Cunninghams Horrorästhetik :: The Horrors – Sheena is a parasite (R: Chris Cunningham)

Ganz neu und doch wieder der alte: Cunningham, der selten poetisch war, eigentlich eher krass und laut und heftig, hat nach der Überraschung für Madonna (“Frozen”) wieder mal etwas gedreht, das man erwartet hätte. Und doch wieder nicht. Denn erwähnenswert ist das Video für The Horrors (“Sheena is a parasite”) allein deshalb, weil Cunningham einen Schritt gegangen ist: Von den surrealen Traumwelten für Aphex Twin (“Come to Daddy”) und Björk (“All is full of love”) schafft er diesmal die Synthese zum Live-Video und damit eine Realitätsbindung, die für seinen Stil eine kleine Revolution bedeutet. Denn die Basis des Videos ist eine unterbelichtet aufgenommene Live-Gig-Szenerie: Ein tanzendes Mädchen, ein Kopf am Mikrophon, erinnert alles sehr an Zeiten, in denen ACDC Gitarren schreddernd durch Musikvideos geheizt sind (obwohl the horrors um einiges fieser rüberkommen und – wie gesagt – das Video in dieser Geisterbahn-Helligkeit gedreht ist). Mitten in diese Szenerie hinein baut Cunningham jetzt seine verstörenden, milisekundenlangen Schnitte, die das Video mit aller Gewalt auseinanderschlagen und keine drei Sekunden später ist alles wieder normal. Kommt alles wie unscheinbarer daher. Aber trifft zielsicher. Eine Minute vierzig ästhetischer Psychoterror.

Das Video gibt´s hier.


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