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Artikel in der Kategorie 'selbstreferentiell'

eine Ahnung vom wahren Leben :: das Zeitalter der Lachanfälle

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Authentizität, Bewegtes, Soziales, Videokunst, Youtube und Co, alle Posts, selbstreferentiell

Populärsachbücher reden manchmal von der Best-Of-Gesellschaft. Wenn es sie gibt, sind Youtube und Co zwei ihrer wichtigsten Brutstätten. Es geht um Fragmente, die einmal geliefert, das Interesse am Ganzen verebben lassen. Es fängt an bei den Sportschauschauern, die sich mit den Torsequenzen die anderhalbstunden Fussballübertragung sparen. Im Netz geht es weiter. Über Noah, der den Zuschauern sechs Jahre seines Lebens in sechs Minuten zumutet wurde schon geredet. Wir erden uns. Weg von der Kunst. Hin zu den Alltagsvideos. Lachanfälle. Bitteschön.

Prominente Lachanfälle werden im Internet unsterblich, bleiben wie der Dagmar Berghoff-Versprecher, die Stilblüten von Präsident Bush oder der Wetterberichtversprecher auf Jahre verbunden mit der Netzidentität der Person. Besonders spannend ist hier das Dilemma des Erik Hartmann, einen holländischen Showmaster, der in seiner Sendung Boomerang einen solchen Lachanfall wegen der erkrankten Stimme eines Gastes bekam, dass er die Sendung danach abgeben musste. Das Video dazu gehört zu den großen Lachern des Internet und ist tausendfach kommentiert worden. Aber der Schein trügt: Das Stück ist entgegen der Meinung der meisten Zuschauer nicht reales Fernsehen, sondern seinerseits intentionale Comedy. Der Clip ist ein Sketch der belgischen Komiker in de gloria. Und die best-of-Mentalität von YouTube und Konsorten ist die perfekte Tarnung eines Sketchs, denn die realen Filme unterscheiden sich durch nichts von dem Kaberettstück. Die Parodie legt die Fragmenthaftigkeit bloss, die hinter dem alles-ist-online-credo der Videobörsen steht. Aber es wird auch klar, das man eigentlich nichts mehr wissen kann. Das dekontextualisierte Medien zwar noch Fragmente sind, aber nicht mehr verbunden und damit eigentlich schon wieder das Ganze. Die gezielte Produktion eines Fragments ist usus oder der Verlust des Werks im Kopierprozess erwartbar. Die Macher des Videos sind mittlerweile weltweit bekannt und waren zu Gast bei Late-Night-Legende Jay Leno. Nur hatte auch seine Redaktion nicht sauber recherchiert und nicht verstanden, dass es sich bei dem Clip um eine Satire handelt. So schwappt das Pseudofragment zurück in die alten Medien und es entsteht Kunst aus Versehen.
Ein Postskriptum zum Thema Lachanfälle: Ein zum Weltstar avancierten Baby verdankt seinen Ruhm nur der Tatsache, dass es sich drei Minuten kaputtlacht. Ganz systemunkritisch und unfragmentiert.

// mehr Versprecher

Where the hell is Matt? :: ein YouTube-Beitrag zur Weltoffenheit

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Das Konzept ist einfach und zugleich beeindruckend: Ein Mann tanzt an verschiedenen Orten der Welt. Immer die gleiche Handkamera, ein ähnlicher Bildaufbau, ähnliche Tanzbewegungen. Ein Video ohne große Überraschungen. Aber auch ein Video mit einem hypnotischen Sog und viel Stoff zum Weiterdenken.

“Where the hell is Matt” von Matt Harding ist ein großartiges Symbol für das globale Dorf, für die Einfachheit der Vielfalt. Antarktis, New York, der Regenwald und die Berliner Mauer werden durch den Tanz des immer gleichen Protagonisten verbunden, die Raumgrenze erscheint als überwindbar und grade dadurch wird sie als Kulturgrenze offensichtlich. Die Kultur selbst wird Zeichen einer geographischen Entfernung, die durch den Protagonisten transzendiert wird: Das globale Dorf ist real, die Nähe des Entfernten ist ein Faktum. Und das auf diese Art ausgerechnet auf YouTube zu sagen, dem Inbegriff der Wohnzimmerglobalisierung, der Gallionsfigur eines bleiben-wir-zuhause-Travellertums, ist ein Politikum und ein gutes Stück Kunst.
Matt Harding ist durch sein Video weltbekannt geworden. Seine Clips gehören zu den meistgesehensten Videos des modernen Internet. Und auch das ist ein Zeichen dafür, dass seine Bilder über alle Grenzen verstanden werden: Ein Stück Kunst, das so einfach und so beeindruckend ist, dass es jeder rezipieren kann: In allen Orten dieser Welt und von allen Menschen, die mit Bildern etwas anfangen können. Der künstlerische Anspruch wird dadurch nicht negiert, sondern unterstützt: Ein Kunstwerk, dass überdauerndes Symbol werden könnte für das Travellertum, für die lokale Entgrenzung der Moderne, aber auch ein Symbol des Protests gegen die Bildschirmisierung der Welt, eine Rückkehr der Natur in die Technik und eine Auseinandersetzung mit Fragen der Authentizität, der Reproduzierbarkeit von Wirklichkeiten, der Bedeutung realer Grenzen und ein Zurückholen der kulturellen Unterschiede. Denn die kulturelle Unterschiedlichkeit bleibt auch in Zeiten globaler Cola-Werbekampagnen und standardisierter Ästhetikkonzepte bestehen. Mehr noch: Sie wird erreichbar und erfahrbar. Und “Where the Hell is Matt” ist ein Film, der diese Frage besser auf den Punkt bringt, als jede intellektuelle oder politische Diskussion.

Hintergrund: Sein erstes Video produzierte Matt selbst, das zweite wurde finanziert von einem Kaugummikonzern (der seitdem außerordentlich populär wurde, aber unerklärlicherweise quasi pleite zu sein scheint).

// Where the hell was Matt? – das erste Video 2003/2004
// Where the hell is Matt? – das zweite Video, der internationale Durchbruch

// Vortrag von Matt Harding in Burlington über die Entstehungsgeschichte seiner Videos (Teil 1, Teil 2, Teil 3)
// Interview mit Matt Harding bei Payscale, einem Branchenjournal für Onlinemarketing

// Berichte über das Projekt von Matt Harding (auf wikipedia.org):

  1. ^ Benji Lanyado. “Dance, dance, wherever you may be“, The Guardian, December 23, 2006. Retrieved on [[2006-12-28]].
  2. ^ Andrea Sachs. “The Guy Who Danced Around the Globe“, Washington Post, October 22, 2006. Retrieved on [[2006-12-28]].
  3. ^ James Gilden. “Amateurs’ talent: Giving us a local perspective on the world“, Los Angeles Times, September 3, 2006. Retrieved on [[2006-12-28]].
  4. ^ Kristin Jackson. “Dancing around the world (and Web)“, Seattle Times, October 5, 2006. Retrieved on [[2006-12-28]].
  5. ^ Jordan Smith. “Dancing Matt coming to town“, Austin Chronicle, August 26, 2005. Retrieved on [[2006-12-16]].
  6. ^ Meet Matt. Stride gum. Retrieved on 2006-12-16.
  7. ^ mattharding2718 Channel. YouTube. Retrieved on 2006-12-29.
  8. ^ Jill Fahy. “Globe-trotting dancing fool visits Champlain College“, Burlington Free Press, November 10, 2006. Retrieved on [[2006-12-16]].
  9. ^ MobyGames.com

Shit happens :: die Wahrheiten der Welt in Sätzen über Kot und Hühner

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Die Idee ist in ihrem Reduktionismus zeitgemäß und in ihrer Originalität sowieso: Die Philosophen dieser Welt werden an der Frage, warum ein Huhn über die Straße geht abgefrühstückt und die Religionen der Welt haben es noch schlechter erwischt. Gut, im Prinzip hatten wir den Taoismus auch vorher verstanden. Aber jetzt wird es schon ein bißchen klarer. Ich habe einen Theologen im Ohr, der mal gesagt hat

Wir sollen so einfach reden wie möglich.
Aber nicht einfacher.

der Künstler als Musikgeschichte :: Gnarls Barkley – Smiley Faces (R: Marc Klasfeld)

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Gnarls Barkley inszeniert sich hier als Musikgeschichte. Dreister, kreativer und selbstreflexiver hat sich selten ein Superstar in Szene gesetzt: Eine Pseudodokumentarische Sequenz umrahmt Filmzitate der Musikgeschichte von Duke Ellington über die Beatles, Bob Marley bis in die Neuzeit, um festzustellen: Ja, das alles war Gnarls Barkley. Er war das Phänomen hinter dem Phänomen, er war der nicht greifbare Mastermind der Musik des 20. Jahrhunderts. Eine gradiose Persiflage auf die Selbstreflexivität und Konstruiertheit der Musikwelt. Anschauen.

“He was involved in all this music. He was the music of the last century.”

(Musikvideosuche rechts oben)

die digitale Geburt des Bekannten :: Musikvideokunst mit Instrumenten

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Es ist etwas paradox: Die Visualisierung ist soweit fortgeschritten, dass man alles darstellen kann: Von den surreal-komplexen Landschaften einer Missy Eliott (get ur freak on) bis zu abstrakte Rorschachkunstwerken eines Gnarles Barkley (Crazy). Alles eine Frage des Geldes.

Da ist es fast schon wieder subversiv, sich um richtige Natur zu kümmern. Im Sinne von: Die postmoderne digitale Revolution liegt in der Nachahmung der Natur bis zur Unkenntlichkeit. So geschehen bei Björk in Joga oder bei den Chemical Brothers in Star Guitar – beides von Michel Gondry.

Aber hier gehen wir einen Schritt weiter, denn es geht um die Darstellung von Musikinstrumenten in der Musikvideokunst. Denn auf die Musik übertragen heißt Natur: Die mechanischen Instrumente wieder in Szene zu setzen. – Und dabei den Schritt der digitalen Weiterentwicklung zu kommentieren. Harmlose Versuche, die mehr technisch als poetisch sind, kommen von animusic (Videosuche rechts oben). Wirklich gut wird es wieder bei den Altmeistern:

Chris Cunningham: Aphex Twin – Monkey Drummer
Wenn Elektrosound-Guru Aphex Twin die Töne macht, ist klar, dass das zugehörige Schlagzeug keines für Menschen ist. Ein Roboteraffe spielt mit vier Armen auf einem Schlagzeug die Sounds, die Aphex Twin elektronisch produziert hat. In seiner Schlichtheit ist das Video leicht zu übersehen. Es gilt trotzdem als eine Ikone der Musikvideokunst, wird immer wieder in Museen ausgestellt und vom NRW Forum Kultur und Wirtschaft 2004 zu den 100 einflussreichsten Videos der Geschichte gezählt. Das ist berechtigt, weil Cunningham hier im trommelnden vierhändigen Affen ein treffendes Symbol findet für die Beziehung von elektronischer zu mechanisch produzierter Musik. Eine Differenz, die analog die Postmoderne von der Moderne zu unterscheiden in der Lage wäre. Und er liefert uns ein Bild, dass von einer fast unauffälligen Einfachheit ist und doch Meilenstein der Auseinandersetzung im Rahmen der Positionierung von elektronischer Musik geworden ist.

Alex & Martin: The White Stripes – Seven Nations Army
Das Video ist wie vieles von Gondry beim Kultlabel Partizan erschienen – und dessen herausragende Originalität scheint abgefärbt zu haben: Eine vierminütige Zoomsequenz durch ästhetische Dreiecksformen, in die klassische Live-Einstellungen mit den dazugehörigen Instrumenten eingearbeitet sind – schlicht, bestechend eindrucksvoll und klar orientiert am Lauf der Musik.

Michel Gondry: The White Stripes – The Hardest Button to Button (Videosuche rechts oben)
“It’s the greatest video we’ve ever made” sagt der White Stripes-Frontman in einem MTV Interview. Tatsächlich gilt der Clip vielen als Meisterwerk der Musikvideokunst: Gondry hat – wie schon in Star Guitar oder Around the World versucht, die Musik unmittelbar im Bild zu spiegeln. Bei “The Hardest Button to Button” wird jeder Schlag von einem Schlagzeug begleitet, dass neu im Bild erscheint und das immer nur mit den Einzelteilen ausgestattet ist, die für diesen Schlag in der Musik verwendet werden. Wird die Gitarre verwendet, kommt sie ins Bild. Die Instrumente jedes Schlages werden in Reihe gestellt, so dass die Musik in ihrer Visualisierung gleicham einen Weg bildet: Ein vor und zurück, ein weitergehen, einen Ortswechsel dort, wo Atmosphärenwechsel die Musik verändern. Und gekrönt wird das ganze von einem herausragenden Rundumschwenk im Schatten einer Brücke. – Unbedingt ansehen.

wegweisende HipHop Musikvideos :: Auseinandersetzungen mit Beats, Bargeld und Brüsten

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Das Hip-Hop-Video hat seit Jahren eine sehr spezifische Bildsprache etabliert, die wir hier mal an besonders gelungenen und besonders rebellischen Musikvideos in den Fokus rücken möchten.

Fangen wir an bei der Ästhetik (und damit meine ich jetzt nicht Brüste und Status): Schon bei Justin Timberlakes Mainstream-Video “My Love” wird klar, wie gut die Choreographien des Hip-Hop-Tanzes aussehen können. Und wenn man sich danach “Work it Remix” von Missy Elliott anschaut sieht man, was man mit Kreativität daraus machen kann. Missy Elliott gilt als Referenz der Hop-Hop-Szene, was die Musikvideos angeht: Nie ganz daneben und oft Maßstäbe setzend in Bildidee, Konzeption und Choreographie. Das klingt wie Björk? Nicht ganz verkehrt. Denn obwohl das Hip-Hop-Genre künstlerisch beengt ist, geht Missy Elliott an die Grenzen. Beispiele? “Get Ur Freak On”, “Supa Dupa Fly” oder “lose control”. – Alles Ausnahmevideos mit Missy in Hochform.

Aber kommen wir zu dem, was Hip-Hop-Videos immer auch waren: Sex und Status. Der Musikredakteur von Viva hat mir mal gesagt:

“Hip-Hop-Videos erkennt man im Moment daran, dass irgendwann ein Helikopter auftaucht.”

Das war zu Hochzeiten der Goldketten und Rolexuhren, schwarzen Limusinen und quasi-nackten Hübschchen in den Musikvideos der großen Rapper. Der Hedonismus der Neunziger fand im street-credibility-credo der Hip-Hopper eine neue Spitze: Als die Musik irgendwann mal aus den Armenvierteln emporgewachsen war (und diverse ex-Außenseiter ihren Aufstieg gegenüber den Daheimgebliebenen am glaubwürdigsten mit teuren Uhren, großen Autos und schönen Frauen inszenieren konnten) galt das völlig maßlose Statusdenken als Beweis der Kraft des Willens der Straße und irgendwie schien eine Zeit lang nur der Hip-Hopper, der den Wert eines Kleinwagens als Schmuck am Körper trug, überhaupt mit Fug und Recht behaupten zu dürfen, er käme aus einem Ghetto (was wiederum seine Plattenverkäufe anzuheben in der Lage war). Das Verhältnis des Rappers zum Besitz war in dieser Zeit ambivalent.

Die Standardfilmchen mit Hubschraubern und teuren Wagen möchte ich vorenthalten. Zumindest direkt zu einem Künstler kommen, der mit diesen Symbolen spielt wie kein zweiter: 50 Cent im Video “P.I.M.P.”. (Videosuche rechts oben) Die Geschichte des Mannes liest sich wie die Musterbiographie eines Hip-Hoppers und wimmelt von Gewalttaten, ärmlichen Verhältnissen, Verwicklungen ins Drogenmilieu und Härten des Lebens. Eminem und Dr. Dre, zwei Urgesteine der Szene, haben dem Jungen endlich zu eigenen CDs verholfen, von denen eine – wie passend – “Get rich or die tryin´” heißt. Das ganze wäre nicht erwähnenswert, würde 50 cent in seinem Video zu P.I.M.P. nicht das ganze Hip-Hop-Selbstverständnis, dem er selbst so nahe steht, lachenden Gesichts an die Wand persiflieren (und das mit Komplizenschaft von den zwei ganz Großen – Snopp Dogg und G-Unit): Eine riesige Villa, alles in weiß, ein Ölbild des schwarzen Rappers im Stil weißer Kolonialherren über dem Kamin, ein duzend Frauen in weißer Unterwäsche und der herrische Gang von 50 Cent durch das Anwesen, das wirklich nichts anderes aussagt, als den Kontostand des Besitzers. Die Absurdität erreicht einen Höhepunkt im Kongress der “Pimp Legion of doom”: Ein Raum mit den größten Rappern der Zeit, die mafiamäßig um 50 Cent herumsitzen, um zu erfahren, ob dieser wirklich ein “Pimp” ist.

“He doesn´t drive a cadillac. (Ablehnung) He doesn´t got a perm. (Kopfschütteln). Why should we put him in the Pimp Legion of Doom?”

“But I got the magic stick.”

Soweit ich weiß hat sich keiner der großen Rapper derart selbstironisch mit der Rolle des modernen Hip-Hop-Videos auseinandergesetzt.

Weird Al Yankovic’s hat in seinem White&Nerdy Clip diesen HipHop-Hedonismus in eine nette Bildsatire gepackt und – damit sind wir entgültig beim Bruch der goldenen Hip-Hop-Regeln – der Hamburger Rapper Jan Delay zelebriert die Distanz vom Busen-und-Status-Hip-Hop in etlichen seiner schrägen Texte: In “klar” lässt er sich von Frauen in Showglamour-Klamotten souflieren und trägt einen Smoking, während er mit einem Bagger das Haus einreisst, in dem er singt. Und in “Ich möchte nicht, dass ihr meine Lieder singt” liefert er eine Abrechnung mit der Hip-Hop-Hörerschaft, die noch etwas weiter geht. Aufgenommen auf dem Kölner Karnevalszug (Jan Delay ist als Palästinenser verkleidet und spielt Flöte auf einem Maschinengewehr mitten im Gedränge). Daraus:

Ich möchte mich nicht in Köpfen befinden zusammen Gedanken,
die unter Einfluss vom Axel-Springer-Verlag entstanden.
In den ganzen verstrahlten Hirnen wär ich gern abhanden,
denn vor allem, können die Babylonier nicht klatschen und tanzen.

Dem ist in Anbetracht von bekannten wie bekloppten Videos á la “put ´em on a glass” von Sir Mix a Lot wohl nichts hinzuzufügen. Und wirklich kreative Versuche wie der von Michel Gondry für Kanye West (“Heard ´em say”) werden vermutlich nie Mainstream werden..

gute trashige Musikvideos :: vom Stil hinter dem schrägen Bild

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Trash zum Kult zu machen sagt mehr über die Zeit aus, in der das passiert, als über die Kunst hinter der Musik. Darum geht es hier nicht. Hier geht es um Videos, die wie Trash daherkommen, aber auf zweiter Ebene tatsächlich künstlerischen Anspruch haben.
Bestes Beispiel: Hot Chip mit Over and Over. Herausragender Schrammel-Pop mit musischem Tiefgang und ein Video in grell-monotonem Grün mit hypnotischem Sog: Die Trash-Optik ist hier nur Oberfläche für eine gewitzte Auseinandersetzung mit Archetypen der Musik: Tanz, Bewegung, Konzert, Zuschauern. Gegen Ende wird klar, dass das Setting des Videos ein Brennglas wird für die Manipuliertheit des Mediums Musik. Wie weit das ironisch gemeint ist, bleibt offen. Und diese analytische Sichtweise auf das plump inszenierte Bild spiegelt kongenial den Kontrast zwischen hopsenden Musikern und hochprofessionell instrumentierter Musik. Ein großes Video – und nicht umsonst von ifilm zu den Musikvideos des Jahres gewählt.
Ein Video, das mehr als jedes andere für das künstlerische Potenzial von Trash gelten kann, ist hier schon besprochen worden: Fatboy Slim – Praise you, eine 300$ Produktion (das meiste ging für das Catering drauf) der Musikvideokoryphäe Spike Jonze. Mehr über die Hintergründe im Artikel zum Video bei bittekunst.de.

Neben Fatboy Slim gehört dann unter die ganz bekannten Trash-Clips auch das Daft Punk Video zu “Around the World”: Das hat der zweite unter den großen Musikvideoregisseuren gedreht: Michel Gondry. Und hier kommt er auf den ersten Blick ungewohnt träge daher: Eine Choreographie auf engem Raum, allzu vorhersehrbar, in 60er Jahre optik eingekleidet und beleuchtet. Auf den zweiten Blick erkennt man, dass jedes der Quartette einer Tonspur der Musik zuzuordnen ist und die Interaktionen der Gruppen denen der musischen Spuren entsprechen. Die Vorhersehbarkeit der Choreographie entspricht der Monotonie der Tonspuren, entwickelt aber zusammen mit dieser eine fast tranceartige Konzentration auf das Spiel der unterschiedlichen Elemente und deren dynamische Verbindung. Dazu passt, dass das ganze Video in einer Jukebox spielt, wie am Ende klar wird: Die Tänzer sind die Töne, die auf einer Schallplatte tanzen. (Videosuche rechts oben)

Beide Videos, “Praise You” von Fatbox Slim und “Around the world” von Daft Punk, haben übrigens den MTV Award zum Video des Jahres gewonnen.

Noch ein viertes Video zum Abschluss: OK Go mit “Here it goes again”. Ein äußerst cleverer Videoclip mit acht Laufbändern. Das Setting entnüchtert: Alles aus einer Perspektive, monotone Beleuchtung, kein Schnitt im ganzen Video und im Hintergrund des kahlen Raumes, in den die Kamera stiert, eine silberne Plastikplane. Keine Deko außer acht Laufbändern und vier Bandmitgliedern. Aber die Choreographie, die diese vier Leute auf den Laufbändern aufführen, ist einen zweiten Blick wert. Das Video findet sich hier.

Soweit meine Favoriten an hintergründig guten Trash-Videos. Ist was nicht dabei? Schreibt´s in den Kommentar.