zwischen Breakbeat und Handkamera :: Tänzer bei YouTube

Das meistgesehenste Video bei YouTube ist ein Tanzvideo. Wir reden hier von 40 Millionen Zuschauern: Der Komiker Judson Laipply hat “Evolution of dance” als Teil seiner Show “Inspirational Comedy” produziert und ist damit zum Superstar geworden: Zwischen Slapstick, Tanz, Chartmusik und Charme findet sich der Schlüssel zum Publikumshit. Laipply ist mit der nicht besonders guten Tanzperformance weltbekannt und Symbol für den Aufstieg von Youtube geworden, weil er den Massengeschmack perfekt getroffen hat. Damit ist er nicht mehr weit weg von einer ganz neuen Kunstform in YouTube: Junge Leute, vornehmlich hübsche Frauen, die in unaufgeräumten Zimmern zu Playback von CD ihre Lieblingslieder nachsingen und -tanzen, meist während Sie neue Klamotten anprobieren, sich schminken oder vor dem Fernseher sitzen. Eines dieser Videos gehört mit 12 Millionen Zuschauern ebenfalls zu den ganz großen Knallern auf YouTube (ein Erfolg, der die jungen Frauen so kalt erwischt hat, dass sie prompt ein Making Of-Dankevideo produzierten).

Ganz anders wirkt da der Tänzer von Bruce. Der herausragende Breakdance in einer Turnhalle fand immerhin eine Viertelmillion Zuschauer, spielt qualitativ aber schon in einer anderen Liga. Und in dieser Breakbeat-Ecke gibt es dann auch Leute wie David Elsewhere, die zu Ikonen der Netzkultur werden: Elsewhere, der eigentlich David Bernal heißt, ist Ausnahmetänzer eines Stils, den er mit Adjektiven wie liquid oder robotic beschreibt und der 2003 schon ziemlich eindrucksvoll aussah. Die Folgen dieser beiden Clips waren enorm: Nicht nur, dass David Elsewhere dank dieser Videos eine Menge Interviews in etablierten Medien geben durfte und in amerikanische Fernsehshows eingeladen wurde. Er wurde vor allem Symbolfigur einer neuen 60-Sekunden Berühmtheit, wie das Time Magazin konstatierte. David Elsewhere, vor wenigen Monaten noch David Bernal und relativ unauffällig, ist jetzt Werbefigur von Volkswagen und Heineken (die Videos dafür stehen auf seiner MySpace-Seite) und hat einen eigenen Lexikoneintrag bei Wikipedia.
Und dann gibt es noch Leute wie Matt Harding, die beweisen, dass grade aus der Massenorientierung und Amateurhaftigkeit, die völlig neue Zeitkapazitäten in der Filmproduktion frei werden lässt, echte Kunst entstehen kann. Wir verabschieden uns und sind mit YouTube schon wieder ein bißchen versöhnt, wenn wir sehen, was daraus werden kann: Das Video Where the hell is Matt? gehört mit rund 4,6 Millionen Zuschauern nämlich auch zu den meistgesehensten auf YouTube..


eine Antwort to “zwischen Breakbeat und Handkamera :: Tänzer bei YouTube”

  1. ikonoskop » Blog Archive » zwischen Breakbeat und Handkamera :: Tänzer bei YouTube | bittekunst.de Says:

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