Zwischen den Zeichen :: Madonnas “Confessions Tour” (R: Jonas Åkerlund)

Man mag es kaum glauben, aber Madonna, die Pop-Heilige, ist zur Veröffentlichung ihres letzten Studioalbums „Confessions on a Dancefloor“ im kleinen Londoner Club „Koko“ aufgetreten. Dort hatte sie einst mit „Holiday“ ihre Karriere begonnen und die rohe Realität liegt längst zurück. Madonnas kurze Rückkehr auf die Club-Bühne ist als solche nur eine symbolische Geste in einer Karriere, die sich bilderbuchmäßig über Symbole erstellt hat. Niemand will Madonna in Wirklichkeit beim Soundcheck sehen, sondern über ein Spektakel staunen, das allenfalls mit dem Show-Bombast von Michael Jackson, Richard Wagner oder dem Theater des Barock vergleichbar ist. Entsprechend wurde das Konzert, das jetzt auf der DVD/CD-Edition „The Confessions Tour“ zu sehen ist, nicht im „Koko“ aufgezeichnet sondern in der „Wembley Arena“.

Es gibt, wie immer, alles zu sehen. Madonnas Repertoire ist perfekt, bringt die letzten zwanzig Jahre Popkultur auf die Bühne und integriert über Labels für Liebe und Lebensgefühle alle neuen Trends von Breakdance bis zur Netzkunst. Jeder Song ist ein greller Slogan, der die moderne Welt zelebriert. „Forbidden Love“ stellt Davidstern und Halbmond auf den Oberkörpern von Tänzern gegenüber bis Madonna als einendes Zeichen zwischen die Tänzer tritt. Sie streckt die Hand aus und ein Adler aus der Videowand scheint auf ihrer Hand zu landen. Bei „Live to tell“ verbinden sich Kirchenglocken und Internet-Adressen im abendländischen Symbol schlechthin, dem Kreuz, das hier nicht Gottes Sohn, sondern seine Tochter Madonna trägt. „I have a tale to tell“ singt die Gekreuzigte und ist damit Erzählerin und Erzählung zugleich. Madonnas Geschichte erzählen dann die Leinwände im Intro zu „Music Inferno“. Das Thema ist Disko, Madonna ist Disko. Gekrönt im „Dancing Queen“-Umhang muss Madonna nur frühere Shows variieren, um selbst schwache Songs des neuen Albums mit Wucht wegzufegen. Trotzdem hat das Konzert ein Selbstverständnis, das nicht zynisch, sondern zuvorkommend ist. „Erotica“ ist nur noch ein Nahtanz im Badeanzug, „Like a virgin“ ein verspielter Ritt an der Stange. Skandale waren gestern. Selbst Madonna trinkt Wasser und prostet den Zuschauern zu. „Cheers“ ist die wahrste aller Universalgesten.

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