Raben, Wüste und ein neues Image :: Madonna – Frozen (R: Chris Cunningham)

You only see what your eyes want to see
How can life be what you want it to be
You´re frozen
When your heart´s not open.

Es war in der Wüste. Madonna hatte Chris Cunningham engagiert, einen weltbekannten Musikvideoregisseur. Und sie wollte etwas Pures, Warmes. Das ganze Set reist in die Wüste und erst dort wird klar: Das Wetter macht nicht mit. Das Licht ist anders als erwartet. Das Video kann nicht so werden, wie geplant. Vor Ort bittet Cunningham um freie Hand und Madonna gewährt. Das Ergebnis findet Cunningham gut, aber Madonna lehnt eine Veröffentlichung ab. Das sei nicht ihr Image, das sei nicht sie, das passe nicht zur ihr. Das ganze Video sei ein Reinfall gewesen. Nur mit viel Geduld kann sie überredet werden, den Clip doch noch freizugeben.

Natürlich ist die Pointe: Der Film schlägt ein wie eine Bombe. Er verhilft Madonna zum neuen Image, ihre CD Verkäufe explodieren, das Video wird Clip des Jahres bei MTV – das ist eine der wichtigsten Auszeichnungen der Szene. Im Nachhinein halten viele das Video für das gelungendste, was Madonna je hat produzieren lassen.

Das Video ist düster, mystisch, arbeitet kaum mit Farben, fokussiert sich auf Schatten von schwarz und ocker. Schwarze Tücher schleichen von allein durch Wüstensand, schwarze Vögel erheben sich in die dunkle Luft, ein schwarzer Hund rennt auf brüchigem Boden, Wolken rasen über den Himmel und tauchen im Zeitraffer den Tag in das Schwarz der Nacht. Das ist Cunningham in einer ungewohnt poetischen Weise und für Madonna wirklich neues Terrain. Den ganze Clip hält eine tiefe, düsterblaue Ruhe zusammen, die der schwarzgewandeten Protagonistin Madonna eine morbide Mystik gibt. Ein Video auf dem Grad zwischen sinnlich-dunkler Ästhetik und surrealen Traumbildern, die der Härte von Wüstenboden und Schwarztönen eine Weichheit geben, welche Cunningham selten erreicht. Aus dieser Spannung zieht der Clip seine ästhetische Qualität.

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