Quelle heure est-il au Paradis ? » beharren auf der Ironie der globalen Ungleichzeitigkeit. Doch in seinem Versuch, die Kluft mit seinen Füßen zu überwinden, lässt das Video (dem Song vorgreifend) den Protagonisten scheitern: In Paris angekommen wird er bei einer Routineuntersuchung verhaftet, und so wird Paris für ihn wohl auch in Zukunft eine Leinwand seiner Träume bleiben. Und die Reise, von unserer Seite ausgesehen? Endet nach 4 Minuten 18 Sekunden mit dem Ende des Musikvideos, ich sitze in Europa, die Uhr zeigt irgendeine Stunde, ein kurzes Hochgefühl von Lebendigkeit schwingt in mir nach. Ich frage mich, wer wen mehr verklärt: die erste die dritte, oder die dritte die erste Welt.

Schnecken, Schriften, Erektionen :: ein Chaosfilm von Petra Mrzyk und Jean-François Moricea

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Animation, Assoziatives-Surreales, Bewegtes, Farbe, Form, Narration, Raum, Soziales, Verweise auf Kunst, Verweise auf Typographie, Videokunst, alle Posts, andere Musikvideoregisseure, beste Posts, digitale Welten

Ein Flug durchs Weltall, an Millionen schwereloser Schnecken vorbei. Und kontrastrierend eingeblendet: eine der verdrehtesten und genialsten Typographieanimationen, die man in gegenwärtiger Musikvideokunst findet. Ja, excuse moi von Petra Mrzyk und Jean-François Moricea ist ein wirklich besonderes Video. Über das Thema des Liedes informiert sich am besten jeder selbst, aber die Ästhetik soll hier kurz aufgegriffen werden: Mrzyk und Moricea bauen aus rund 5000 typographischen Einzelarbeiten von Philippe Katerine eine Homage an die Schrift, die sich gewaschen hat. Selten so gut und kreativ animierte Typographie gesehen. Selten so fluide Typen, so passend zum Charakter der Musik, so ganz eigenständig und irgendwo zwischen High-Tech und handgemacht. Das visuelle Karussell wird begleitet von einer Musik zwischen richtig schlechtem Techno und Teenie-Pop. Und zwischen der eigentlich geschmacklosen Musik, einige tausend Schnecken, Raumschiff Enterprise und bonbonbunten Schriftgemälden findet sich wohl irgendwo die Wahrheit dieses Liedes. Vielleicht diese: Es gibt sie nicht. In einer imaginierten Welt, in der jedes Element Retorte ist und seinerseits soviel Raum im Ganzen beansprucht, dass das so geschaffene Universum nur deshalb nicht in seine Einzelteile zerberstet, weil sie die jeweils dominanten Elemente gegenseitig wegdrängen und damit im Bild stabilisieren. Es entsteht ein zusammenhangloses Bild der Ungetüme, eine Komposition der Größe im Trash, ein Werk inmitten von Pop, Porno und Videokunst. Und in diesem egozentrischen Assoziationsgewitter, so klingt es, ist es eigentlich egal, worauf man sich bezieht. Und genau darin liegt wieder eine künstlerische Wahrheit. Vielleicht eine, die näher an der Gegenwart liegt, als irgendeine sonst.

[Petra Mrzyk, Jean-François Moricea, Typographie, Animation, digital art, Medienkunst, Chaos, Schnecken, Erektion[/tags]

das Innere nach Außen :: Influences (R: Phil)

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Dreißig Personen, die sein Leben beeinflusst haben, malt dieser Mann sich selbst auf Bauch und Brust. Dass das technisch ganz gut aussieht, ist Nebensache. Interessanter: Dass dieser Phil mit seiner Geste eine Metapher der Moderne schafft. Indem er dem ein Bild gibt, was in seiner Biographie verborgen liegt, treibt er die Visualisierung auf die Spitze: Das, was er auf seinen Bauch malt, ist er. Das ist symbolhaft, einfach, genial auf den Punkt gebracht. Obwohl, halt, nur er weiß, was er damit verbindet. Wir Zuschauer bleiben allein mit den Bildern uns unbekannter Personen, die zwar schön bunt sind, aber dem Wesen von Phils Biographie sind wir damit keinen Schritt näher. Und darin liegt das Subtile, dass aus dem Video auch aus einer mehr als technischen Sicht Kunst macht: Indem es uns damit überrascht, dass die verstanden geglaubte Visualisierung nur leeres Symbol ist, verweist die Metapher auf etwas, das zu oft verloren gegangen ist – das Wissen darum, dass visuelle Symbole von ihrem Grundcharakter begrenzt sind.

// “Influences” sehen

[tags]YouTube, YouTube Kunst, Medienkunst, modern digital art, digital art, malen, bodypainting, Zeitraffer[/tags]

Where the hell is Matt? :: ein YouTube-Beitrag zur Weltoffenheit

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Das Konzept ist einfach und zugleich beeindruckend: Ein Mann tanzt an verschiedenen Orten der Welt. Immer die gleiche Handkamera, ein ähnlicher Bildaufbau, ähnliche Tanzbewegungen. Ein Video ohne große Überraschungen. Aber auch ein Video mit einem hypnotischen Sog und viel Stoff zum Weiterdenken.

“Where the hell is Matt” von Matt Harding ist ein großartiges Symbol für das globale Dorf, für die Einfachheit der Vielfalt. Antarktis, New York, der Regenwald und die Berliner Mauer werden durch den Tanz des immer gleichen Protagonisten verbunden, die Raumgrenze erscheint als überwindbar und grade dadurch wird sie als Kulturgrenze offensichtlich. Die Kultur selbst wird Zeichen einer geographischen Entfernung, die durch den Protagonisten transzendiert wird: Das globale Dorf ist real, die Nähe des Entfernten ist ein Faktum. Und das auf diese Art ausgerechnet auf YouTube zu sagen, dem Inbegriff der Wohnzimmerglobalisierung, der Gallionsfigur eines bleiben-wir-zuhause-Travellertums, ist ein Politikum und ein gutes Stück Kunst.
Matt Harding ist durch sein Video weltbekannt geworden. Seine Clips gehören zu den meistgesehensten Videos des modernen Internet. Und auch das ist ein Zeichen dafür, dass seine Bilder über alle Grenzen verstanden werden: Ein Stück Kunst, das so einfach und so beeindruckend ist, dass es jeder rezipieren kann: In allen Orten dieser Welt und von allen Menschen, die mit Bildern etwas anfangen können. Der künstlerische Anspruch wird dadurch nicht negiert, sondern unterstützt: Ein Kunstwerk, dass überdauerndes Symbol werden könnte für das Travellertum, für die lokale Entgrenzung der Moderne, aber auch ein Symbol des Protests gegen die Bildschirmisierung der Welt, eine Rückkehr der Natur in die Technik und eine Auseinandersetzung mit Fragen der Authentizität, der Reproduzierbarkeit von Wirklichkeiten, der Bedeutung realer Grenzen und ein Zurückholen der kulturellen Unterschiede. Denn die kulturelle Unterschiedlichkeit bleibt auch in Zeiten globaler Cola-Werbekampagnen und standardisierter Ästhetikkonzepte bestehen. Mehr noch: Sie wird erreichbar und erfahrbar. Und “Where the Hell is Matt” ist ein Film, der diese Frage besser auf den Punkt bringt, als jede intellektuelle oder politische Diskussion.

Hintergrund: Sein erstes Video produzierte Matt selbst, das zweite wurde finanziert von einem Kaugummikonzern (der seitdem außerordentlich populär wurde, aber unerklärlicherweise quasi pleite zu sein scheint).

// Where the hell was Matt? – das erste Video 2003/2004
// Where the hell is Matt? – das zweite Video, der internationale Durchbruch

// Vortrag von Matt Harding in Burlington über die Entstehungsgeschichte seiner Videos (Teil 1, Teil 2, Teil 3)
// Interview mit Matt Harding bei Payscale, einem Branchenjournal für Onlinemarketing

// Berichte über das Projekt von Matt Harding (auf wikipedia.org):

  1. ^ Benji Lanyado. “Dance, dance, wherever you may be“, The Guardian, December 23, 2006. Retrieved on [[2006-12-28]].
  2. ^ Andrea Sachs. “The Guy Who Danced Around the Globe“, Washington Post, October 22, 2006. Retrieved on [[2006-12-28]].
  3. ^ James Gilden. “Amateurs’ talent: Giving us a local perspective on the world“, Los Angeles Times, September 3, 2006. Retrieved on [[2006-12-28]].
  4. ^ Kristin Jackson. “Dancing around the world (and Web)“, Seattle Times, October 5, 2006. Retrieved on [[2006-12-28]].
  5. ^ Jordan Smith. “Dancing Matt coming to town“, Austin Chronicle, August 26, 2005. Retrieved on [[2006-12-16]].
  6. ^ Meet Matt. Stride gum. Retrieved on 2006-12-16.
  7. ^ mattharding2718 Channel. YouTube. Retrieved on 2006-12-29.
  8. ^ Jill Fahy. “Globe-trotting dancing fool visits Champlain College“, Burlington Free Press, November 10, 2006. Retrieved on [[2006-12-16]].
  9. ^ MobyGames.com

zwischen Breakbeat und Handkamera :: Tänzer bei YouTube

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Das meistgesehenste Video bei YouTube ist ein Tanzvideo. Wir reden hier von 40 Millionen Zuschauern: Der Komiker Judson Laipply hat “Evolution of dance” als Teil seiner Show “Inspirational Comedy” produziert und ist damit zum Superstar geworden: Zwischen Slapstick, Tanz, Chartmusik und Charme findet sich der Schlüssel zum Publikumshit. Laipply ist mit der nicht besonders guten Tanzperformance weltbekannt und Symbol für den Aufstieg von Youtube geworden, weil er den Massengeschmack perfekt getroffen hat. Damit ist er nicht mehr weit weg von einer ganz neuen Kunstform in YouTube: Junge Leute, vornehmlich hübsche Frauen, die in unaufgeräumten Zimmern zu Playback von CD ihre Lieblingslieder nachsingen und -tanzen, meist während Sie neue Klamotten anprobieren, sich schminken oder vor dem Fernseher sitzen. Eines dieser Videos gehört mit 12 Millionen Zuschauern ebenfalls zu den ganz großen Knallern auf YouTube (ein Erfolg, der die jungen Frauen so kalt erwischt hat, dass sie prompt ein Making Of-Dankevideo produzierten).

Ganz anders wirkt da der Tänzer von Bruce. Der herausragende Breakdance in einer Turnhalle fand immerhin eine Viertelmillion Zuschauer, spielt qualitativ aber schon in einer anderen Liga. Und in dieser Breakbeat-Ecke gibt es dann auch Leute wie David Elsewhere, die zu Ikonen der Netzkultur werden: Elsewhere, der eigentlich David Bernal heißt, ist Ausnahmetänzer eines Stils, den er mit Adjektiven wie liquid oder robotic beschreibt und der 2003 schon ziemlich eindrucksvoll aussah. Die Folgen dieser beiden Clips waren enorm: Nicht nur, dass David Elsewhere dank dieser Videos eine Menge Interviews in etablierten Medien geben durfte und in amerikanische Fernsehshows eingeladen wurde. Er wurde vor allem Symbolfigur einer neuen 60-Sekunden Berühmtheit, wie das Time Magazin konstatierte. David Elsewhere, vor wenigen Monaten noch David Bernal und relativ unauffällig, ist jetzt Werbefigur von Volkswagen und Heineken (die Videos dafür stehen auf seiner MySpace-Seite) und hat einen eigenen Lexikoneintrag bei Wikipedia.
Und dann gibt es noch Leute wie Matt Harding, die beweisen, dass grade aus der Massenorientierung und Amateurhaftigkeit, die völlig neue Zeitkapazitäten in der Filmproduktion frei werden lässt, echte Kunst entstehen kann. Wir verabschieden uns und sind mit YouTube schon wieder ein bißchen versöhnt, wenn wir sehen, was daraus werden kann: Das Video Where the hell is Matt? gehört mit rund 4,6 Millionen Zuschauern nämlich auch zu den meistgesehensten auf YouTube..

Cunninghams Horrorästhetik :: The Horrors – Sheena is a parasite (R: Chris Cunningham)

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Ganz neu und doch wieder der alte: Cunningham, der selten poetisch war, eigentlich eher krass und laut und heftig, hat nach der Überraschung für Madonna (“Frozen”) wieder mal etwas gedreht, das man erwartet hätte. Und doch wieder nicht. Denn erwähnenswert ist das Video für The Horrors (“Sheena is a parasite”) allein deshalb, weil Cunningham einen Schritt gegangen ist: Von den surrealen Traumwelten für Aphex Twin (“Come to Daddy”) und Björk (“All is full of love”) schafft er diesmal die Synthese zum Live-Video und damit eine Realitätsbindung, die für seinen Stil eine kleine Revolution bedeutet. Denn die Basis des Videos ist eine unterbelichtet aufgenommene Live-Gig-Szenerie: Ein tanzendes Mädchen, ein Kopf am Mikrophon, erinnert alles sehr an Zeiten, in denen ACDC Gitarren schreddernd durch Musikvideos geheizt sind (obwohl the horrors um einiges fieser rüberkommen und – wie gesagt – das Video in dieser Geisterbahn-Helligkeit gedreht ist). Mitten in diese Szenerie hinein baut Cunningham jetzt seine verstörenden, milisekundenlangen Schnitte, die das Video mit aller Gewalt auseinanderschlagen und keine drei Sekunden später ist alles wieder normal. Kommt alles wie unscheinbarer daher. Aber trifft zielsicher. Eine Minute vierzig ästhetischer Psychoterror.

Das Video gibt´s hier.

Raben, Wüste und ein neues Image :: Madonna – Frozen (R: Chris Cunningham)

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You only see what your eyes want to see
How can life be what you want it to be
You´re frozen
When your heart´s not open.

Es war in der Wüste. Madonna hatte Chris Cunningham engagiert, einen weltbekannten Musikvideoregisseur. Und sie wollte etwas Pures, Warmes. Das ganze Set reist in die Wüste und erst dort wird klar: Das Wetter macht nicht mit. Das Licht ist anders als erwartet. Das Video kann nicht so werden, wie geplant. Vor Ort bittet Cunningham um freie Hand und Madonna gewährt. Das Ergebnis findet Cunningham gut, aber Madonna lehnt eine Veröffentlichung ab. Das sei nicht ihr Image, das sei nicht sie, das passe nicht zur ihr. Das ganze Video sei ein Reinfall gewesen. Nur mit viel Geduld kann sie überredet werden, den Clip doch noch freizugeben.

Natürlich ist die Pointe: Der Film schlägt ein wie eine Bombe. Er verhilft Madonna zum neuen Image, ihre CD Verkäufe explodieren, das Video wird Clip des Jahres bei MTV – das ist eine der wichtigsten Auszeichnungen der Szene. Im Nachhinein halten viele das Video für das gelungendste, was Madonna je hat produzieren lassen.

Das Video ist düster, mystisch, arbeitet kaum mit Farben, fokussiert sich auf Schatten von schwarz und ocker. Schwarze Tücher schleichen von allein durch Wüstensand, schwarze Vögel erheben sich in die dunkle Luft, ein schwarzer Hund rennt auf brüchigem Boden, Wolken rasen über den Himmel und tauchen im Zeitraffer den Tag in das Schwarz der Nacht. Das ist Cunningham in einer ungewohnt poetischen Weise und für Madonna wirklich neues Terrain. Den ganze Clip hält eine tiefe, düsterblaue Ruhe zusammen, die der schwarzgewandeten Protagonistin Madonna eine morbide Mystik gibt. Ein Video auf dem Grad zwischen sinnlich-dunkler Ästhetik und surrealen Traumbildern, die der Härte von Wüstenboden und Schwarztönen eine Weichheit geben, welche Cunningham selten erreicht. Aus dieser Spannung zieht der Clip seine ästhetische Qualität.

(Musikvideosuche rechts oben)

ein alter Mann geht ab :: Fatboy Slim – Weapon of Choice (R: Spike Jonze)

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Eins der bekanntesten Musikvideos von Spike Jonze: Ein älterer Mann sitzt im Sessel eines ehrwürdigen Hotels, steht unvermittelt auf – und fängt an völlig durchgedreht durch die Gänge und Hallen des Hotels zu tanzen. Der Tänzer ist übrigens Hollywoodstar Christopher Walken. Viel mehr ist nicht zu sagen: Äußerst cool.

(Musikvideosuche rechts oben)