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das Innere nach Außen :: Influences (R: Phil)

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Dreißig Personen, die sein Leben beeinflusst haben, malt dieser Mann sich selbst auf Bauch und Brust. Dass das technisch ganz gut aussieht, ist Nebensache. Interessanter: Dass dieser Phil mit seiner Geste eine Metapher der Moderne schafft. Indem er dem ein Bild gibt, was in seiner Biographie verborgen liegt, treibt er die Visualisierung auf die Spitze: Das, was er auf seinen Bauch malt, ist er. Das ist symbolhaft, einfach, genial auf den Punkt gebracht. Obwohl, halt, nur er weiß, was er damit verbindet. Wir Zuschauer bleiben allein mit den Bildern uns unbekannter Personen, die zwar schön bunt sind, aber dem Wesen von Phils Biographie sind wir damit keinen Schritt näher. Und darin liegt das Subtile, dass aus dem Video auch aus einer mehr als technischen Sicht Kunst macht: Indem es uns damit überrascht, dass die verstanden geglaubte Visualisierung nur leeres Symbol ist, verweist die Metapher auf etwas, das zu oft verloren gegangen ist – das Wissen darum, dass visuelle Symbole von ihrem Grundcharakter begrenzt sind.

// “Influences” sehen

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das digital gezimmerte Musikstück :: Amateur (R: Lasse Gjertsen)

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Authentizität, Bewegtes, Soziales, Verweise auf Kunst, Verweise auf Musik, Videokunst, Youtube und Co, Zeit, alle Posts, beste Posts, digitale Welten, selbstreferentiell

Es ist die Rache der digitalen Perfektion: Ein Drummer, der nicht spielen kann, wird durch digitale Schnittfinesse zu einem perfekten Trommelsolo geschnitten. Jeweils einzelne Verspieler werden so clever aneinandergebaut, dass eine sauber gespielte Komposition entsteht. Die Postproduktion verursacht das Werk aus Fehlern. Wie eine Metapher für die jeder-kann-alles-Gesellschaft. Was kann man da noch sagen? Das hat Gjertsen einfach richtig gut hingekriegt.

// den Film sehen

Zwischen den Zeichen :: Madonnas “Confessions Tour” (R: Jonas Åkerlund)

von Alexander Kroll. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Audiokunst und Klang, Bewegtes, Tanz, Videokunst, alle Posts, andere Musikvideoregisseure, beste Posts, selbstreferentiell

Man mag es kaum glauben, aber Madonna, die Pop-Heilige, ist zur Veröffentlichung ihres letzten Studioalbums „Confessions on a Dancefloor“ im kleinen Londoner Club „Koko“ aufgetreten. Dort hatte sie einst mit „Holiday“ ihre Karriere begonnen und die rohe Realität liegt längst zurück. Madonnas kurze Rückkehr auf die Club-Bühne ist als solche nur eine symbolische Geste in einer Karriere, die sich bilderbuchmäßig über Symbole erstellt hat. Niemand will Madonna in Wirklichkeit beim Soundcheck sehen, sondern über ein Spektakel staunen, das allenfalls mit dem Show-Bombast von Michael Jackson, Richard Wagner oder dem Theater des Barock vergleichbar ist. Entsprechend wurde das Konzert, das jetzt auf der DVD/CD-Edition „The Confessions Tour“ zu sehen ist, nicht im „Koko“ aufgezeichnet sondern in der „Wembley Arena“.

Es gibt, wie immer, alles zu sehen. Madonnas Repertoire ist perfekt, bringt die letzten zwanzig Jahre Popkultur auf die Bühne und integriert über Labels für Liebe und Lebensgefühle alle neuen Trends von Breakdance bis zur Netzkunst. Jeder Song ist ein greller Slogan, der die moderne Welt zelebriert. „Forbidden Love“ stellt Davidstern und Halbmond auf den Oberkörpern von Tänzern gegenüber bis Madonna als einendes Zeichen zwischen die Tänzer tritt. Sie streckt die Hand aus und ein Adler aus der Videowand scheint auf ihrer Hand zu landen. Bei „Live to tell“ verbinden sich Kirchenglocken und Internet-Adressen im abendländischen Symbol schlechthin, dem Kreuz, das hier nicht Gottes Sohn, sondern seine Tochter Madonna trägt. „I have a tale to tell“ singt die Gekreuzigte und ist damit Erzählerin und Erzählung zugleich. Madonnas Geschichte erzählen dann die Leinwände im Intro zu „Music Inferno“. Das Thema ist Disko, Madonna ist Disko. Gekrönt im „Dancing Queen“-Umhang muss Madonna nur frühere Shows variieren, um selbst schwache Songs des neuen Albums mit Wucht wegzufegen. Trotzdem hat das Konzert ein Selbstverständnis, das nicht zynisch, sondern zuvorkommend ist. „Erotica“ ist nur noch ein Nahtanz im Badeanzug, „Like a virgin“ ein verspielter Ritt an der Stange. Skandale waren gestern. Selbst Madonna trinkt Wasser und prostet den Zuschauern zu. „Cheers“ ist die wahrste aller Universalgesten.

(Videosuche rechts oben)

[tags]Madonna, Confession, DVD, Musikvideo, Videkunst[/tags]

Where the hell is Matt? :: ein YouTube-Beitrag zur Weltoffenheit

von David Schubert. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Authentizität, Bewegtes, Natur, Raum, Soziales, Tanz, Videokunst, Youtube und Co, alle Posts, andere Musikvideoregisseure, beste Posts, digitale Welten, selbstreferentiell

Das Konzept ist einfach und zugleich beeindruckend: Ein Mann tanzt an verschiedenen Orten der Welt. Immer die gleiche Handkamera, ein ähnlicher Bildaufbau, ähnliche Tanzbewegungen. Ein Video ohne große Überraschungen. Aber auch ein Video mit einem hypnotischen Sog und viel Stoff zum Weiterdenken.

“Where the hell is Matt” von Matt Harding ist ein großartiges Symbol für das globale Dorf, für die Einfachheit der Vielfalt. Antarktis, New York, der Regenwald und die Berliner Mauer werden durch den Tanz des immer gleichen Protagonisten verbunden, die Raumgrenze erscheint als überwindbar und grade dadurch wird sie als Kulturgrenze offensichtlich. Die Kultur selbst wird Zeichen einer geographischen Entfernung, die durch den Protagonisten transzendiert wird: Das globale Dorf ist real, die Nähe des Entfernten ist ein Faktum. Und das auf diese Art ausgerechnet auf YouTube zu sagen, dem Inbegriff der Wohnzimmerglobalisierung, der Gallionsfigur eines bleiben-wir-zuhause-Travellertums, ist ein Politikum und ein gutes Stück Kunst.
Matt Harding ist durch sein Video weltbekannt geworden. Seine Clips gehören zu den meistgesehensten Videos des modernen Internet. Und auch das ist ein Zeichen dafür, dass seine Bilder über alle Grenzen verstanden werden: Ein Stück Kunst, das so einfach und so beeindruckend ist, dass es jeder rezipieren kann: In allen Orten dieser Welt und von allen Menschen, die mit Bildern etwas anfangen können. Der künstlerische Anspruch wird dadurch nicht negiert, sondern unterstützt: Ein Kunstwerk, dass überdauerndes Symbol werden könnte für das Travellertum, für die lokale Entgrenzung der Moderne, aber auch ein Symbol des Protests gegen die Bildschirmisierung der Welt, eine Rückkehr der Natur in die Technik und eine Auseinandersetzung mit Fragen der Authentizität, der Reproduzierbarkeit von Wirklichkeiten, der Bedeutung realer Grenzen und ein Zurückholen der kulturellen Unterschiede. Denn die kulturelle Unterschiedlichkeit bleibt auch in Zeiten globaler Cola-Werbekampagnen und standardisierter Ästhetikkonzepte bestehen. Mehr noch: Sie wird erreichbar und erfahrbar. Und “Where the Hell is Matt” ist ein Film, der diese Frage besser auf den Punkt bringt, als jede intellektuelle oder politische Diskussion.

Hintergrund: Sein erstes Video produzierte Matt selbst, das zweite wurde finanziert von einem Kaugummikonzern (der seitdem außerordentlich populär wurde, aber unerklärlicherweise quasi pleite zu sein scheint).

// Where the hell was Matt? – das erste Video 2003/2004
// Where the hell is Matt? – das zweite Video, der internationale Durchbruch

// Vortrag von Matt Harding in Burlington über die Entstehungsgeschichte seiner Videos (Teil 1, Teil 2, Teil 3)
// Interview mit Matt Harding bei Payscale, einem Branchenjournal für Onlinemarketing

// Berichte über das Projekt von Matt Harding (auf wikipedia.org):

  1. ^ Benji Lanyado. “Dance, dance, wherever you may be“, The Guardian, December 23, 2006. Retrieved on [[2006-12-28]].
  2. ^ Andrea Sachs. “The Guy Who Danced Around the Globe“, Washington Post, October 22, 2006. Retrieved on [[2006-12-28]].
  3. ^ James Gilden. “Amateurs’ talent: Giving us a local perspective on the world“, Los Angeles Times, September 3, 2006. Retrieved on [[2006-12-28]].
  4. ^ Kristin Jackson. “Dancing around the world (and Web)“, Seattle Times, October 5, 2006. Retrieved on [[2006-12-28]].
  5. ^ Jordan Smith. “Dancing Matt coming to town“, Austin Chronicle, August 26, 2005. Retrieved on [[2006-12-16]].
  6. ^ Meet Matt. Stride gum. Retrieved on 2006-12-16.
  7. ^ mattharding2718 Channel. YouTube. Retrieved on 2006-12-29.
  8. ^ Jill Fahy. “Globe-trotting dancing fool visits Champlain College“, Burlington Free Press, November 10, 2006. Retrieved on [[2006-12-16]].
  9. ^ MobyGames.com

zwischen Breakbeat und Handkamera :: Tänzer bei YouTube

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Das meistgesehenste Video bei YouTube ist ein Tanzvideo. Wir reden hier von 40 Millionen Zuschauern: Der Komiker Judson Laipply hat “Evolution of dance” als Teil seiner Show “Inspirational Comedy” produziert und ist damit zum Superstar geworden: Zwischen Slapstick, Tanz, Chartmusik und Charme findet sich der Schlüssel zum Publikumshit. Laipply ist mit der nicht besonders guten Tanzperformance weltbekannt und Symbol für den Aufstieg von Youtube geworden, weil er den Massengeschmack perfekt getroffen hat. Damit ist er nicht mehr weit weg von einer ganz neuen Kunstform in YouTube: Junge Leute, vornehmlich hübsche Frauen, die in unaufgeräumten Zimmern zu Playback von CD ihre Lieblingslieder nachsingen und -tanzen, meist während Sie neue Klamotten anprobieren, sich schminken oder vor dem Fernseher sitzen. Eines dieser Videos gehört mit 12 Millionen Zuschauern ebenfalls zu den ganz großen Knallern auf YouTube (ein Erfolg, der die jungen Frauen so kalt erwischt hat, dass sie prompt ein Making Of-Dankevideo produzierten).

Ganz anders wirkt da der Tänzer von Bruce. Der herausragende Breakdance in einer Turnhalle fand immerhin eine Viertelmillion Zuschauer, spielt qualitativ aber schon in einer anderen Liga. Und in dieser Breakbeat-Ecke gibt es dann auch Leute wie David Elsewhere, die zu Ikonen der Netzkultur werden: Elsewhere, der eigentlich David Bernal heißt, ist Ausnahmetänzer eines Stils, den er mit Adjektiven wie liquid oder robotic beschreibt und der 2003 schon ziemlich eindrucksvoll aussah. Die Folgen dieser beiden Clips waren enorm: Nicht nur, dass David Elsewhere dank dieser Videos eine Menge Interviews in etablierten Medien geben durfte und in amerikanische Fernsehshows eingeladen wurde. Er wurde vor allem Symbolfigur einer neuen 60-Sekunden Berühmtheit, wie das Time Magazin konstatierte. David Elsewhere, vor wenigen Monaten noch David Bernal und relativ unauffällig, ist jetzt Werbefigur von Volkswagen und Heineken (die Videos dafür stehen auf seiner MySpace-Seite) und hat einen eigenen Lexikoneintrag bei Wikipedia.
Und dann gibt es noch Leute wie Matt Harding, die beweisen, dass grade aus der Massenorientierung und Amateurhaftigkeit, die völlig neue Zeitkapazitäten in der Filmproduktion frei werden lässt, echte Kunst entstehen kann. Wir verabschieden uns und sind mit YouTube schon wieder ein bißchen versöhnt, wenn wir sehen, was daraus werden kann: Das Video Where the hell is Matt? gehört mit rund 4,6 Millionen Zuschauern nämlich auch zu den meistgesehensten auf YouTube..

6 Jahre Noah :: ein Kunstprojekt wird YouTube-Kracher

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Die Fakten sprechen für sich: Über 4 Millionen Leute haben das Video gesehen (damit gehört es zu den meistgesehensten Videos des Internet), 16.000 Kommentare wurden bisher abgegeben und 24.000fach wurde das Video als Favorit gespeichert.

Keine guten Zahlen, wenn es um Kunst geht.

Das Video, um das es geht, ist aber Kunst.

Allerdings so originell, dass sie massenwirksam wird: Der Fotograf, der der Welt als Noah bekannt ist, hat sich jeden Tag fotographiert – sechs Jahre lang. Die Bilder hat er zu einem Video geschnitten, in dem jede Minute etwa 360 Bilder durchflackern, in knappen sechs Minuten sieht man also sechs Jahre Leben im Portrait. Man sieht wie Haare wachsen und Frisuren in den Wuchs schlagen, wie die Gesichtsknochen sich strecken und Falten sich einziehen.

Das Alter, das einem der Langsamkeit wegen entgeht, wird Akteur, indem es sich dem Wahrnehmungstempo der Zeit anpasst, in die es etwas hineinerzählt. Dass das ausgerechnet auf dem Schlachtschiff der jungen Medienkultur, YouTube passiert, ist ein Teil des Werks. In diesem Spannungsfeld von Langsamkeit, die erst im Zeitraffer ihre Größe offenbart, wird einiges über unsere Zeit deutlich. Gut, die Fokussierung auf das Schnelle ist heute eine Platitüde. Aber schon die Erkenntnis, die das Schnelle uns über das Langsame ermöglicht, mit unserer Zeit in Verbindung zu bringen, ist eine interessante Idee. Diese Erkenntnis aus der Schnelligkeit heraus aber als Farce zu entlarven, als oberflächliche Idee von etwas, das wir im vorbeirennen nie eigentlich gesehen haben, das ist wirklich gut. Denn was bleibt? Das Verstehen, dass die Zeitrafferästhetik das Wesen der Langsamkeit nie fassen kann, sondern nur massenästhetikgemäß ins Bild rückt und assoziativ aufspannt. Der Zuschauer bleibt abseits von anatomischen Veränderungen der Person Noah im Dunkeln, was da eigentlich vor sich geht. Durch den Reiz des Äußeren, der durch die Weite der Jahre, die in sechs Minuten abbildbar zu sein scheint, auch deren Tiefe suggeriert, vergessen wir ganz, dass wir eigentlich nichts sehen. Und obwohl wir durch die Zeit rasen, für die der Fotograf selbst sechs Jahre gebraucht hat, wissen wir am Ende nicht mehr über ihn, als er uns in sechs Minuten hätte erzählen können. Aber wir sind – und auch das passt für unsere Zeit – statt erleuchtet von einem Inhalt erschlagen von der Form – und sind beflügelt bis benommen vor der vermeintlichen Größe dessen, das wir meinen, hinter dem Bildermeer nur nicht richtig erfasst zu haben.

Nur dass es da gar nichts gibt.

// das Video anschauen
// ein zweites Video von einer Frau, technisch noch besser: “me”

Liebe das Leben (R: Vika Jagucanskyte)

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// den Film sehen

Gut, er kommt bescheiden daher, der Film, der das Glück erklären will. Er beginnt mit technisch unsauberen Schnappschüssen aus einer Stadt, die so wenig mit Glück assoziiert wird, wie Kohlekraftwerke oder Fabrikarbeit: Mannheim. Und fast unbemerkt zwirnt sich nach Sekunden aus den Bilderfäden ein Tau, das mitzieht, und die größere Idee fast unbemerkt etabliert: Die Allgegenwart des Glücks.
“Liebe das Leben” reiht Szenen wie Perlen auf die Schnur. Aber das wirkt nur zufällig. Denn dahinter komponiert die größere Idee die Bilder zur Musik. Ein Text von Hesse´s Siddahrta leitet an: Siddahrta, der später Buddha genannt werden sollte, durchfährt nach Jahren erfolgloser Askese, Völlerei und Meditation beim Übersetzen mit dem Fährmann die Erkenntnis, die der Anfangspunkt seiner Erleuchtung wird: Er erfährt das Ohm, die Einheit von allem.

Wenn er nicht auf das Leid noch auf das Lachen hört,
wenn er seine Seele nicht an irgendeine Stimme band
und mit seinem Ich in sie einging,
sondern alle hörte, das Ganze,
die Einheit vernahm,
dann bestand das große Lied der tausend Stimmen
aus einem einzigen Worte,
das hieß Ohm – die Vollendung

Und um diese Erleuchtung geht es dem Video. Zu groß? Nein. Es geht schon in Siddahrta um eine Erleutung, die – so groß sie auch klingt – im Erkennen des Größten im Alltäglichen besteht. Schon die Idee ist poetisch: Die absolute Größe, die Erleuchtung, das Erkennen der letzten Wahrheit, verlangt nicht etwas überirdisch Großes, sondern das Wahrnehmen dessen, was man die ganze Zeit wahrnimmt. Es geht um das, was schon der französische Film Amelie versuchte zu sagen: Das wahre Glück ist nicht größer, sondern kleiner. Es entsteht, wenn man die tausend Kleinigkeiten beachtet, die zu dem großen Glück beitragen.
“Liebe das Leben” ist das beeindruckende Debüt der Mannheimer Videokünstlerin Vika Jagucanskyte, die durch Interviews mit Freunden und Bekannten das Wesen des Glücks fassbar machen wollte. Kongenial unterstützt durch die Musik von Urs Gögler balanciert Jagucanskyte zwischen dem dokumentarischem Realismus der völlig unterschiedlichen Biographien und der so schwer greifbaren Poesie des Lebens, die diese Eckdaten in einen größeren Klang bringt. Dieser Poesie, die in einzelnen Momenten des Films kaum wahrnehmbar sichtbar wird, aber fühlbar das Größere ist, das den Rahmen um alle Szenen legt. Das ist so wahr und so gut eingefangen, dass nach einer Viertelstunde wirklich das Eine übrig bleibt: Ein inneres Wissen um die Allgegenwart des Glücks.

Das erinnert mich an eine Geschichte, von der gesagt wird, ein buddhistischer Meister habe sie einem Schüler erzählt, als dieser fragte, wo denn Gott zu finden sei.

Ein Fisch schwamm zu einem anderen Fisch und fragte erschöpft: “Sag mal, weißt Du, wo der Ozean ist? Ich suche schon die ganze Zeit.” “Der ist hier überall. Schau Dich doch um,” antwortete der zweite. “Nein, nein. Ich meine nicht das Wasser und die Algen und die Fische. Ich meine den Ozean,” meinte der erste Fisch mürrisch: “dann kannst Du mir wohl auch nicht helfen.” Und als er das gesagt hatte, schwamm er davon, um weiter zu suchen.

Motomichi Nakamura :: der Ikonograph unter den Musikvideomachern

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Motomichi Nakamura ist ein Genie. Seine Musikvideos gehören zu den hypnotischsten Stücken Videokunst. Seine Bildsprache ist so begrenzt – auf die Farben weiß, grau, schwarz und rot und die einfachsten geometrischen Formen – und so vielfältig in ihrer Originalität und vielschichtig in ihren Zusammenhängen, dass man seine Videos einfach kennen sollte. Keiner ist wie er. Und irgendwie ist das auch gut so, obwohl er herausragend gute Clips macht.

I believe that there are always two sides to everything like “light” and “shadow” and “good” and “evil”. When I create characters I try to reflect that idea to them.
(Interview: s. unten)

Knife- We Share Our Mothers Health
Eine Atari-inspirierte Welt in rot, grau und schwarz. Auch der Sound klingt nach 80er Computerderivaten. Die Grobheit der äußeren Ästhetik wird nur noch durch die Ikonographie übertroffen: Krasse abstrakte ikonographische Formen mit Motiven von Krieg und Menschsein, Operationsbesteck und schreienden Mündern, roboterhaft animiert, aber hypnotisch in ihrer Dynamik. Selten hat man ein so verstörendes Video mit so klarer Bildsprache gesehen. Schwarze Ovale auf grauem Grund werden zu Blumen und zu Raketen. Rote Tropfen wirken wie Blut und schwarz wirken sie wie Bomben. Kreise sind mal Köpfe, mal Bomben, mal Minen. Raketen werden zu stilisierten Vögeln, diese zu Bombenfliegern und die dann wieder zu Menschen, die anfangen zu singen, sobald sie von einem der roten Kreise getroffen werden. So werden Welten ineinander verwoben, deren inhaltliche Kohärenz peripher zu sein schien. So wird aus den unterschiedlichen Systemen doch wieder die eine Welt, die als Phrase des Friedens mit Drittweltländern in Erinnerung ist und hier doch meint: Die eine Welt, in der alles auf Krieg hinausläuft. Die in jedem ihrer Systeme Wege konzeptioniert hat zu Entfremdung und Gewalt. Bei der ein Apfel zur Bombe wird und die Spritze des Arztes zum Bombenflieger. Das klingt alles sehr grob und das ist es nicht: Hinter der auf den ersten Blick einseitigen Bildsprache entwickeln sich nach mehrmaligem Schauen neue Ebenen und Schlüssel zum Verstehen. Der eigentümliche Sog der Bilder tut sein übriges, um die kongenial zur ambivalent nervig-inspirierenden Musik variierten Symbole so miteinander zu vernetzen, dass echte Kunst entsteht. Kunst, die in ihrer Aussage ihre eigene, zu eindeutige Bildlichkeit transzendiert. Und wird, was sie war: Eine Geschichte von Ikonographien über Krieg und Menschsein.

Otto von Schirach – Laptops und Martinis
Nicht viel Neues zu sagen. Zu sehen schon: Abermals herausragend komponierte, symbolhafte Meisterwerke animierter Geometrie. Wieder das Spiel mit den Farben rot, schwarz und weiß und deren Bedeutung. Assoziationen an Gewalt, Verkehr, Blutstropfen, Maschinengewehre, Monster und die Verlorenheit des Einzelnen in der geometrischen Idee. Verstörend, verdreht, verquer. Wie ein Fiebertraum zwischen, ja, genau: Laptops und Martinis.

// Interview mit dem Ausnahmeregisseur Motomichi Nakamura

Im Reich der Reproduzierbarkeit :: Hot Chip – Over and Over (R: Nima Nourizadeh)

von René Büttner. Lust auf mehr? Schauen Sie in die Kategorien Assoziatives-Surreales, Bewegtes, Farbe, Form, Soziales, Videokunst, alle Posts, andere Musikvideoregisseure, beste Posts, digitale Welten

Einen Augenblick im Bild ist ein urwüchsiges Fachwerkhaus, aus den Lautsprechern tönt das monotone Gebimmel eines Windspiels. Realität mit Struktur. Dann der Blick in einen Raum, der den statischen Bildaufbau mit vollkommen anderen Inhalten wiedergibt. Kaum gesehen, gerät die Kontur in Bewegung, wir vergessen das Haus sofort und fahren mit der Kamera durch einen froschgrünen, auf beklemmde weise leeren, unwirklichen Raum. Eine virtuelle Welt? Strukturen, aber keine Realität. Da taucht eine Bühne auf, mit Menschen aus Fleisch und Blut, es sind die Jungs von HOT CHIP, die sichtlich gelassen angesichts der rätselhaften Umgebung, ihren Hit « Over and over » rocken. Vor und hinter ihnen grüne Froschmänner, konturlos vor der grünen Auskleidung des Raumes, hierdurch seltsam körperlos. Doch genau deshalb keine Fremdkörper, angepasst an die Gegebenheiten dieser Umwelt. Sichtlich in ihrem Element tanzen sie den körperlichen Menschen Bewegungen vor, die eigentlich, ob der Körperlosigkeit ihres Mediums, nur Ideen von Bewegungen sind. Doch unter dem hypnostischen Rhythmus der Musik, dem over and over des Upbeats, müssen diese Bewegungen nachgemacht, nachgetanzt werden, immer und immer wieder. Die Froschmänner sind in ihrem Element, sie sind, dank ihrer Eigenschaft als bloße Ideen, die Herren des virtuellen Raumes. Sie werden immer dreister, lassen die Menschen bei aus dem Kontext genommenen Bewegungsabläufen unbeholfen aussehen, manipulieren deren Gestik immer offensichtlicher. Doch wie « echt » sind ihrerseits die Menschen? Der Sänger trägt ein T-Shirt mit dem Aufdruck eines Skeletts, wie um zu sagen: ich habe einen Bauplan, auch ich bin nur eine Idee. Ein kleines Häufchen von Fans steht vor der Bühne. Da taucht es direkt daneben noch einmal auf. Und noch einmal. Die kleine Gruppe fängt an, den Platz vor der Bühne gut zu füllen. Es zählt nur die Idee des Fans, sein Quellcode, die Realisierung und Multiplizierung ist im virtuellen Raum kein Problem. Es ist die Übermacht des Konzepts, die in diesem Video die fassbare Welt Purzelbäume schießen lässt. Es sind nicht Menschen, die Ideen haben, sondern es sind die Ideen, die sich der Menschen bemächtigen, sie marschieren lassen « like a monkey with a miniatur cymbal ». Die Idee, beheimatet in einer elektronischen Datenwelt, findet hier, so wie in Cunninghams « Monkey Drummer » (siehe unten), eine beliebige gegenständliche Realisierung, unwirklich und albtraumhaft. Geniales Konzept.

Stumble Upon :: Finden, bis der Arzt kommt

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Sauber. Du klickst auf einen Knopf im Browser und rast zu einer Seite, die irgendwer für Dein Thema empfohlen hat. Das ist die Kurzversion eines Projekts namens StumbleUpon, das mittlerweile zu den erfolgreichsten SocialNetworks des Internet zählt. Alles, was man braucht, ist eine Erweiterung für Firefox bzw. Internet Explorer und eine kostenlose Registrierung, bei der man aus einigen Duzend Themen seine Favoriten wählt. Und dann findet man mit StumbleUpon die besten Seiten, die man finden kann.

Ausprobieren. Unbedingt.

// Stumble Upon