Zieht mich aus und fresst mein Fleisch :: Robbie Williams - Rock DJ (R: Vaughan Arnell)

Pimpin’ aint easy
Most of them fleece me
Every night
Pimpin’ ain’t easy
But if you’re sellin’ it, sellin’ it, sellin’ it
It’s alright

Robbie Williams: Ex-Teeniestar, Ex-Paparrazifeindbild, Ex-Drogengeständiger. Mit diesem Video hat er mal wieder eine Grenze überschritten, diesmal die des guten Geschmacks. Und ganz falsch liegt man auch nicht, wenn man annimmt, dass es die Grenze zur Kunst statte zur Posse war, die er da genommen hat. Aber fangen wir vorne an.
Robbie singt in dem ganz lesenswerten Text vom Landen bei Frauen, die darauf nicht so richtig anspringen. Seine Lösung im Video: Er reißt sich die Kleider vom Leib. Erstes Tabu: Robbie ist nackt.
Aber die Figuren im Video reagieren nicht.

Und dann geht es erst richtig los: Er zieht sich die Haut vom Körper. Er reißt sich einzelne Muskeln aus. Er wirft die blutigen Muskeln nach den schönen Tänzerinnen, die sich damit einreiben wie Wölfinnen. Ihr Interesse ist erwacht. Das Ende: Glücklich, soweit man als Skelett glücklich sein kann, im Tanz mit einer der schönen Frauen.

Warum ist das jetzt interessant? Robbie Williams ist der einzige Superstar, der sich heutzutage traut, ein derartiges Video zu machen. Weil er nicht nur nach einer geschickten Einführung, in der er sich als der Lieblingsglitzerschwiegersohn der Plattenindustrie stilisiert, sämtliche Tabus bricht, die das Genre des Musikvideos noch aufrecht hält. Und weil er die Rolle als Idol durch sich selbst reflektiert und dann im Spannungsfeld zwischen Superstar, mit dessen Bild das Video beginnt, und dem alter ego, dass sich für die ldealisierung selbst verstümmeln muss, dem Dilemma der Pop-Elite ein Bild zuschreibt, das für ein populäres Musikvideo außerordentlich kraftvoll ist.
Nein, ich möchte jetzt nicht pathetisch werden. Aber vor einiger Zeit habe ich ein Zitat gelesen:

Manchmal das Gefühl: Sich ausziehen wollen bis auf die Knochen.

In dem Zitat schwingt diese Ambivalenz mit: Ein Wollen ist es, dass die Verstümmelung rechtfertigt und das der Künstler schließlich als Skelett tanzend feiert. Das ist als visuelle Idee weder abgedroschen noch banal. Schon in sich liegt im polaren Aufbau des Videos ein ästhetischer Einfall, der sich auszeichnet - zum Beispiel der realistischen Gehalt des Settings zu Beginn gegenüber dem surrealen Geschehen gegen Ende oder über die anfangs elitär-außenbezogene und dann zusammenbrechend-selbstreflexive Entwicklung der Narration. Betrachtet man die Person Robbie Williams mit ihren Depressionen, Therapien, Entzugsversuchen, Ausschreitungen und Skandalen scheint das Video noch dazu, soweit man das bei einem Popstar vermuten kann, Ergebnis einer realen Auseinandersetzung zu sein. Und aus der Biographie heraus den Schritt zu diesem Video zu machen, das ist eine ganz eigene Größe.

(Videosuche rechts oben)

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