die Rache der Datenschützer :: das virtuelle Selbst wird professionell

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Es geht ja in Computerkreisen immer nach dem Motto, wer noch findiger ist. So kämpft Google gegen Microsoft, der Virenprogrammierer gegen die Antivirenfirma oder die Kopierschutzknacker gegen die Kopierschutzentwickler. Hier bekommt das Spiel einen neuen Namen: Je mehr Mühe die Datenangler aufwenden, um ihre Nutzer tatsächlich mit elektronischer oder gar postalischer Adresse zu Orten, desto findiger werden die Datenschützer, ihre Anonymität zu wahren. Daraus ist wie zufällig ein Stück Gegenwartskunst enstanden, das hier vorgestellt werden soll.
Da hat also jemand dieses Spiel mitgespielt und eine Maschine programmiert, ein virtuelles Selbst, was sag ich unzählig viele Selbste schafft. Kostenlos, auf Mausklick. Das Besondere ist, dass diese Selbste im Prinzip sämtliche technischen Überprüfungen überstehen. Die Ironie muss man sich mal bewusst machen: Prüfmaschinen, die dazu programmiert sind, reale Menschen von virtuellen Phantasien zu trennen, werden erst durch die Logik und Datenmasse eine Identitätsgenerierungsmaschine überlistet. Der Kampf um die Identitäten: In der virtuellen Welt eine Sache zwischen Robotern.
Konkret sieht das so aus: Der Fake Name Generator erstellt nicht nur einen virtuellen Namen, der zu Staatsangehörigkeit und Geschlecht passt. Er erfindet auch eine imaginäre Straße, deren sprachliche Logik der des wählbaren Heimatlandes entspricht und ergänzt eine real existierende Stadt selber Provinienz mit ihrer realen Postleitzahl. Die Mailadresse enthält den Phantasienamen vor dem @ und ist sogar funktionstüchtig. – Sie greift direkt auf den Service eines Spam-Vermeidungsdienstes zurück, bei dem die Mailadresse nie registriert werden muss und nach erfolgter Nutzung sich selbst überlassen werden kann. So erschafft die neue Technik einen Menschen, der nach allen technischen Überprüfungen real existieren müsste – aber doch nur das Produkt einer Maschine ist.

[tags]Datenschutz, Fake Name Generator, Hacker, virtual ID, Spam, Spammailer, virtuelle Adresse, virtuell[/tags]

Marsellus Wallace wahres Gesicht :: Pulp Fiction Dialoge als Typographie-Kunst

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Was man mit Buchstaben anstellen kann, hat schon Antoine Bardout-Jaques für Alex Gopher´s “the Child” gezeigt. Der neue Geniestreich kommt von Jaratt Moody und ist die Visualisierung eines Pulp Fiction Dialogs: Samuel L. Jackson macht im Auftrag seines Chefs, des Supergangsters Marsellus Wallace, einen Typen fertig und schießt im ins Knie. Die Szene dazu ist Kult, ziemlich brutal und einer der Gründe dafür, dass Quentin Tarrantino mit dem Film weltbekannt geworden ist. Ein cleverer Typograph hat jetzt diese Sequenz in bewegten Buchstaben visualisiert. Das ist viel interessanter, als es klingt. Denn anders als in “the child” werden die Buchstaben nicht als visuelle Symbole benutzt, sondern sind emotionale Träger, obwohl sie auf ihre rudimentär Typographischen Charakteristika beschränkt bleiben (Größe, Neigung, Schriftart, etc.). Und in dieser Reduktion auf die vermeintlich formalistische Sprache der Typographie wird die ganze Wirkkraft der Worte deutlich, die ganze Mehrinformation des Ausdrucks. Entkernt vom Bild wird die Szene in eine Schriftebene zurückkatapultiert, ohne jedoch die szenischen Eigenschaften aufzugeben. Und damit findet das Werk neben der inhärenten Ästhetik eine neue Aussagekraft: Es steht als Kunstwerk genau an der Schwelle von Schrift mit ihren abstrakten Symbolen und Film mit seinen dynamischen, unmittelbaren Codes. Und noch mehr: Es verbindet beide Ebenen kongenial, in dem es das Potenzial der bewegten Schrift zeigt, ohne die ureigensten Beschränkungen der Schrift aufzugeben. Damit steht das Pulp-Fiction-Kunstwerk zwischen den Welten von Schrift und Film, trennt und verbindet gleichermaßen. Und dass ist wirklich einen Blick wert.

Ansehen!
Es gibt von dem Film auch eine Low-Res-Version auf ifilm. Schaut´s Euch an.

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das Innere nach Außen :: Influences (R: Phil)

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Dreißig Personen, die sein Leben beeinflusst haben, malt dieser Mann sich selbst auf Bauch und Brust. Dass das technisch ganz gut aussieht, ist Nebensache. Interessanter: Dass dieser Phil mit seiner Geste eine Metapher der Moderne schafft. Indem er dem ein Bild gibt, was in seiner Biographie verborgen liegt, treibt er die Visualisierung auf die Spitze: Das, was er auf seinen Bauch malt, ist er. Das ist symbolhaft, einfach, genial auf den Punkt gebracht. Obwohl, halt, nur er weiß, was er damit verbindet. Wir Zuschauer bleiben allein mit den Bildern uns unbekannter Personen, die zwar schön bunt sind, aber dem Wesen von Phils Biographie sind wir damit keinen Schritt näher. Und darin liegt das Subtile, dass aus dem Video auch aus einer mehr als technischen Sicht Kunst macht: Indem es uns damit überrascht, dass die verstanden geglaubte Visualisierung nur leeres Symbol ist, verweist die Metapher auf etwas, das zu oft verloren gegangen ist – das Wissen darum, dass visuelle Symbole von ihrem Grundcharakter begrenzt sind.

// “Influences” sehen

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das digital gezimmerte Musikstück :: Amateur (R: Lasse Gjertsen)

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Es ist die Rache der digitalen Perfektion: Ein Drummer, der nicht spielen kann, wird durch digitale Schnittfinesse zu einem perfekten Trommelsolo geschnitten. Jeweils einzelne Verspieler werden so clever aneinandergebaut, dass eine sauber gespielte Komposition entsteht. Die Postproduktion verursacht das Werk aus Fehlern. Wie eine Metapher für die jeder-kann-alles-Gesellschaft. Was kann man da noch sagen? Das hat Gjertsen einfach richtig gut hingekriegt.

// den Film sehen

Zwischen den Zeichen :: Madonnas “Confessions Tour” (R: Jonas Åkerlund)

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Man mag es kaum glauben, aber Madonna, die Pop-Heilige, ist zur Veröffentlichung ihres letzten Studioalbums „Confessions on a Dancefloor“ im kleinen Londoner Club „Koko“ aufgetreten. Dort hatte sie einst mit „Holiday“ ihre Karriere begonnen und die rohe Realität liegt längst zurück. Madonnas kurze Rückkehr auf die Club-Bühne ist als solche nur eine symbolische Geste in einer Karriere, die sich bilderbuchmäßig über Symbole erstellt hat. Niemand will Madonna in Wirklichkeit beim Soundcheck sehen, sondern über ein Spektakel staunen, das allenfalls mit dem Show-Bombast von Michael Jackson, Richard Wagner oder dem Theater des Barock vergleichbar ist. Entsprechend wurde das Konzert, das jetzt auf der DVD/CD-Edition „The Confessions Tour“ zu sehen ist, nicht im „Koko“ aufgezeichnet sondern in der „Wembley Arena“.

Es gibt, wie immer, alles zu sehen. Madonnas Repertoire ist perfekt, bringt die letzten zwanzig Jahre Popkultur auf die Bühne und integriert über Labels für Liebe und Lebensgefühle alle neuen Trends von Breakdance bis zur Netzkunst. Jeder Song ist ein greller Slogan, der die moderne Welt zelebriert. „Forbidden Love“ stellt Davidstern und Halbmond auf den Oberkörpern von Tänzern gegenüber bis Madonna als einendes Zeichen zwischen die Tänzer tritt. Sie streckt die Hand aus und ein Adler aus der Videowand scheint auf ihrer Hand zu landen. Bei „Live to tell“ verbinden sich Kirchenglocken und Internet-Adressen im abendländischen Symbol schlechthin, dem Kreuz, das hier nicht Gottes Sohn, sondern seine Tochter Madonna trägt. „I have a tale to tell“ singt die Gekreuzigte und ist damit Erzählerin und Erzählung zugleich. Madonnas Geschichte erzählen dann die Leinwände im Intro zu „Music Inferno“. Das Thema ist Disko, Madonna ist Disko. Gekrönt im „Dancing Queen“-Umhang muss Madonna nur frühere Shows variieren, um selbst schwache Songs des neuen Albums mit Wucht wegzufegen. Trotzdem hat das Konzert ein Selbstverständnis, das nicht zynisch, sondern zuvorkommend ist. „Erotica“ ist nur noch ein Nahtanz im Badeanzug, „Like a virgin“ ein verspielter Ritt an der Stange. Skandale waren gestern. Selbst Madonna trinkt Wasser und prostet den Zuschauern zu. „Cheers“ ist die wahrste aller Universalgesten.

(Videosuche rechts oben)

[tags]Madonna, Confession, DVD, Musikvideo, Videkunst[/tags]

eine Ahnung vom wahren Leben :: das Zeitalter der Lachanfälle

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Populärsachbücher reden manchmal von der Best-Of-Gesellschaft. Wenn es sie gibt, sind Youtube und Co zwei ihrer wichtigsten Brutstätten. Es geht um Fragmente, die einmal geliefert, das Interesse am Ganzen verebben lassen. Es fängt an bei den Sportschauschauern, die sich mit den Torsequenzen die anderhalbstunden Fussballübertragung sparen. Im Netz geht es weiter. Über Noah, der den Zuschauern sechs Jahre seines Lebens in sechs Minuten zumutet wurde schon geredet. Wir erden uns. Weg von der Kunst. Hin zu den Alltagsvideos. Lachanfälle. Bitteschön.

Prominente Lachanfälle werden im Internet unsterblich, bleiben wie der Dagmar Berghoff-Versprecher, die Stilblüten von Präsident Bush oder der Wetterberichtversprecher auf Jahre verbunden mit der Netzidentität der Person. Besonders spannend ist hier das Dilemma des Erik Hartmann, einen holländischen Showmaster, der in seiner Sendung Boomerang einen solchen Lachanfall wegen der erkrankten Stimme eines Gastes bekam, dass er die Sendung danach abgeben musste. Das Video dazu gehört zu den großen Lachern des Internet und ist tausendfach kommentiert worden. Aber der Schein trügt: Das Stück ist entgegen der Meinung der meisten Zuschauer nicht reales Fernsehen, sondern seinerseits intentionale Comedy. Der Clip ist ein Sketch der belgischen Komiker in de gloria. Und die best-of-Mentalität von YouTube und Konsorten ist die perfekte Tarnung eines Sketchs, denn die realen Filme unterscheiden sich durch nichts von dem Kaberettstück. Die Parodie legt die Fragmenthaftigkeit bloss, die hinter dem alles-ist-online-credo der Videobörsen steht. Aber es wird auch klar, das man eigentlich nichts mehr wissen kann. Das dekontextualisierte Medien zwar noch Fragmente sind, aber nicht mehr verbunden und damit eigentlich schon wieder das Ganze. Die gezielte Produktion eines Fragments ist usus oder der Verlust des Werks im Kopierprozess erwartbar. Die Macher des Videos sind mittlerweile weltweit bekannt und waren zu Gast bei Late-Night-Legende Jay Leno. Nur hatte auch seine Redaktion nicht sauber recherchiert und nicht verstanden, dass es sich bei dem Clip um eine Satire handelt. So schwappt das Pseudofragment zurück in die alten Medien und es entsteht Kunst aus Versehen.
Ein Postskriptum zum Thema Lachanfälle: Ein zum Weltstar avancierten Baby verdankt seinen Ruhm nur der Tatsache, dass es sich drei Minuten kaputtlacht. Ganz systemunkritisch und unfragmentiert.

// mehr Versprecher

Where the hell is Matt? :: ein YouTube-Beitrag zur Weltoffenheit

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Das Konzept ist einfach und zugleich beeindruckend: Ein Mann tanzt an verschiedenen Orten der Welt. Immer die gleiche Handkamera, ein ähnlicher Bildaufbau, ähnliche Tanzbewegungen. Ein Video ohne große Überraschungen. Aber auch ein Video mit einem hypnotischen Sog und viel Stoff zum Weiterdenken.

“Where the hell is Matt” von Matt Harding ist ein großartiges Symbol für das globale Dorf, für die Einfachheit der Vielfalt. Antarktis, New York, der Regenwald und die Berliner Mauer werden durch den Tanz des immer gleichen Protagonisten verbunden, die Raumgrenze erscheint als überwindbar und grade dadurch wird sie als Kulturgrenze offensichtlich. Die Kultur selbst wird Zeichen einer geographischen Entfernung, die durch den Protagonisten transzendiert wird: Das globale Dorf ist real, die Nähe des Entfernten ist ein Faktum. Und das auf diese Art ausgerechnet auf YouTube zu sagen, dem Inbegriff der Wohnzimmerglobalisierung, der Gallionsfigur eines bleiben-wir-zuhause-Travellertums, ist ein Politikum und ein gutes Stück Kunst.
Matt Harding ist durch sein Video weltbekannt geworden. Seine Clips gehören zu den meistgesehensten Videos des modernen Internet. Und auch das ist ein Zeichen dafür, dass seine Bilder über alle Grenzen verstanden werden: Ein Stück Kunst, das so einfach und so beeindruckend ist, dass es jeder rezipieren kann: In allen Orten dieser Welt und von allen Menschen, die mit Bildern etwas anfangen können. Der künstlerische Anspruch wird dadurch nicht negiert, sondern unterstützt: Ein Kunstwerk, dass überdauerndes Symbol werden könnte für das Travellertum, für die lokale Entgrenzung der Moderne, aber auch ein Symbol des Protests gegen die Bildschirmisierung der Welt, eine Rückkehr der Natur in die Technik und eine Auseinandersetzung mit Fragen der Authentizität, der Reproduzierbarkeit von Wirklichkeiten, der Bedeutung realer Grenzen und ein Zurückholen der kulturellen Unterschiede. Denn die kulturelle Unterschiedlichkeit bleibt auch in Zeiten globaler Cola-Werbekampagnen und standardisierter Ästhetikkonzepte bestehen. Mehr noch: Sie wird erreichbar und erfahrbar. Und “Where the Hell is Matt” ist ein Film, der diese Frage besser auf den Punkt bringt, als jede intellektuelle oder politische Diskussion.

Hintergrund: Sein erstes Video produzierte Matt selbst, das zweite wurde finanziert von einem Kaugummikonzern (der seitdem außerordentlich populär wurde, aber unerklärlicherweise quasi pleite zu sein scheint).

// Where the hell was Matt? – das erste Video 2003/2004
// Where the hell is Matt? – das zweite Video, der internationale Durchbruch

// Vortrag von Matt Harding in Burlington über die Entstehungsgeschichte seiner Videos (Teil 1, Teil 2, Teil 3)
// Interview mit Matt Harding bei Payscale, einem Branchenjournal für Onlinemarketing

// Berichte über das Projekt von Matt Harding (auf wikipedia.org):

  1. ^ Benji Lanyado. “Dance, dance, wherever you may be“, The Guardian, December 23, 2006. Retrieved on [[2006-12-28]].
  2. ^ Andrea Sachs. “The Guy Who Danced Around the Globe“, Washington Post, October 22, 2006. Retrieved on [[2006-12-28]].
  3. ^ James Gilden. “Amateurs’ talent: Giving us a local perspective on the world“, Los Angeles Times, September 3, 2006. Retrieved on [[2006-12-28]].
  4. ^ Kristin Jackson. “Dancing around the world (and Web)“, Seattle Times, October 5, 2006. Retrieved on [[2006-12-28]].
  5. ^ Jordan Smith. “Dancing Matt coming to town“, Austin Chronicle, August 26, 2005. Retrieved on [[2006-12-16]].
  6. ^ Meet Matt. Stride gum. Retrieved on 2006-12-16.
  7. ^ mattharding2718 Channel. YouTube. Retrieved on 2006-12-29.
  8. ^ Jill Fahy. “Globe-trotting dancing fool visits Champlain College“, Burlington Free Press, November 10, 2006. Retrieved on [[2006-12-16]].
  9. ^ MobyGames.com

zwischen Breakbeat und Handkamera :: Tänzer bei YouTube

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Das meistgesehenste Video bei YouTube ist ein Tanzvideo. Wir reden hier von 40 Millionen Zuschauern: Der Komiker Judson Laipply hat “Evolution of dance” als Teil seiner Show “Inspirational Comedy” produziert und ist damit zum Superstar geworden: Zwischen Slapstick, Tanz, Chartmusik und Charme findet sich der Schlüssel zum Publikumshit. Laipply ist mit der nicht besonders guten Tanzperformance weltbekannt und Symbol für den Aufstieg von Youtube geworden, weil er den Massengeschmack perfekt getroffen hat. Damit ist er nicht mehr weit weg von einer ganz neuen Kunstform in YouTube: Junge Leute, vornehmlich hübsche Frauen, die in unaufgeräumten Zimmern zu Playback von CD ihre Lieblingslieder nachsingen und -tanzen, meist während Sie neue Klamotten anprobieren, sich schminken oder vor dem Fernseher sitzen. Eines dieser Videos gehört mit 12 Millionen Zuschauern ebenfalls zu den ganz großen Knallern auf YouTube (ein Erfolg, der die jungen Frauen so kalt erwischt hat, dass sie prompt ein Making Of-Dankevideo produzierten).

Ganz anders wirkt da der Tänzer von Bruce. Der herausragende Breakdance in einer Turnhalle fand immerhin eine Viertelmillion Zuschauer, spielt qualitativ aber schon in einer anderen Liga. Und in dieser Breakbeat-Ecke gibt es dann auch Leute wie David Elsewhere, die zu Ikonen der Netzkultur werden: Elsewhere, der eigentlich David Bernal heißt, ist Ausnahmetänzer eines Stils, den er mit Adjektiven wie liquid oder robotic beschreibt und der 2003 schon ziemlich eindrucksvoll aussah. Die Folgen dieser beiden Clips waren enorm: Nicht nur, dass David Elsewhere dank dieser Videos eine Menge Interviews in etablierten Medien geben durfte und in amerikanische Fernsehshows eingeladen wurde. Er wurde vor allem Symbolfigur einer neuen 60-Sekunden Berühmtheit, wie das Time Magazin konstatierte. David Elsewhere, vor wenigen Monaten noch David Bernal und relativ unauffällig, ist jetzt Werbefigur von Volkswagen und Heineken (die Videos dafür stehen auf seiner MySpace-Seite) und hat einen eigenen Lexikoneintrag bei Wikipedia.
Und dann gibt es noch Leute wie Matt Harding, die beweisen, dass grade aus der Massenorientierung und Amateurhaftigkeit, die völlig neue Zeitkapazitäten in der Filmproduktion frei werden lässt, echte Kunst entstehen kann. Wir verabschieden uns und sind mit YouTube schon wieder ein bißchen versöhnt, wenn wir sehen, was daraus werden kann: Das Video Where the hell is Matt? gehört mit rund 4,6 Millionen Zuschauern nämlich auch zu den meistgesehensten auf YouTube..

Shit happens :: die Wahrheiten der Welt in Sätzen über Kot und Hühner

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Die Idee ist in ihrem Reduktionismus zeitgemäß und in ihrer Originalität sowieso: Die Philosophen dieser Welt werden an der Frage, warum ein Huhn über die Straße geht abgefrühstückt und die Religionen der Welt haben es noch schlechter erwischt. Gut, im Prinzip hatten wir den Taoismus auch vorher verstanden. Aber jetzt wird es schon ein bißchen klarer. Ich habe einen Theologen im Ohr, der mal gesagt hat

Wir sollen so einfach reden wie möglich.
Aber nicht einfacher.

Ms. Dewey :: die menschliche Antwortmaschine

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Es ist ein Traum, seit Tim Berners Lee das World Wide Web erfunden hat: Eine Suchmaschine, die menschlich ist. Ms. Dewey ist eine, die nicht nur auf ganze Sätze reagiert, sondern auch wirklich aus Fleisch und Blut antwortet. Als animiertes Video. Augenzwinkernd und ziemlich clever gemacht. Ein erster Eindruck davon, was künstliche Intelligenz einmal sein könnte.